Stress im Jenseits (4)

Ich wollte ja jede Szenenfolge illustrieren, doch wäre das mühsam geworden. Lassen wir einfach den Text sprechen. Den Flugzeugabsturz kennen wir aus anderen manipogo-Beiträgen, und die Wirkung von Gedanken in der Anderen Welt ist uns auch nicht unvertraut. Das ist hier aber lustig geschildert.

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Azrael steht mit zehn anderen, die alle weiß gekleidet sind, in einem weißen Raum. Sie sehen durch eine Glasscheibe in einen weißen Saal. In diesen stolpern und wanken und schweben eine Menge Leute, alle irgendwie transparent, hell gekleidet, mit Umhängen und leichter Sommerkleidung. Sie wirken wie in Trance, einige schlagen die Hände vors Gesicht, andere weinen, wieder andere schütteln den Kopf, und manche wirken ganz gefasst.

Azrael: zu den anderen  Wir können sie ja nicht hören, aber ihr spürt die Verzweiflung, oder? Ein Flugzeugabsturz, das kommt immer überraschend. Sie sind auf der anderen Seite und fassen es nicht. Drüben, bei den Menschen, haben sie Psychologen, die sich um die Hinterbliebenen kümmern, die ihre Angehörigen erwartet haben, und hier seid ihr eingeteilt. Es gibt auch eine mexikanische Truppe, jeder der Opfer hat einen Ansprechpartner. Wir reagieren da schnell. Ah, hier ist Juza.

Juza eine natürlich weiß gekleidete schöne Frau: Azrael, ich grüße dich. Ihr könnt gerne Beistand geben, aber hier gibt es ja noch das Sprachproblem. Später versteht jeder jeden. Doch diese Leute können nur Spanisch, und wir müssen wohl Worte brauchen, um sie zu beruhigen. Aber ihr werdet hilfreich sein und wollt euch das ja nur aus der Nähe ansehen.

Azrael: Du machst das gut. Wir haben ja überall Teams, aber wir wollten mal nach Mexiko, so ist es interessanter. Zu seinen Leuten. Ihr geht nun hin und nehmt Anteil. Hört bei den Dialogen zu. Eigentlich müsst ihr jemandem nur sagen: Nicht traurig sein. Du bist nun hier. Für deine Angehörigen ist gesorgt. Du hast den großen Schritt getan. Wie fühlst du dich? Wir bringen dich zur Station 13, du musst dich erholen, eine Weile an nichts denken. Alles wird gut. Schafft ihr das? Alle nicken. Sie gleiten hinüber. Viktor bleibt stehen.  

Azrael: Ich weiß, Viktor, dir gefällt das nicht. Aber du musst das miterleben. Schau von hier aus zu. Ich habe für dich schon eine andere Mission, es ist mir klar. Schau zu.

Juza: Auch ich war erst in einem anderen Team, aber das wurde mir zu langweilig. Eine Charakterfrage. Ich schau jetzt hin, macht es gut. Verschwindet.

Drüben begegnen sich die Opfer und die Helfer. Sie umarmen sich, es wird geredet, verzweifelte Szenen spielen sich ab, und irgendwann beruhigt sich die Szene, es wird zu einem Stillleben, alle erstarren, und die Opfer lassen sich ruhig wegführen.

Azrael: Ja, denk dir das, in jeder Minute sterben Menschen, und allen wird geholfen. Wir müssen sie alle empfangen und zur Ruhe bringen. Wir überwachen alles und sind auch auf große Unglücke vorbereitet. Aber glaub mir, auch ich leide immer ein bißchen mit. Mein Erdenleben ist lange vorbei, ich erinnere mich kaum, mein Hinübergang war sanft, ich glaube, ein Schlaganfall auf einer Kreuzfahrt. – Die Ersthelfer sind ungeheuer wichtig, und ich hoffe, dass sich ein paar unserer Kandidaten dafür entscheiden. Wir fliegen dann gemeinsam zurück. Abblende.   

