Das Lächeln des Universums

Das Lächeln des Univerums (Smile of the universe) heißt ein Buch des US-Philosophen Michael Grosso, das 2020 erschien und im Untertitel sagt, worum es geht: Wunder in einem Zeitalter des Unglaubens.  Ich holte mir das Buch in der Universitätsbibliothek Freiburg und las es schnell. Darin steht, was von Wundern zu halten ist, die ja schon aus Jesu Zeit beschrieben wurden. Faszinierend.

Ich will zunächst wiedergeben, was ich mir an Interessantem notiert habe. Grosso ist 1937 geboren und hat wunderbare Bücher geschrieben, etwa eins über den fliegenden Joseph von Copertino. Sein Blog Consciousness Unbound steht auch auf der manipogo-Blogroll.

Wunder sind Symptome einer spirituellen Kraft und gleichzeitig ein Protest gegen die materialistische Gesellschaft. Da gebe es Bilder und Statuen, die weinen oder bluten, und von einer Statue ging ein Gefühl des Friedens aus. Der heilige Augustinus nannte einmal diese unsere Welt das »Wunder der Wunder«. Wunder schweben »auf der Schwelle zwischen dem Realen und dem Surrealen, zwischen Fakt und Fiktion, zwischen öffentlichem Raum und einem Raum des Traums, zwischen unseren antiken Wurzeln und den Blumen der Zukunft«. Wir müssten sie »vor den dogmatischen Krücken der Religionen bewahren und sie vor der repressiven Hand der Wissenschaften schützen«.

Michael Grosso erwähnte Gary Holz, den Ureinwohner Australiens von Multipler Sklerose heilten. Levitationen und Bilokation (an zwei Orten gleichzeitig sein) zeugten von einer übernormalen Geschwindigkeit. Seit dem 13. Jahrhundert seien 400 Fälle von Stigmatisation belegt, was an Performance-Künstler erinnere. Wunder warteten nur darauf, dass die Bedingungen stimmten: Dann treten sie auf. Er gedachte Catherine von Genua, die immer erhitzt war und glühte und an Teresa Neumann aus Bayern und Giri Bala, die Jahrzehnte nichts zu sich nahmen und nur von Licht, Luft und Liebe lebten. Nicht nur Joseph von Copertino flog in Ekstase durch die Luft, wie Zeugen bei 150 Anlässen beschworen, auch Teresa von Avila erhob sich beim Beten: Sie schwebte in der Luft.

Andere Wunder geschahen durch paranormale Gruppendynamik wie Heilungen bei den Feiern für Dionysos. Wichtig auch das Haus, in dem Jesus geboren wurde und das im 17. Jahrhundert nach Loreto einschwebte, wo es heute noch zu sehen ist. Medizinische Wunder müssen nach einem Gebot der Kirche »vollständig, dauerhaft und augenblicklich« geschehen, was auf einige Fälle in Lourdes zutraf. Jacelyn Duffin untersuchte im Vatikan Akten von Heilungen und meinte:

Wir müssen weggehen, um sie geschehen zu lassen. Wir müssen uns selbst komplett vergessen, bevor wir tun können, wozu wir womöglich fähig sind. 

Es handelt sich also um Mit-Schöpfung zwischen uns und etwas außerhalb von uns, das uns braucht und uns gleichzeitig vervollständigt. Der Autor schreibt:

Wir müssen lernen, wie wir das Außergewöhnliche erwarten, wie wir ihm gegenüber offen sein können. Wir brauchen Vertrauen. Wir haben eine Fähigkeit für Wunder, die letzten Endees sich als grenzenlos herausstellen könnte. 

Ebenezer Brewer (1810-1887)  veröffentlichte im 19. Jahrhundert ein Lexikon der Wunder. Darin sind auch die Marienerscheinungen verzeichnet, die Grosso detailliert auflistet. Die erste geschah im 11. Jahrhundert, und bekannt geworden sind Lourdes, Medjugorje und Zeitoun in Ägypten. Schade, dass wir dies alles nur so en passant erwähnen: Jedes einzelne Wunder ist ein Wunder.

Morgen mehr darüber

 

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