Fünf Menschen im Himmel
Ja, den extra Beitrag bekommt – The Winner is: – The Five People You Meet in Heaven (Fünf Menschen, denen du im Himmel begegnest). Ein langer Film aus dem Jahr 2004 von Lloyd Kramer, der kunstvoll die Zeitebenen wechselt. Ihn fand ich herzerwärmend. Ein Mensch erlebt einen Rückblick auf sein Leben live, und das kommt mir realistisch vor.
Der alte Eddie (Jon Voight), der auf dem Rummelplatz arbeitete, stirbt einem Unfalltod. Könnte fast eine Anspielung auf Liliom sein, den wir gestern hatten. In dem alten Film fand ich die Himmels-Sekretärin ja allerliebst, und sie sehen wir rechts. – Eddie läuft ziellos herum und landet immer wieder an Orten, die ihm bekannt vorkommen. Vietnam! Ein Kollege rettete ihm dort das Leben. Doch auch ein kleines Mädchen macht sich geltend: »Du hast mich verbrannt.« Ja, der junge Eddie richtete damals einfach seinen Flammenwerfer auf Häuser der Dorfbewohner.
Dann sehen wir weiter sein Leben auf Erden, in Etappen, von der Jugend bis ins Alter. Von den fünf Menschen, die ihm begegnen. lernt er viel über sich, und seine geliebte Frau, die vor ihm starb, ist auch darunter. Freilich ist das sehr gefühlig-amerikanisch gedreht, aber dann wird es plötzlich surreal und außerweltlich. Die Wirkung bleibt nicht aus.
Das Buch von Mitch Albom wurde von einige Kritikern als sentimental bezeichnet, was immer das heißen soll. Mit wurde während des Films eine Szene meines Lebens bewusst, die ich etwas vergessen hatte und die mich traurig macht, und bei der Stelle, als Eddie seinem Vater vergibt, konnte ich mich kaum halten und vergoss selber Tränen. Großes Kino!
Ellen Burstyn hat auch darin einen Auftritt, sie war ja die Hauptperson in Resurrection von 1980. In den Five People … hat sie ein Restaurant errichtet, in dem nur gute Menschen sind, darunter auch Eddies Vater. Die Akteurin lebt übrigens noch, ist 93 Jahre alt, und noch vor 3 Jahren wirkte sie in Filmen mit. Rechts sehen wir sie im Jahr 2009, da war sie 77.
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Mitch Albom, der Autor der Buchvorlage, wird in 4 Tagen 68 und hatte noch einen Bestseller: Dienstags bei Morrie. Dieses Buch von 1997 fiel mir kürzlich in die Hände. Heute ist leider Montag, morgen erst kommt der Tag, an dem der junge Sportjournalist und Ich-Erzähler den todkranken Morrie Schwartz aufsuchte, der früher sein Professor war. An 14 Dienstagen erfährt der junge Mann, was ein 78-Jähriger kurz vor seinem Lebensende als Lehre präsentiert. Etwa:
Das Wichtigste im Leben ist zu lernen, wie man Liebe gibt und wie man sie in sich selbst hereinlässt.
Wenn du lernst, wie du stirbst, dann lernst du, wie man lebt.
Liebe ist so unendlich wichtig … Liebet einander oder geht zugrunde. (W H. Auden, britischer Dichter)
Lass zu, dass ein Gefühl dich überflutet, … dann distanzier dich davon. Schau es an als das, was es ist.
Es sind die falschen Dinge, denen wir einen Wert beimessen.
In diesem Land herrscht eine große Verwirrung darüber, was wir wollen, im Gegensatz zu dem, was wir brauchen.
Vergib dir selbst. Vergib anderen.
Mir wird das selber fast zuviel. Klingt salbungsvoll, wie vom Pfarrer. Klingt nach Wohlfühl-Literatur und wirkt so amerikanisch, im Stil Lebe glücklich von Dale Carnegie. (Die TestpilotInnen reden ja ähnlich. Doch ist es nicht wahr? Zuviel davon ist freilich schlecht. Durchs Lesen wird niemand besser; nur Erfahrungen verändern einen.) Aber Mitch hat es drauf, der alte Professor stößt noch »Ich lieb dich« hervor und hätte ihn sich als Sohn gewünscht. Er solle sich seine Stimme vorstellen, dann sei er bei ihm. Doch richtig ernst meint Morrie das nicht; ob es danach weitergeht, darüber wird nicht gesprochen. Wird ausgeklammert.
Gut, 2003 in dem Buch Die fünf Menschen, die dir im Himmel begegnen hat Mitch Albom das gutgemacht, das Leben danach ernst genommen. Nach den Dienstagen mit Morrie gründete der Autor übrigens die Organisation A Time for Help, die Bedürftigen in Detroit hilft. Der Autor ist also ein Philantrop, ein Menschenfreund, und damit wissen wir, dass es in den USA nicht nur gierige, machtbesessene Milliardäre gibt, sondern auch gute Menschen.