8

Melanie: Und, was passiert jetzt?
Frau/Helferin (Deola): Was soll passieren? Muss immer etwas passieren? Du bist hier, um zu lernen. Das passiert. Du bist ja gerade erst geboren. Nenn mich Deola.
Melanie: Deola, gut. Ich erinnere mich noch an alles. Mein Leben.
Deola: Nimm es nicht zu leicht. Du warst noch jung, als du den Schritt getan hast. Aber hier bist du ein Säugling. Hier, siehst du: alles weiß.
Melanie: Und?

Frau: Schau her. Sie schließt die Augen, hebt ihre Hände, mit den Handflächen vor sich. Vor ihren Augen erhebt sich eine schöne Schrankwand, links entsteht eine Wand mit modernen Bildern, ein schwarzer Drehsessel aus Leder wächst aus dem Boden, und ein Violinkonzert von Schubert erklingt. 

Melanie: Wahnsinn! Einfach so?
Deola: Für dich. Ein Raum aus eurem Leben. Geh hin.
Melanie lässt sich in den Sessel fallen, dreht sich, schaut herum.
Deola: Glaubst du, das bedeutet mir irgendetwas? Sie zieht die Hand von links nach rechts, die Handfläche zum Boden gerichtet, und – alles verschwindet. Melanie plumpst auf den Boden.Deola: Auf der Erde würde dir das wehtun. Hier gibt’s keinen Schmerz. Jetzt denkst du, das will ich auch können, stimmt’s?
Melanie: Klar.
Deola: dann stell dir eine schöne Schrankwand vor, konzentriere dich darauf, wolle es und zaubere sie hin.

Melanie schließt die Augen, öffnet ihre Hände und schiebt etwas vor sich her. Eine hüfthohe Steinmauer wächst aus dem Boden, bewachsen von Efeu, und eine Ratte läuft auf ihr von links nach rechts.

Deola: Super!
Melanie macht die Augen auf  Aber wo ist die Schrankwand? Das ist ein Flop, muss man sagen.

Deola: Die meisten schaffen überhaupt nichts. Du lernst das auch noch, du wirst dir alles wünschen und alles bekommen. Sie legt ihr die Hände auf die Schultern. Du wirst dir deine tollsten Träume erfüllen – und irgendwann merken, dass es das nicht ist. Schau her. Sie bewegt ihre Hand und zaubert eine große Leinwand hin. Man sieht.jemanden mit leerem Blick in einem Wohnzimmer sitzen, einen anderen stumm auf einem Balkon, eine dritte stehend in einem wunderbaren Barockzimmer.

Deola: Siehst du die? Sie haben es gelernt und sich ihre Umgebung geschaffen. Denen fehlt nichts. Wie auf Erden. So sitzen sie dann jahrelang, wie verstummt. Melanie, sei klug. Es gibt viele hier, die wollen nicht hören. Kommen nicht weiter. Folge mir.

Sie stehen auf einem Berggipfel, blauer Himmel, Blick ins Tal.

Deola ergreift ihre Hand  Das ist eine Welt, die dir echt vorkommt. Du riechst die Blumen, spürst einen Luftzug. Es ist aber eine konstruierte Welt. Du brauchst sie nicht. Auf der Erde gehst du vom Berg hinunter, machst weiter, gehst wieder hinauf, genießt es, gehst hinunter. Hier geht es nur hinauf, aber im geistigen Sinne. Wenn du willst, können wir lange darüber sprechen. Du musst es wollen. Es ist einfach. Wie im Christentum und anderen Religionen. Selbstlos sein, anderen helfen wollen, sich dem Zentrum nähern, schweigen, um Erleuchtung bitten, und dein Glück wird grenzenlos sein. Vergib deine Chance nicht! Mehr kann ich dir nicht sagen, wir werden uns wiedersehen, wenn du bereit dazu bist. Sie küsst sie auf die Stirn und verschwindet.

Melanie steht wieder im weißen Raum.

Melanie: Einen Berg! Den Himalaya, weiße Schneekuppen! Sie schließt die Augen, hält die Hände vor sich hin. Eine Müllkippe entsteht, ein Bulldozer fährt in der Ferne herum. Mist, Deola hatte Recht, ich muss noch viel lernen.

 

Morgen Teil 5.

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