Phantom-Autos sind langsam
Einen Ordner durchblätternd, fand ich ein paar kleine Geschichten vornehmlich aus der US-Zeitschrift Fate. In den folgenden zwei geht es um Autos, die sich in Luft auflösen. Sie waren wohl nicht aus dieser Welt.
Gefunden habe ich die Geschichten in der Fate-Ausgabe vom August 2007 (S.30/31):
Mary aus Portland (US-Bundesstaat Oregon) fuhr eines frühen Morgens mit dem Auto auf dem Highway aus dem Ort Bend hinaus. Die Straße hatte einen Randstein vor der Wüste und ging nach Horse Ridge stetig hinab. Sie fuhr nicht schnell. Vor ihr war eine langsame schwarze Limousine. Mary schaltete einen Gang höher und fuhr vorbei. Sie sah zum anderen Wagen hinüber, um zu sehen, ob sie die Leute kannte, und es war ein älteres Ehepaar, das sie ansah.
Doch als sie wieder in den Rückspiegel blickte, war da keine schwarze Limousine mehr. Sie hielt an und schaute. Es gab keine Zufahrtsstraße, keine Erklärung für das Verschwinden der schwarzen Limousine. Dann:
Eine leichte Brise kam plötzlich auf und traf mich – und ich kann euch sagen, dass sich mir die Nackenhaare aufstellten und ich Schüttelfrost bekam. Ich bin in mein kleines Auto gesprungen, habe alle 4 Türen verriegelt und bin abgedampft. Ich war erschrocken und verwundert gleichzeitig. Ich glaube, ich bin es immer noch. Zumindest, wenn ich davon erzähle. –
ℜ ℜ
Max saß im Auto und fuhr mit seiner Familie an einem frühen Sonntagmorgen im Jahr 1991 aus Albany (Staat New York) hinaus, als ihn eine uralte Chevrolet-Limousine aufregte, weil sie so langsam unterwegs war, dass sie den Verkehr behinderte. Das 1941-er Modell kam vermutlich von einem Oldtimer-Treffen oder fuhr zu einem solchen. Max wollte Geduld beweisen, jedoch kam er mit seiner Familie von einem Verwandtentreffen am Lake George und hatte daheim noch viel Papierkram zu erledigen. Er erzählte:
Ich musste am nächsten Morgen früh zur Arbeit und sollte meine Präsentation mitbringen. Als ich dem Chevy näherkam, sah ich, dass ihm die üblichen Nummernschilder fehlten, die die Besitzer von Oldtimern haben sollten. Ich wollte nicht unverschämt sein, aber ich betätigte die Hupe, was ich sonst nicht tue, wenn ich hinter langsamen Fahrzeugen herfahre.
Max erinnerte sich, dass sich der Fahrer des Chevrolets zu ihm umdrehte und total erschrocken wirkte. Max hatte einen bösen Blick oder eine obszöne Geste erwartet, doch der Mann im anderen Wagen schien sichtlich aus der Fassung. Als ob er sicher gewesen sei, sich alleine auf dem Highway zu befinden.
Und dann löste sich vor den entsetzten Augen von Max, seiner Frau und der drei Kinder die Chevrolet-Limousine buchstäblich in Luft auf. Max erinnerte sich:
Das war, als ob eine alte Fotografie allmählich vor uns ausblich, bis nichts mehr da war, was uns zeigen konnte, dass es sie je gegeben hatte. Der alte Chevy und sein Fahrer waren innerhalb von 30 Sekunden einfach verschwunden.
Ñ Ó
Irgendwie hatten sich die Fahrzeuge wohl in der Timeline geirrt. In der jenseitigen Welt kann, wer will, sich mit Gedankenkraft ein schönes Auto hinzaubern; darum heißt sie auch die Geistige Welt. Diese Autos sind dann natürlich nicht materiell und können sich auflösen, wie man es von Geistern hört. Wie angebliche erdgebundene Geister (an deren Exiostenz Julia Assante ja nicht glaubt) sich gern dort aufhalten, wo sie zu Lebzeiten zuhause waren, so fahren manche eben gern ihre geliebten Straßen ab … und sind verwundert, dass sie sich in ihrer Zukunft befinden.
Die Fotos sind Creative Commons.

