Unterwegs zum schwerelosen Körper
War mir ja aufgefallen, dass Bewusstseinsforscher und Psychologen so wichtig vom Körper sprechen, der ihnen ja nicht so wichtig sein sollte. Aber das unsichtbare Bewusstsein und die unsichtbaren Gefühle sind ihnen unheimlich; sie wollen etwas, an dem sie sich festhalten können, und alle halten sich ja an ihrem Körper fest.
Da schreibt in einem Buch eine Therapeutin:
Gefühle entstehen über den Körper und die Wahrnehmung der körperlichen Veränderung.
Bernard Beitman:
Wir sollten mehr körperorientiert sein, weniger kognitiv.
Die Bewusstseinsforscherin Julie Exline sagte bekanntlich:
Mir gefällt die Idee der Weisheit des Körpers. So bekommen wir intuitiv Informationen. Bei wichtigen Entscheidungen frag dich: Wie fühlt sich dein Körper dabei?
Der Körper spielt gewiss eine Rolle. Manchmal bekommt man psychosomatische Signale. Das polnische Medium Ewa Glinka erzählte vor kurzem, jemand habe sich neben sie gesetzt, und sie habe einen Schmerz im Rücken gespürt. »Das war nicht mein Schmerz.« Ich fange immer zu hinken an (das kommt von der Hüfte), wenn mich etwas bedrückt. Auf einer Reise in Hamburg kam mein rechtes Bein kaum mehr mit (ich hatte dort 30 Jahre vorher keine gute Zeit erlebt); derzeit hinke ich manchmal links, etwa wenn im Pflegeheim der Tod in der Nähe ist oder mich etwas quält. Danach ist wieder alles in Ordnung.
Ich finde aber nicht, dass Intuitionen viel mit dem Körper zu tun haben. Und Gefühle entstehen in gewissen Situationen, bei Interaktionen, und den Körper brauchen sie dazu nicht unbedingt. Doch da wir Körperwesen sind, wird es wohl gewisse sekundäre Reaktionen geben. – Anscheinend spüren Psychologen den Zeitgeist und werfen sich also dem Körper in die Arme.
Man hört auch, dass Gesprächstherapie auf dem Rückzug ist. Und die Sprachregelung wird anders: Vorher hätte man von Trauma gesprochen, von Trauer; heute hört man plötzlich, dass das Gehirn sich anders verdrahtete und dass sich das auch wieder ändern lässt. Auch das muss man nicht glauben, das ist einfach die Sprachregelung einer Gesellschaft, de völlig auf Gehirn und Körper fixiert ist.
Wir haben ja viel über Leib und Seele gesprochen, die Links stehen unten. Augustinus meinte, die Seele beherrsche den Körper, doch neuere holistische Ansätze gehen von einer Einheit aus, und ganz werden wir das auch in den nächsten Jahrhunderten nicht klären können. Doch der Placebo-Effekt legt nahe, dass die Psyche mehr Einfluss auf den Körper nimmt als dieser auf jene.
Paracelsus hat 2000 Jahre nach Hippokrates gesagt, der Mensch bestehe aus sieben Grundteilen. In den esoterischen Überlieferungen wird von wenigstens zwei anderen Körpern gesprochen, die in unseren Leib eingelagert sind: dem Astralkörper und dem Mentalkörper. Ersterer nimmt unser Bewusstsein mit allen Erinnerungen mit auf Reisen in die Astralwelt (und später in die Jenseitswelt), und er wird vergehen, um dem Mentalkörper Platz zu machen. Esteban Vigo von Lo Invisible erwähnte noch den Emotionalkörper, und in irgendeinem Buch fand ich eine Darstellung unserer vielen Körper, nur wo ist das? Ich suche weiter.
Wenn wir uns an diese feinstofflichen Körper halten, die nicht krank werden, keine Nahrung brauchen und irgendwie transparent sind, ist der Weg zu dem unsichtbaren Bewusstsein nicht mehr weit. Wir sind eben laut Paracelsus auch ätherisch-himmlisch (durch den Geist) und göttlich (der Seele nach). Dieser Körper ist hier auf der Welt unser Vehikel, wir brauchen ihn, wir können ihn schlecht wegdenken, aber wir sind mehr. Wir sind das, was eines Tages diesen Körper verlässt. Tat twam asi: Das bist du. Dein Ich, deine Seele. Der Körper bleibt zurück und hat seine Schuldigkeit getan.
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