Wabi-Sabi
Kintsugi führt uns zu Wabi-Sabi, einem anderen japanischen Ausdruck, über den Bücher geschrieben wurden. Es ist eine Lebenseinstellung, eine Wahrnehmung, die einen die Schönheit im nicht Perfekten sehen lässt. So legt man sich allmählich eine gelassene Einstellung zu und sieht auch im Kleinen das Ästhetische.
Doch bleiben wir noch einmal kurz bei Kintsugi, Teil 5. Candice Kumai reiste auf die Insel Shikoku, auf der es 88 Tempel gibt, die man nacheinander besuchen kann. Das kann 3 Wochen oder 3 Monate dauern. Ein Mönch sagte:
Die Sutras erreichen die Buddhas, und von ihnen kommt ihre Macht zurück zu uns.
Buddha ist in uns, wir sind alle kleine Buddhas, aber wir haben es vergessen; wir müssen wieder unsere echte Statur erkennen.
Das ist schön und erinnert ans Christentum: Das Himmelreich ist in uns; wir sind Gottes Kinder und gewissermaßen Mit-Schöpfer, was der Dogmatismus der Religion uns nicht sehen lassen wollte. Dann noch ein paar japanische Ausdrücke:
shinnin yaku – im Wald baden. (Wenn man das genießt, fühlt man sich yasuragi: tief entspannt. in Harmonie mit sich und der Welt)
ki o tsukete – gut sein zu sich selbst, sich selbst lieben
ganbatté – immer sein Bestes geben, sich dem Möglichen annähern
Und wichtig noch: genki. Das heißt voller Energie sein, gut drauf sein.
Wabi-Sabi zeigt einem, dass man nicht in allem perfekt sein muss. Die Schönheit liegt gerade im Unvollständigen. Die reparierte Schüssel kann schöner sein als diejenige, die unversehrt war. Wabi heißt ungefähr Einsamkeit, Armut, Emotion, und Sabi ist der Prozess, der einen Schönheit im Inneren erkennen, der einen Schönheit etwa in alten Menschen sehen lässt.
Es gibt zwar auch den Wabi-Sabi-Look im eigenen Heim mit natürlichen Materialien, einem gewissen Minimalismus und einer gewissen Nonchalance, doch bezieht sich das Konzept auch auf das Leben. Wer Wabi versteht, trägt schon Sabi in sich. Nimm die Ängste an und die Sorgen und sieh ein, dass es den Tod gibt. Wabi-Sabi ist entfernt auch mit Bushido verwandt, der Einstellung des Samurai, der damit rechnet, jeden Tag sterben zu können, was ihm sein ‚Leben erst kostbar macht.
WabiSabi heißt übrigens auch der Podcast von Candice Kumai, von dem schon 200 Episoden liefen, die man aber nur anhören kann. (Hier kommt Episode 189.) Toll. Lieben wir das, was nicht perfekt ist!
