Geister als Persönlichkeits-Fragmente

In meinem Beitrag über das Medium Julia Assante im vorigen Jahr hatte ich geschrieben, ihr verstorbener Freund Michael habe »als Geist in der Küche« gestanden. Das würde ihr gar nicht gefallen. In ihrem Buch The Last Frontier erklärt sie uns, wie sie Geister sieht und dass sie ihrer Meinung nach nicht gleichbedeutend mit Verstorbenen sind.

Offengestanden hatte ich auch nie so richtig darüber nachgedacht. Wenn ein Verstorbener, den wir kennen, in der Küche steht, ist er eben ein Geist oder eine Erscheinung (apparition). Doch Frau Assante sieht das anders. Ich war da vielleicht etwas leichtfertig und lerne gern hinzu.

Geister sind laut Frau Assante »nicht ganz da«. Zitieren wir sie:

Ein Geist ist nur ein Teil des Kernselbst. Er ist ein elektromagnetischer Abdruck (imprint), der von Menschen geschaffen wurde und unter gewissen atmosphärischen und emotionalen Bedingungen sichtbar wird. … Die Erscheinungen sind Nebenprodukte von starken Ausbrüchen konzentrierter mentaler Energie. … Geister sind also Ableger von menschlichen Gedanken und Emotionen. 

Intensive Emotionen oder Gedankenformen tendieren dazu, Leben anzunehmen. Je stärker sie sind, desto länger halten sie sich und desto stärker sind sie. In einem Beitrag hatten wir geschrieben, dass negative Emotionen sozusagen in die Hölle gejagt werden können; doch sie könnten auch dorthin gehen, von wo der Mensch kommt: in unsere Welt.

Geister sind, sagt Julia Assante, »Fragmente (Bruchstücke) von Persönlichkeiten«. Sie hätten dennoch Respekt und Mitgefühl verdient. Was ist der Unterschied zu den Verstorbenen?

Geister sind irgendwie in unsere Dimension gebannt, aus der wir sie befreien sollten, wogegen Verstorbene darüber hinaus sind. Geister reagierten auch kaum auf uns und suchten keine Hilfe. Man habe Mühe, ihre Aufmerksamkeit zu wecken. Sie wirkten wie ferngesteuert, wie Automaten. Auch wir produzieren oft Fragmente oder lassen Gefühle an Orten, wo sie von anderen wahrgenommen werden. Auch Traumata führen leicht zu eigenen Ablegern (spin-offs). Das sind dann die Geister, die an dunklen Plätzen spuken.

Manchmal wird dann von »erdgebundenen Geistern« gesprochen, doch damit kann Julia Assante auch nichts anfangen. Was als solche bezeichnet wird, seien auch die erwähnten personalen Fragmente. Auch in den Religionen der Welt hieß es immer, der oder die Verstorbene halte sich 3 (oder auch 30) Tage in der Nähe der früheren Wohnung auf, aber dann verschwinde er/sie. Frau Assante hält jedenfalls fest: Ein Geist ist etwas anderes als ein Verstorbener, und erdgebundene Geister gibt es nicht. Punkt.

∉ Æ

Etwas Schönes hat die Autorin noch geschrieben, auf Seite 307, und das will ich übersetzen:

Eine unendliche Anzahl von Wesenheiten gehören nicht zu unserer Welt und haben nie dazugehört. Ich habe einige von ihnen gesehen und kenne andere, die sie gesehen haben. Viele sind unbeschreiblich schön, andere nur ein Fleck aus Licht. Eines meiner Lieblings-Beispiele ist eine Energie-Persönlichkeit aus stabilen Emotionen. Sie durchquerte eines Tages mein Schlafzimmer, als ich nur halb wach war: ein stämmiges goldenes Wesen, gemacht aus reiner, solider Liebe, einer so machtvollen, sicheren, konzentrierten und kompakten Liebe, dass kein Raum blieb für die zerbrechlichen Aspekte menschlicher Liebe wie Mitgefühl. Ein Wesen dieses Kalibers ist unglaublich weit weg von unserer Fähigkeit, es zu fassen oder zu beschreiben. Wenn wir nur die kulturellen Werte besäßen, die eine Forschung in dieser Richtung zuließen, – es würde unser Bewusstsein unermesslich ausdehnen. Ich frage mich, wie viele Spezies es dort draußen gibt, die nie mit uns verkehren, weil sie einfach so anders sind als wir.        

 

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