Phantom-Hotels

Man will eigentlich nicht von Phantom-Hotels sprechen, denn in drei unserer vier Geschichten schliefen die Gäste dort wunderbar und frühstückten auch gut. Die Hotels existierten; nur waren sie später eben nicht mehr zu finden.  Vielleicht waren die Besucher (wie die alten Limousinen gestern) irrtümlich in einer anderen Zeitlinie gelandet?

Fall eins ist wieder aus Fate, August 2007:

Sam und Clara befanden sich im Frühsommer 1987 auf einer Geschäftsreise, die sie nach Amarillo im Staat Texas führen sollte. Kurz nach Mitternacht entschlossen sie sich, an einem rustikalen Restaurant anzuhalten und dort etwas zu essen. Nie zuvor bei ihren Reisen nach Amarillo hatten sie dieses Lokal bemerkt. Sie erinnerten sich später, dass die Speisen schmackhaft waren: vorzügliche Hausmannskost. Die Bedienung, der Koch und die anderen Gäste kamen dem Paar so freundlich und aufrichtig vor, dass sie beschlossen, auf dem Rückweg wiederum dort einzukehren.

Sam berichtete:

Und genau das versuchten wir, als wir zurückfuhren. Aber dieses freundliche bodenständige Restaurant war nicht mehr aufzufinden. Wir fuhren sogar zurück, weil wir meinten, vielleicht eine Abzweigung verpasst zu haben. Sogar gestritten haben wir uns, weil jeder genau zu wissen meinte, wo das Restaurant lag. Wir konnten es einfach nicht mehr finden, und weil es spät war, gaben wir es auf.

(Leider fehlt die nächste Seite, die vielleicht eine Auflösung gebracht hätte.)

Φ Φ

Der nächste kurze Eintrag ist aus dem Buch The World’s Great Ghost and Poltergeist Stories, 1994:

Bo Linus Orsjo wanderte auf dem Mount Lowe in der Nähe der kalifornischen Küste, als er an einem großen grünen Hotel vorbeikam. Gäste schienen keine dazusein, nur ein Mädchen fegte im Eingangsbereich die Treppe. Mr Orsjo nahm es zur Kenntnis und ging weiter.

Als er jedoch zwei Jahre später erneut da vorbeikam, wollte er nachsehen, ob sich das Gebäude noch dort befände. Doch er fand nur eine Ruine, aus der hohe Bäume wuchsen. Der Wanderer war höchst erstaunt, dass ein Haus innerhalb von so kurzer Zeit derart verfallen konnte, bis er ein Bild in einem Buch sah. Das Hotel war viele Jahre zuvor erbaut worden, als Teil eines geplanten Bergdorfes, hatte jedoch nach mehreren Bränden geschlossen werden müssen. Das war 1937, etwa 35 Jahre vor Bo Linus Orsjos Besuch.

∑  ∑

In einem älteren Beitrag von manipogo (Link unten) finden wir eine ähnliche Geschichte, die ich als Gedicht umformulierte, weil ich daran Freude hatte. Also nun in Prosa, es geht ja um einen echten Fall. Recherchiert hat ihn der bekannte US-Autor Brad Steiger, der ihn in seinem Buch Ghosts and Phantoms on the Highway publizierte. Und akkurat die Fate schrieb im August 2007 darüber. Steiger nannte seine Gesprächspartnerin Joan. Die Radiojournalistin musste im Südwesten der USA 200 Meilen zu einem Interview für einen Job fahren und bat ihre Freundin Elaine, doch mitzukommen.

Gebucht hatten sie nichts, nun suchten sie ein Hotel, und hinter einem verrotteten Motel fanden sie eines, das adrett aussah. Es stand neben dem Dairy-Drive-in. Ein nobel aussehender Herr reichte ihnen die Schlüssel, die Zimmer waren sauber, und sie schliefen wunderbar. Um sieben das Frühstück, und das Gespräch im Sender lief gut, der Chef mochte Joans Stimme und bot ihr gleich eine Talkshow und andere Termine an. Sieg auf der ganzen Linie! Sogar mehr Gehalt, denn es war ein großer Sender.

Jetzt hätten sie gern wieder in ihrem kleinen Hotel übernachtet. Doch sie fanden es nicht mehr. Umkreisten mehrmals das Drive-in: keine Spur von ihm.

Χ Χ

Und am liebsten ist mir die nächste (und letzte) Geschichte, die auch ein Gedicht wurde. Eine Quelle habe ich dafür nicht. Ein armer Mann hatte früh die Eltern verloren und verdiente sich nun sein Brot als fahrender Händler. Eines Abends stand er im kalten Wald. Nun der Rest des Gedichts (erstmals veröffentlicht im Februar 2020):

Da, plötzlich, in der Ferne, schimmert’ ihm ein Licht.
Da war ein Haus. Ein großes Feuer brannte im Kamin,
es gab genug zu essen, und dazu empfingen ihn
ein eleganter alter Herr und eine alte Dame, edel, schlicht.

Das Paar war derart freundlich, aufmerksam, beflissen,
wie unser Händler’s nie erlebt. Sie waren reine Höflichkeit.
Und damit nicht genug: Sie kamen mit ihm auf sein Zimmer, und zu zweit
Bereiteten sie ihm das Bett, die Decken, und er legt sich auf die Kissen.  

Er schlief bald ein und träumte schön wie nie.
Als er erwachte, lag er da am Waldrand, und die große Straße war ihm nah.
Das Haus, in dem er grad genächtigt hatte, das war nicht mehr da.
Wo waren diese Leute, und wer waren sie?

Vielleicht die Eltern, die, sagt uns das Buch, in einem andern Raum
gealtert waren und ihm helfen wollten. War das bloß ein Traum?  

 

Das Foto oben ist von Caroline M. Highsmith, Dank an die Library of Congress, Washington D. C., das Foto darunter der Mount Lowe (Wikimedia Commons), und das Foto unten auch frei: ein Hotel in Texas.

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