Hodler und die Ewigkeit

Ferdinand Hodler (1853-1918) gehört zu den bekanntesten Schweizer Malern. Maria Waser mit ihrem Buch Wege zu Hodler brachten mich zu ihm; und vor allem die dunklen Titel Ein Blick in die Ewigkeit, Blick ins Unendliche und Aufgehen im All. Darüber muss man nachdenken, zumal die Bilder gar nicht mystisch wirken.

Anscheinend hat er viele Variationen gemalt, und hätte er ihnen nicht diese pompösen Titel gegeben, würde man die Gemälde nicht weiter betrachten. Vermutlich wegen dieser Titel reihte man ihn dem Symbolismus zu, aber das ist nur eine kunsthistorische Erfindung. (Ich garniere den Artikel mit einigen seiner »Unendlichkeitsbilder» – Ausdruck Frau Waser.) Zu Hodler fand man den Begriff Weltinnigkeit, seine Werke basieren angeblich auf Ergriffenheit, er liebt die Natur und die Welt.

Maria Waser (1878-1939) versucht zu erklären:

Ihm ist alles, was da ist, notwendig, weil es ist; die Materie gotterfüllt in jeder ihrer Einzelerscheinungen. So wird der Materialist zum Mystiker, seine Aufgabe wird sein: nicht Umgestaltung, nicht Verklärung, sondern Deutung des Wirklichen. 

Nein, nichts Revolutionäres. Alles ist gut, wie es ist; und das sagt ja auch der Bürger, und wenn er betet, bevor er sich  Kalbswurst und Rösti einverleibt, ist er kurzzeitig zum Mystiker geworden. Und wenn der Maler seinen Bildern hochtönende Titel gibt, ist er auch so einer.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Satz der Waser erschreckt einen (das schreibe ich gerade am  Schweizer Nationalfeiertag, am 1. August):

Hodlers Kunst verneinen heisst: Schweizerart verneinen. Dessen sollten wir Schweizer uns bewusst sein und aufmerken, wo die Widerstände gegen diesen unverbundenen Meister ihren Grund haben. Wir leben in einer Zeit, die nicht auf Schweizerart gestimmt ist. 

Das mag sie vor fast 100 Jahren geschrieben haben, wir halten das fest. Auch die Schweiz hat sich seither verändert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich weiß nicht, wie man heute Hodler sieht. Der Spruch von der »gotterfüllten Materie« war wohl schon ein Schritt weg von der Ewigkeit, und heute ist Materie eben von Materie erfüllt, und den Begriff Gtt braucht man nicht mehr. Ferdinand Hodler stülpte seinen Bildern eine religiöse Bedeutung über, die man heute nicht mehr zu sehen vermag.

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