Single fürs Leben
Anfang Juli hatte der Youtube-Podcast Can Ask Meh? aus Singapur eine Diskussion am runden Tisch mit vier Teilnehmern. Es ging um die Frage, wie man damit zurechtkomme, Single zu sein und es zu bleiben ein Leben lang. Die Fragen stellen die Zuschauer, und schon die erste war hart: »Seid ihr Single, weil niemand euch haben will?«
Die Teilnehmer waren:
Pearl, 38 Jahre alt, kleinwüchsig, mit einer Lungenkrankheit und Skoliosis, häufig im Krankenhaus;
Wayn, 26, der/die sich als asexuell und aromantisch bezeichnet und das Adjektiv »aroace« einführte, das ein Synonym dafür ist;
Suresh, 46, Pfleger, der gern eine Familie gehabt hätte, aber seinem schwerkranken Bruder, den er pflegt, versprach, nie heiraten zu wollen;
Gerald, 37, Franziskaner-Pater. Mönche verpflichten sich zum Zölibat.
Ich sehe eben anders aus, betonte Pearl und sagte, wenn man nicht der Norm der Gesellschaft entspreche, werde es schwierig. Sie sei bei einem Begräbnis eines Freundes gewesen, und wenn Menschen sich einander anvertrauen, werde Liebe ausgetauscht. Wir müssten auch lernen, uns selbst zu lieben, um diese Liebe weitergeben zu können. Sie habe viele Menschen um sie, die sie liebten.
Gerald gab zu, dass das Ausgeschlossensein von diesen Etappen wie Beziehung/Ehe/Familie ihn auch manchmal traurig gemacht habe. Er sei auch verliebt gewesen und frage sich, wie er dieses Gefühl ausdrücken wolle; doch das Romantische daran sei vielleicht nicht die Erfüllung. – Eine Frage war: Was ist euer Geheimnis für ein erfülltes Leben? – Sein Geheimnis sei Gott, sagte Gerald. Er wisse um dessen Liebe und versuche auf seine Art, ihn zurückzulieben.
Wayn möchte sich nicht den Konventionen der Gesellschaft beugen, weil er/sie keine Lust auf eine Beziehung hat. Doch manche asexuelle Menschen wünschten sich eine Ehe und eine Familie, jedoch ohne den romantischen Aspekt. Sie wolle das nicht, doch sie finde, Freundschaft gehe manchmal tiefer als romantische Liebe. Asexuell zu sein sei nur ein Teil ihrer Persönlichkeit; wir sollten das Leben, das hart genug sei, anderen möglichst angenehm machen.
Auch Suresh, ein attraktiver bärtiger Inder, ist manchmal traurig und bekannte sogar, vor diesem Treffen geweint zu haben. Warum müsse das so sein? Aber er versorgt Tag und Nacht seinen Bruder, der ihm sehr am Herzen liegt. Seine Fröhlichkeit und sein Humor waren ansteckend.

