Auf dem Mont Sainte Odile
Anfang Juni war ich mit dem Rad 4 Tage in L’Isle-sur-le-Doubs, Anfang Juli 4 Tage in Issenheim, und Anfang August fuhr ich nach Barr und übernachtete an der Flanke des Ottilienbergs. Auf Französisch ist das der Mont Sainte Odile, benannt nach der Heiligen, die von 660 bis 720 lebte.
Ich hatte das ein französisches Buch über den mysteriösen Berg, in dem ich dauernd herumlas, ohne viel zu behalten. Der wilde Fürst Etichon hatte Söhne und eine Tochter, die aber blind geboren wurde. Welche Schande! Er ließ das Mädchen aussetzen, durch göttliche Gnade bekam es sein Augenlicht wieder und wurde die erste Äbtissin der Abtei Hohenbourg, die vermutlich oben auf dem Berg lag. Das heutige Bauwerk (unten) stammt von 1953.
Zeigen wir unten mal groß die Heilige, die Hauptperson, deren Bild oben in einer Kapelle untergebracht ist. Dort oben nehmen großen Raum das Hotel, das Restaurant, Seminarräume und der Zentralsaal für die Pilger ein; so nebenbei wird auch der Odile gedacht, an einer Wand vor den Toiletten sehen wir ihre Genealogie. Irgendwie geht’s dort oben ums Geschäft. – Unter ihrer Statue ein Kirchenfenster mit Odiles Abbild, 50 Kilometer südlicher, in Aubure. – Und dann noch ein Bild aus Schlatt bei Bad Krozingen. Man rief Ottilie bei Augenleiden an, und die Erzabtei bei Landsberg am Lech ist auch nach ihr benannt.
Mir schreibt immer mal wieder Samuel Müller von SALEM International, das in einigen Ländern karitativ tätig ist, unter anderem auch in Ecuador und Uganda. Der neueste Wunsch wäre eine Abteilung für Augenkunde am SALEM-Krankenhaus in Mbale/Uganda, wo ich 2023 auch war. Sie haben einen guten Augenarzt gefunden, fehlt nur noch das Geld für die Einrichtung: 25.000 Euro. Eine Firma könnte da mithelfen oder ein reicher Mensch. Den Kontakt zu SALEM gibt’s hier.
Irgendwo unten im Wald liegen die Ruinen des zweiten Klosters, Niedermunster. Beide Einrichtungen wurden erst beim Ungarn-Überfall 900 zerstört, und dann wieder um 1540. Somit gab’s die Abteien mehr als 800 Jahre, das ist schon beachtlich. Hochgefahren war ich mit meinem getreuen Leorad, das, Easy-Rider-like, neben den Motorrädern steht.
Die Ruinen von Niedermunster hätten mich interessiert, aber wo genau die lagen, wussten die Westschweizer Christenmädels von der Information nicht. Immerhin tat ich ein paar Schritte in den Wald und sah ein paar Überreste der berühmten »Heidenmauer« (Mur païen), die 4000 Jahre alt sein mag, sich anscheinend durch den Wald schlängelte und über deren Hintergründe man nichts weiß. Schon früh hat der Mensch versucht, sich hinter einer Mauer zu verstecken und sich gegen Feinde abzuschirmen. Die Chinesische Mauer ist 2800 Jahre alt.
Nach ein paar Jahren wieder mal unten mein Fahrrad plus Zelt. Es regnete sogar ein paar Mal.
Und noch ein Schnappschuss. Ich fuhr durch einen Nachbarort, ein Blick schweifte nach rechts,– und ich war fasziniert. Das war ein symbolisches Motiv! Ich hatte das Wort L’Avenir auf einem Haus erhascht, was auf Französisch Die Zukunft heißt. Und davor lag Gerümpel und Metall-Unrat, und da standen auch Grabsteine. Unsere Zukunft!? Ziemlich zynisch. Erst aus der Ferne, dann gehen wir näher ran.
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