Claudia Grünig in Schallstadt

Natürlich ist es absurd, über eine Ausstellung zu schreiben, die nur noch einen Tag zu sehen ist, nämlich übermorgen, also Sonntag 2. August (von 11 bis 17 Uhr). Wer liest schon meinen Blog und wer wohnt auch noch bei Freiburg? Gäbe es so einen Menschen, könnte er Werke von Claudia Grünig aus Köln im Kunstverein Schallstadt sehen.

Ich war zum ersten Mal in den schönen Räumen des Kunstvereins Schallstadt, Im Käppele 12. Meist am Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Links unten das Ausstellungsplakat, rechts der Eingang mit dem K: für Kunst.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Ausstellung hieß Blow up, und das Foto, das abgebildet ist, nennt sich Gelungener Beweis einer Levitation. Charmanter Gag. Paranormale Wirkungen sorgten immer für Aufsehen, die Bilder von Verstorbenen bei Materialisations-Séancen waren eigentlich »gelungene Beweise«, denn Teilnehmer beschworen, dass sie sie gesehen hätten, und insgesamt 100 Menschen bezeugten, dass Joseph von Copertino flog. Die Séancen-Fotos waren (meist) echt, wirkten indessen unecht, so  dass sie niemand ernst nahm. Und in der Kunstwelt ist die Levitation nur noch ein Effekt, ein Zitat, ein Spaß. Der tiefe Hintergrund ist längst abgesaugt worden.

Es geht dann hoch hinauf unters Dach mit Holzbalken. Aus einem Fenster sieht man in der Ferne die Hochhäuser Freiburgs und den Tuniberg. Dort oben hängen die Exponate, die allesamt Fotos sind.

 

 

Wie beschreibt man sie? (Wir sehen gleich 2 Beispiele.) Claudia Grünig hat anscheinend Mädchen und junge Frauen gebeten, für sie zu posieren in bizarren Situationen. Das hat Witz und Kraft. Ein Mädchen in einem Glasschrank der Küche wie ein Teil des Mobiliars; eins liegt in der Wiese wie eine Leiche im Krimi, als Teil der Natur. Überschrift wäre: Stillleben mit Mensch. Tiere sind oft zu sehen. Alltagssituationen, verfremdet. Die Frau beim Staubsaugen, von Vögeln umflattert; oder hinter aufgerissenen Tapeten, einen Fisch kommandierend.

 

Aus dieser materialistischen Welt, in der unser Alltag hochstilisiert wird, aus dieser Welt, die uns gewöhnlich präsentiert wird als »alles, was der Fall ist«, wird man rasch mal herauskatapultiert, und es könnte ja viel mehr der Fall sein, die Welt ist absurd, Alltagsprobleme werden zu Dramen aufgeblasen, Gefühle machen sich selbstständig, die auf gewohnte Weise gar nicht ausgedrückt werden können, und um unsere Sehgewohnheiten aufzubrechen, dafür haben wir die Kunst.

Eine Dosis Magritte müsste in diese Welt, die sich zu ernst nimmt. Etwas mehr schräger Humor täte uns gut, der sonst auf die Bühne zu den Kabarettisten ausgelagert wurde. Von außen betrachtet ist vieles absurd, und Claudia Grünig wirkt mit ihren Arbeiten daran mit, uns das nicht vergessen zu lassen.

 

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