Rudolf II.
Prag hat mir viel bedeutet. Meine Großväter haben mir ja ihre Namen aufgedrückt, ich heiße mit Vornamen Manfred Rudolf Maximilian, da wundern sich die Beamten der Passkontrolle immer: so lang! Rudi war mein Opa aus Oberschlesien, Maximilian der aus Landsberg am Lech. Und beide Namen haben mit Prag zu tun.
Na ja, Könige mit Namen Maximilian gab es viele, aber Maximilian II. (1527-1576) war der Vater von Rudolf II., den Prag immer noch in Ehren hält. Man liebt ihn, der 1575 die Herrschaft übernahm und 1612 starb, eben am 20. Januar, was auch der Geburtstag meines Vaters ist. Passt wieder alles. (Wir sehen ihn links im Bild.)
Übrigens war sein Vorfahr Rudolf I. (1218-1291) ab 1273 der erste Habsburger König des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation. Die Dynastie, deren Burg im Aargau liegt und von der Autobahn oberhalb des Habsburg-Tunnels auf dem Berg zu sehen ist, existierte bis zum Tod von Kaiser Franz Joseph I. 1916.
Dessen einziger Sohn (mit Sisi) war Kronprinz Rudolf. Noch einer! Der Kaiser hielt ihn von der Politik fern. Dieser Rudolf nahm Rauschmittel und erschoss sich mit seiner Geliebten am 30. Januar 1889 auf Schloss Mayerling.
Der junge Fremdenführer im Alchemie-Museum umriss Rudolf II. gekonnt: Er sei vermutlich ein Kind des Inzests gewesen und deshalb mit zahlreichen Krankheiten behaftet. Rudolf war bipolar (vielleicht schizophren), krankhaft misstrauisch, trunksüchtig und zog sich immer länger zurück. Er war es übrigens, der Prag 1583 zur Hauptstadt des Kaiserreichs machte, und wenn er auch nicht viel für das Volk tat, so muss man ihm doch zugute halten, dass er keine Kriege führte und die schönen Künste liebte. Die schwachen Herrscher sind die besten.
Einschub: Der 20. Januar war 1942 der Tag der Wannsee-Konferenz, bei der die geplante Vernichtung der Juden administrativ geregelt wurde. Reinhard Heydrich war der eiskalte Chef der »Endlösung«, bis er 4 Monate später in Prag bei einem Attentat verletzt wurde und starb. Nicht gedacht soll seiner werden! Die Nationalsozialisten nahmen furchtbar Rache: Sie töteten für Heydrich 4000 Menschen.
In dem Buch Nachts unter der steinernen Brücke von Leo Perutz ist der wunderliche Kaiser Rudolf II. wunderbar porträtiert.
Er kaufte Gemälde aus aller Welt an, lud Astronomen und Alchemisten ein, liebte seine Pferde und auch Frauen. Acht Kinder soll er mit verschiedenen Frauen gehabt haben, doch die kamen nicht für die Nachfolge infrage. Rudolfs Plage war sein Bruder, der Erzherzog Matthias, der ihn verfolgte und für verrückt erklären wollte (wie man es später auch mit unserem bayerischen »Kini« Ludwig versuchte, der Geld für Schlösser verbrauchte und ebenfalls eine romantische Seele war).
Nach Rudolfs Tod wurde Matthias Kaiser (im Bild rechts), aber nur von 1612 bis 1619. Er machte wieder Wien zur Hauptstadt des Kaiserreichs. Vermutlich schürte er mit seinem Grimm den Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten, der 1618 durch den berüchtigten Prager Fenstersturz zum zerstörerischen 30-jährigen Krieg führen sollte. Damals warfen am 23. Mai Protestanten einige katholische Würdenträger aus dem Prager Rathaus, was diese jedoch überlebten. Dennoch kam es zum Krieg.
Wir schauen uns noch ein paar Bilder an, so die Burg (Hrad) auf dem Hradschin unterhalb des Veitsdoms, wo Rudolf hinuntersah auf die Moldau und seine Pferde striegelte und streichelte. Den Veitsdom fing übrigens Kaiser Karl IV. an, der neben Rudolf in Prag auch noch verehrt wird.

Etwas schwer zu erkennen: Aber Rudolf hat den Dom mit einem neuen Schiff versehen und sein „R“ angebracht
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