Jesus, der Provokateur

Kürzer schreiben! Jedes Thema habe ich schon einmal gestreift oder umrissen, und selten kommt einmal ein neuer Aspekt hinzu. Heute! Wie wäre es mit dem Gedanken Jesus Christus als Provokateur? Es gibt Belege dafür, wir müssen nur genau hinschauen und gleichzeitig zurücktreten, um den Überblick zu bekommen.

Es war Ende Juni, ich las das Evangelium des fünften Sonntags nach Pfingsten. Ich sollte ja  den Altar vorbereiten für den Gottesdienst am Montag, doch plötzlich kam heraus, dass die Pastorin krank war. Da saßen also meine Leute, 15 an der Zahl, vor dem Altar und warteten, und so stellte ich mich hin und veranstaltete eine kleine Andacht.

Der fünfte Sonntag nach Pfingsten. Jesus sagt im Evangelium, wir sollten wahrhaftiger sein als die Schriftgelehrten und die Pharisäer. Nicht nur wer einen Mitmenschen töte, sei der Feuerhölle verfallen, nein: Auch derjenige, der seinem Bruder zürne, werde verdammt. Er solle doch vorher den Streit ausräumen und dann sein Opfer bringen.

 

Damit stellt er sich gegen die Heuchelei, gegen eine formelhaft betriebene Religiosität. Wenn dein Herz nicht rein ist, gilt dein Opfer nichts. Bringe erst dein Leben in Ordnung! Und die Aussage, jemand, der seinen Bruder vielleicht als Arschloch tituliere, sei der Feuerhölle verfallen, ist natürlich eine Provokation. Eine Übertreibung. Es geht Jesus um die Liebe in dieser Welt und nicht darum, durch Äußerliches Punkte zu sammeln fürs Himmelreich. Vielleicht will unser G*tt nicht unbedingt verehrt werden, vielleicht ist es ihm wichtiger, dass wir einander zugetan sind?

Auch die Aussage, man möge jemandem, der einen auf die linke Wange geschlagen hat, auch die rechte hinhalten, ist vermutlich nicht wörtlich gemeint. Man soll sich erschrecken, man soll ins Nachdenken kommen. Kann ich meinem Feind tatsächlich vergeben? Es sich vorzustellen ist der erste Schritt. Jesus sah sich ja nicht als unfehlbar wie seine Nachfolger auf Erden, die Päpste. Er hatte Humor und probierte gern etwas aus.

 

Ein Bild von Gustave Doré (1832-1883)

Wer durch eine Aussage verwirrt ist, kommt manchmal zu neuen Schlüssen, Im Buddhismus sagt manchmal ein Guru etwas Sinnloses. Der Schüler erstarrt, versinkt in Trance, und dann heißt es oft: »Und er wurde erleuchtet.« Ähnlich will die Kunst auch zuweilen die Zuschauer verwirren, um ihnen neue Gedanken einzupflanzen oder sie wenigstens aus ihrer gedanklichen Routine zu befreien. Die Erfolge sing gering. Doch wir provozieren weiter.

 

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