Die Wunder islamischer Mystiker

Das Kapitel Heilige und Wunder fand sich einem Buch, das The Mystics of Islam heißt und Reynold A. Nicholson 1914 veröffentlicht hat. Ich hatte schon länger an Wunder gedacht, doch alle können wir nicht aufführen. Wie sagte Nassim Haramein vor 5 Jahren bei Anthony Chene: »Wir sind das Wunder! Das ist superwichtig, das sollten wir uns immer wieder ins Bewusstsein rufen.« Da sagen wir freudig ja!

Die islamischen Heiligen werden Wali genannt. Sie fallen in eine Trance (madjhub), wirken Wunder und werden verehrt, auch nach ihrem Tod. Hujwiri schrieb einmal im 11. Jahrhundert, es gebe 4000 von ihnen, die niemand kennt und die im Verborgenen leben. Ein Wunder durch einen Heiligen wird als karamat bezeichnet, und er sagt, es sei ihm »gewährt worden« oder habe sich durch ihn manifestiert.

Die Sufis – Anhänger des mystischen, ekstatischen Islam – stellten viele Heilige und Wundertäter. Nicholson zählt ihre Taten auf:

Über Wasser gehen, durch die Luft fliegen (mit oder ohne Passagier), Regen machen, zur selben Zeit an unterschiedlichen Orten erscheinen, durch den Atem heilen, Tote erwecken, zukünftige Ereignisse vorhersehen, Essen und Getränke herbeischaffen und so weiter. … Manche Heilige können angeblich jede Form annehmen, die sie wünschen. 

Ein paar Geschichten:

Einige Männer, die sich auf eine Reise begeben wollten, baten Abu ‚l-Hasan Khurqani, ihnen ein Gebet beizubringen, das sie vor den Gefahren der Reise beschützen würde. Er sagte: »Sollte euch ein Unglück zustoßen, erwähnt meinen Namen.« Diese Antwort gefiel ihnen nicht; sie reisten jedenfalls ab, und auf der Reise wurden sie von Räubern überfallen. Einer aus der Reisegruppe sprach den Namen des Heiligen aus und wurde auf der Stelle unsichtbar, zur größten Überraschung der Räuber, die weder sein Kamel noch seine Handelsware auffinden konnten; die anderen verloren alle ihre Kleider und Güter. Als sie heimkamen, baten sie den Scheich, das Geheimnis aufzuklären. Dieser sagte: »Ihr ruft Gott der Form nach an, ich rufe ihn wirklich an. Wenn ihr also meinen Namen anruft und ich dann Gott in eurem Namen herbeirufe, wird euer Gebet erhört.«

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Eeines Tages sah der Kadi von Mosul, der Abd Abdallah (auch bekannt als Qadib al-Ban) für einen gefährlichen Häretiker hielt, diesen in einer Straße der Stadt, als er ihm entgegenkam. Er wollte ihn nun ergreifen und ihn auf der Bsis einer Anklage vor den Gouverneur schleppen, um ihn bestrafen zu lassen. Plötzlich bemerkte er, dass Qadib al-Ban das Aussehen eines Kurden angenommen hatte, und als sich der Heilige auf ihn zu bewegte, glich er nun einem Araber aus der Wüste, um endlich wie ein Doktor der Theologie auszusehen, der rief: »O Kadi! Welchen Qadib al-Ban willst du nun vor den Gouverneur bringen und bestrafen?« Der Kadi fiel nieder und wurde ein Schüler des Heiligen. 

(Der berühmte Autor) Avicenna besuchte Abu ‚l-Hasan Khurqani und setzte zu einem langen und komplizierten Monolog an. Dies ermüdete den Heiligen, der weder lesen noch schreiben konnte, und so stand er auf und sagte: »Entschuldigt mich, ich muss die Gartenwand reparieren.« Und schon war er weg, doch als er auf die Mauer geklettert war, entfiel die Hacke seiner Hand. Avicenna ging hin, um sie aufzuheben, doch bevor er das Werkzeug erreicht hatte, erhob es sich von selbst und schwebte hoch in die Hand des Heiligen. Avicenna konnte es nicht fassen.

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Während Dhu ‚l-Nun mit einigen Freunden diskutierte, sagte er: »Hier ist ein Sofa. Es wird sich im Zimmer herumbewegen, wenn ich ihm sage, das zu tun.«  Kaum hatte er den Satz ausgesprochen, schob sich das Sofa um das Zimmer herum und blieb wieder auf dem Platz stehen, den es vorher eingenommen hatte. Einer der Beobachter, ein junger Mann, fing zu weinen an und hauchte seinen Geist aus. Sie legten ihn auf das Sofa und wunschen ihn, um ihn für das Begräbnis vorzubereiten. 

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Ziemlich makaber. Auch bei manchen ekstatischen Veranstaltungen der Sufis sollen Besucher vor Aufregung gestorben sein, irgendwo habe ich das entsetzt gelesen. Die genannten Beispiele sind vermutlich schon 1000 Jahre alt. Avicenna zum Beispiel lebte von 980 bis 1037. Man könnte auch vermuten, dass ein wenig orientalische Übertreibungslust mitspielte. Doch Wunder haben wir auch in der Bibel, und das Alte Testament ist aus der Zeit vor Christi Geburt.

Man könnte überspitzt sagen: Wenn ein unglaubliches Wunder berichtet wurde, so ist es vielleicht geschehen und war also möglich; und was einmal möglich war, könnte ja ein zweites Mal und ein drittes Mal geschehen. Wenn wir es für möglich halten, erhöhen wir die Wahrscheinlichkeit, es zu erleben.

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