Vi vill gå hem

Mit den Worten Vi vill gå hem (Wir werden heimgehen) endet der erste Teil des Romans Jerusalem von Selma Lagerlöf (1858-1940). Wieder geht es um Jerusalem (wie schon drei Mal bei manipogo), um die Suche nach dem Paradies auf Erden. Jeder sollte dies als Ziel, als Utopie im Kopf haben.

Durch die Woche Karlsruhe war ein Bruch in meinen Hebräisch-Studien eingetreten. Dann hatte ich beim Zelten ein supernettes schwedisches Ehepaar mit Wohnmobil neben mir, trieb mich mit den drei Norwegern und den zwei Dänen herum und beschloss, mich in der zweiten Jahreshälfte den skandinavischen Sprachen zu widmen. Zu Hause lag der Roman Jerusalem: I Dalarne von der Lagerlöf, die 1909 als erste Frau den Literatur-Nobelpreis erhielt. Das Buch wurde 1996 von Bille August verfilmt, man kann ihn auf Youtube in vier Teilen sehen, ganz auf Schwedisch (natürlich auch schön, da ich ja Volvo-Fahrer bin), und hier kommt man zu Teil eins.

jerusalem

Mit einem kleinen Wörterbuch machte ich mich an das Studium. Es geht anscheinend um schwedische Gemeinden, die zwischen 1860 und 1900 ihre Zelte abbrachen und nach Palästina oder in die USA zogen. Diese Sehnsucht, die aus den Zeilen spricht! Da gibt es ein vierzeiliges Gedicht:

Mitt älskade Jerusalem,
min sköna, gyllne stad,
mitt rika, varma fadershem,
som alltid gör mig glad.

Das möchte man gern mit Reim übersetzen.

Mein viel geliebt‘ Jerusalem,
du schöne, goldne Stadt,
mein reiches, warmes Vatersheim,
du machst mich froh und satt.

Besser geht es jetzt nicht. – Selma Lagerlöf erzählt viele verschiedene Episoden, die immer unheimlich und morbid sind; man wundert sich nicht über die grausamen, harten Krimis aus Schweden. Da ist der alte Seemann des Dampfers Univers, der Besuch bekommt von Geistern, unter denen seine Mutter ist. »Jesus Maria, vad ska det betyda, som jag har sett i natt?« fragt sich der Seemann: Was wird das bedeuten, was ich letzte Nacht gesehen habe? Und dann ein Stoß, ein Segelschiff ist mit der Univers kollidiert. Das Universum, die alte Welt geht unter!

Und wir lernen Ingmar Ingmarsson kennen, der als alter Mann drei Kindern das Leben rettet, bevor ihn ein Baumstamm in die Brust trifft. Dann liegt er sterbend da. Alle kennen die Geschichte, wie er, Stor Ingmar, mit seinem Freund Stark Ingmar (sie hießen beide Ingmarsson, und stor und stark unterschied sie) eines Tages am Strand stand und

de såg himmelen öppen över sig. Hela himlavalvet var draget åt sidan som ett förhänge, och de båda stod hand i hand och såg in i all himmelen härlighet.

Sie sahen in des Himmels Herrlichkeit, denn der Himmel hatte sich geöffnet, und die beiden sahen hinauf. Stark Ingmar besucht den Sterbenden, der ruhig sagt »Jag går dit nu, jag«, und Stark antwortet: »Jag kommer efter, jag.« Ich geh jetzt dorthin, ich; und die Antwort: Ich komme nach, ich.

Menschen, die eine Nahtoderfahrung machten, haben den Himmel offen gesehen. Alle haben von unglaublichen Glück berichtet und hinterher, da sie zurückkommen mussten, ihr Leben geändert. Geld und Karriere waren unwichtig geworden, Liebe und Mitgefühl ersetzten sie. Auch wir müssen uns dorthin orientieren und unseren Beitrag zum irdischen Jerusalem leisten. Das himmlische kommt später, wir sollten darauf vorbereitet sein.

Die drei Jerusalem-Beiträge:
Bergstädte; Jerusalem; Das himmlische Jerusalem.

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