Planetarische Verwirrung

Seit dem vergangenen Sommer hole ich mir regelmäßig die allmonatlich erscheinende deutsche Ausgabe von Le Monde diplomatique, weil die draußen vor Orianas Laden am Zeitungsständer hängt. (Exquisiter Name, Oriana!) Diese Zeitung bringt lange Analysen und Reportagen aus aller Welt. Das ist ziemlich ernüchternd.

Man hat es immer mit spirituellen Themen zu tun, und da liest man plötzlich über Geopolitik und Machtspielchen und denkt sich nur: welch planetarische Verwirrung! Da gibt es diese ganzen Akteure im Nahen Osten, die wechselnde Koalitionen eingehen, um nicht unterzugehen. Die Staaten wollen weiter Energie beziehen und Nahrungsmittel, doch vorderhand wollen deren Chefs vor allem Macht oder wenigstens ein Zipfelchen davon, Die Türkei, Pakistan und Saudi-Arabien haben kürzlich einen Pakt geschlossen, Israel macht sich breit, und dann gibt es noch Katar und Jemen.

Auch am Horn von Afrika positionieren sich Mächte und umwerben solche, die über strategisch wichtige Häfen verfügen, damit Waren gut durchkommen. China steht immer im Hintergrund. Wer mit wem und gegen wen? Natürlich ist das die Optik der Regierenden, aber wir wollen das wissen, auch wenn es die Bevölkerung nicht so recht kümmert, wer auf der Seite ihres Staates ist und wer nicht. Diese Pakte und Schulterschlüsse kommen einem wie ein großes Brettspiel vor.

Deutschland will bald die größte Militärmacht Europa werden und ordert systematisch Rüstungsgüter, da gehen Milliarden drauf, über die man nicht spricht, und die Pflegeversicherung wälzt man auf die Bevölkerung ab. Das Soziale ist plötzlich zweitrangig, wenn das Land sich bedroht fühlt, doch besitzt die NATO doppelt so viele Panzer und drei Mal so viele Artillerie-Abwehrsysteme wie Russland, das sich zudem durch seinen Ukraine-Krieg selber schwächt. Und Trump hat einen Atom-Deal mit Saudi-Arabien abgeschlossen, weil da Milliarden winken. Nach 40 Jahren wird wieder von einer atomaren Bedrohung gesprochen.

Dann haben wir noch die Klimakrise. Staaten am Pazifik versuchen, in der Welt gehört zu werden, denn manche Inselstaaten könnten bald verschwinden. In Le Monde diplomatique war zu lesen, dass die Hälfte aller Treibhausgase der industriellen Epoche im Westen erst ab 1990 ausgestoßen wurde. Von 9. bis 20. November findet in Antalya die nächste Weltklimakonferenz statt. Die Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, ist bereits unmöglich. Nach uns die Sintflut, denken sich die westlichen Staaten, und: Erstmal sind die anderen dran.

Vor ein paar Wochen schrieb der Kommentator einer lokalen Tageszeitung (Badische Zeitung), die Nation sei etwas mutlos wegen des stagnierenden Wirtschaftswachstums. Niemand sagt, dass man die Leute an weniger Produktion und weniger Konsum gewöhnen müsste. Aber die Deutschen sind verwöhnt, es soll alles immer besser werden, sie kaufen sich Automobile für 30.000 oder 50.000 Euro und jammern über die 200 für eine Tankfüllung, und der Staat reagiert prompt. Doch Deutschland und das Auto, das ist ein eigenes Thema.

Die »Testpiloten« Wayne Morrison und Gabe Poirot spielten kürzlich bei manipogo beide auf das mögliche Ende an, und Morrison sagte so elegant, er habe es gesehen, »was immer es war«. Vermutlich durfte er nicht darüber sprechen. Mónica Coronado sprach in einer höheren Dimension mit Wesen, die Mitgefühl mit dem Planeten Erde hatten, den sie als bewusstes Lebewesen bezeichneten, – aber nicht mit der Menschheit. Mónica war traurig darüber, doch verstehen kann man es. Nur ist es, wie seit Anbeginn der Menschheit, eine Handvoll geld- und machtgeiler alter Politiker, die sich über 99 Prozent der Menschheit hinwegsetzen. Die Menschheit muss einem sehr wohl leidtun.

 

 

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