Giulio ist gegangen
Diese E-Mail-Nachricht machte mich gestern sprachlos: Giulio Caratelli, der Freund und rührige Parapsychologe aus Rom, ist Montag Nachmittag zu Hause gestorben. Und heute um 9 Uhr, schrieb Maria Luisa Felici, findet schon das Begräbnis statt, in der Nähe der Chiesa della Natività di Nostro Signore di Gesù Cristo, Via Gallia.
So etwas erwischt einen immer kalt. – Zuletzt hatte mich Giulio auf die kommende Konferenz in Rom hingewiesen, am 17. Oktober. Ich hatte sogar ins Auge gefasst, hinzugehen. Zum ersten Mal war ich vor fast 25 Jahren dort, so lange kenne ich die beiden schon, die mir regelmäßig ihre Zeitschriften zuschickten, die ich immer mit Neugier las.
Seltsam schon: Am Abend auf dem Balkon schaute ich ins Tablet, und mir wurde der Film L’età del dubbio angeboten (Die Tage des Zweifels) mit Commissario Montalbano von 2013. Es fängt damit an, dass Montalbano ins Kommissariat kommt und erfährt, dass er gestorben ist. In seinem Zimmer steht der Sarg. Alle sind traurig. Er fragt, wie er gestorben sei. Ein Schlaganfall, sagt ihm der Pathologe. Natürlich war es ein Albtraum. – Eine interessante Synchronizität!
Zuletzt hatte ich die beiden vor 3 Jahren in einem Restaurant in Rom getroffen, und ich zeige das Bild unten. Ich denke, Maria Luisa hat nichts dagegen, abgebildet zu werden. Er sieht etwas finster aus.
Sie gehörten so unzertrennlich zusammen, es war eine gute Beziehung. Ich glaube, dass sie verheiratet waren. 2003 hatten die beiden das interdisziplinäre Zentrum für parapsychologische Forschung gegründet, das wohl nur aus Giulio und Maria Luisa bestand. Die Konferenzen waren stets im Mai und Oktober in einer großen Aula in der Nähe der Engelsburg, und mehr als 30 Zuhörer hatten sie nie: der harte Kern. Giulio glaubte an die direkte Informationsweitergabe, und interessant waren die Themen der Kurzvorträge immer. Ich glaube, zwei Mal habe ich da auch referiert.
Die Parapsychological Association, der Dachverband der Parapsychologie, hat das Paar vor 2 oder 3 Jahren auch groß geehrt; das war die Anerkennung einer langjährigen Arbeit, die in Italien nicht zu bekommen war. Dort wie überall hängt die Parapsychologie durch, die ermsthafte Arbeit wird nicht mehr geschätzt, die Leute wollen Podcasts oder irgendwelche Sensationen. Ach. Giulio! Damit endet eine Ära.
Es gibt ja viele sehr ernste, vorsichtige, präzise Italiener, und Giulio Caratelli war einer von ihnen. Er schrieb viel über Freud und war an Telepathie interessiert, und seine Sätze waren immer gewunden und überladen, und ein Passus wie »mit aller gebotenen Vorsicht« war in ihnen immer zu finden. Dennoch schalteten die beiden zu Hause oft ihr Tonbandgerät ein, um die Stimmen Verstorbener aufzufangen und hatten auch Ergebnisse; doch vielleicht hat er das nur mir mitgeteilt. Bücher hat er auch geschrieben, zuletzt Ernesto Martino e la metapsichica (2018).
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Am 10, Mai 2025 sprach Giulio in ihrer Konferenz selbst über Nachtod-Kontakte, also Kontakt zu Verstorbenen, und das zeigt ihn leibhaftig. Parapsychologen sind oft ihre eigenen Skeptiker. Ich übersetze:
After Death Communication (ADC)
Erweiterungen des Themas
Der Vortragende betont grundsätzlich, dass in erster Linie, angesichts der verschiedenartigen und überzeugenden Aussagen, sich für die strenge Forschung die nicht abzuweisende Frage stellt, ob man behaupten könne – mit objektiver Sicherheit und durch einwandfreie Forschungskriterien, die dem Erkenntnisziel angemessen sind –, ob es sich nicht ganz einfach um Fälle on rein subjektiven psychischen Ausarbeitungen der Protagonisten handelt oder, dem gegenüberstehend, um ein wirkliches und absichtsvolles Eingreifen eines Verstorbenen.
Was für ein Satz! Er ist W. G. Sebalds und Thomas Manns würdig! Weiter:
Abgesehen davon bleibt es ein sehr wichtiges Element, dass, im Hinblick auf die Überzeugungskraft der Untersuchung, zweifelsohne diese Fälle stark erscheinen, in denen – mit dem unverzichtbaren Maß an Sicherheit – schließlich implizit gewisse spezifische Informationen vorhanden sind, von denen die an dieser Erfahrung direkt beteiligten Personen zuvor absolut keine Kenntnis hatten.
Ein großer Teil dieser Personen, die eine derartige Erfahrung machten, hat in der Folge deutlich verspürt, dass sie weniger Angst vor dem unabwendbaren Ereignis des Todes hatten.
Dies verstärkte in ihnen die klare Überzeugung, dass es ein Leben nach dem gegenwärtigen irdischen gebe und dass die Verstorbenen tatsächlich mit den Lebenden kommunizieren können.
Jedenfalls sei man sich bewusst, dass jemand, der eine ADC erfuhr, nicht selten tendenziell zu fürchten hat, dass er, sollte er sie sich an Dritte mit seiner Geschichte wenden, zumeist Ablehnung, Unverständnis oder Spott zu gewahren hat oder sie mit dem Beinamen »Leichtgläubiger« abgewertet wird.
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Soweit Giulio über Kontakte mit dem Jenseits. Nun weiß er mehr. – Ich werde in den nächsten Tagen und Wochen öfter mein Mini-Tonbandgerät einschalten und ihn um Antwort bitten. Schade, dass du gegangen bist, Giulio! Hätte mich gern nochmal mit dir unterhalten. Das holen wir nach. Non vedo l’ora!
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wiederum viele. Bitte ins Such-Feld Caratelli eingeben. Dann kommt was!

