Der Berg Fuji

Der Berg Teide beherrscht Teneriffa, wie der Ätna Sizilien und der Fuji Japan. Alle drei sind Vulkane, also gefährliche, Feuer speiende und Lava erbrechende hohe Berge (Teide 3718 Meter, Fuji 3776, Ätna 3323), mythisch und  aus der Literatur und den Volkssagen nicht wegzudenken. Die Japaner als (früher) lyrisches Volk haben viele Gedichte über den Fuji verfasst.

Vor einem Jahr hatte ich Frühlingsgedichte aus der japanischen klassischen Periode wiedergegeben, und nun habe ich drei ausgewählt, die den Fuji thematisieren. Doch zunächst kommt der japanische Schwertmeister Yamaoka Tesshu zu Wort, der von 1836 bis 1888 lebte. In den letzten acht Jahren seines Lebens soll er eine Million Zeichnungen und Kalligraphien gefertigt haben, und manche waren schnell hingezauberte Miniaturen. Eine Zeichung zeigt anscheinend einen Drachen, der blitzartig zum Gipfel des Fuji emporfliegt, während eine Schnecke sich langsam auf den Weg macht. Tesshu schrieb neben die Zeichnung:

Wenn diese Schnecke
sich aufmacht zum
Gipfel des Fuji,
wird sie gewiss
ihn erreichen.

Fuji und Schnecke, selber gemalt
Diese Schnecke jedoch, in Misano Adriatico, wird keinen Gipfel erreichen. Dafür schaut sie übers Meer

In der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts dichtete Yamabe no Akahito:

Seit sich der Himmel und die Erde
in Suruga getrennt haben,
kleidet sich der erhabene
hohe Gipfel des Fuji
wie ein Gott.
Wenn ich ihn aus der Ferne
in der himmlischen Ebene
betrachte, verbirgt er die Strahlen
der Sonne, die den Raum durchquert,
und vom strahlenden Mond
sieht man nicht mehr seine Klarheit.
Die weißen Wolken
zögern, vorüberzukommen.
Hier fällt der Schnee,
ohne sich um die Jahreszeiten zu kümmern.
Immer wird man von ihm sprechen,
dem höchsten Gipfel des Fuji.

»Ohne sich um die Jahreszeiten zu kümmern«, heißt in der französischen Übersetzung Sans souci de la saison, und bei Ariwara no Narihira (825-879) fängt ein Vierzeiler ähnlich an, mit Insouciant de la saison.

Um die Jahreszeiten kümmert er sich nicht,
der Gipfel des Fuji.
In welcher Periode glaubt er zu sein,
da er sich durch den fallenden Schnee
ein Fell zulegt wie das eines jungen Damhirschs?

Viel später dann schrieb der Erzbischof Jien, Hohepriester der Tendai-Sekte, die von 1154 bis 1225 existierte:

Hoch oben in der himmlischen Ebene
treibt
der Rauch des Fuji
wie ein Nebel des Frühlings
am Himmel in der Morgenröte.

 

 

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