Scheol und Gehenna

Bei Lewis D. Solomon lernte ich, dass das Judentum auch eine Art Fegefeuer kennt. Im Hebräischen heißt es Gehenna. Bei den Katholiken wurde das Wort Fegefeuer erstmals im Jahr 1134 niedergeschrieben, und Ende des 12. Jahrhunderts hatte sich der Gedanke festgesetzt. Private Dowding jedoch erlebte es.

Lewis D. Solomon schreibt:

Während des Reinigungsprozesses im Fegefeuer büßt jede Seele für ihr Fehlverhalten auf Erden. Verschiedene Unreinheiten werden entfernt, darunter auch verletzende Taten, unfreundliche Worte, destruktive Einstellungen und negative Gefühle: Hass, Aggression, Wut, Furcht … Diese innere Auflösungsphase im Fegefeuer stellt den Anfang vom Ende der Wünsche, Bindungen und Ängste, aber auch des Egoismus und der Gier der Seele dar. Auf ihrer Reise durchs Purgatorium entwickelt jede Seele tiefere Formen von innerem Frieden, Liebe, Mitgefühl und Vergebung. 

Die Vorstellungen fußten auf das in der Bibel erwähnte Scheol, in das die Toten hinabfahren und wo sie wohnen.

Scheol gab es als eher düsteres unterirdisches Reich: Ein Land ohne alle Ordnung, unter dem Meer gelegen, voller Finsternis und Dunkel und verschlossen durch Tore. Scheol wurde auch bezeichnet als das Land des Vergessens, des Schweigens und der Stille, wo die Toten Gott nicht anrufen können.

Im Scheol ging die Existenz aber weiter. Die dort lebenden schwachen, kraftlosen Wesen (Geister) konnten dennoch mit ihrer Kraft und ihrem Wissen mit den Lebenden in Verbindung treten. Solomon meint noch:

Ursprünglich galt Scheol als amoralische Welt, die Gottes Fürsorge und Kontrolle entzogen war. Die Straf-Aspekte, die Scheol später kennzeichneten, fehlten zunächst. Bei ihrem Ableben gingen sowohl Gerechte als auch niederträchtige Sünder in die Scheol. Es gab weder Belohnung noch Strafe für irdische Werke, Worte oder Gedanken.

Odysseus begibt sich in der Odyssee von Homer (800 vor Christus) ins Schattenreich, will seine Mutter in die Arme schließen, doch sie entgleitet ihm. Das steht im 24. Kapitel. Auch Aeneas tut bei Vergil in der Aenaeis (verfasst von 29 bis 19 vor Christus) diese Reise und trifft personifizierte Laster und böse Wesen, geleitet durch die Sibylle. Die griechisch-römische Mythologie sprach vom Hades:

Die Unterwelt der griechisch-römischen Mythologie wird vom Gott Hades und dessen Frau Persephone beherrscht. Ursprünglich wurde sie daher als »Haus des Hades« bezeichnet … Der dreiköpfige Höllenhund Kerberos bewachte den Eingang in den Hades, damit weder Lebende ihn betreten noch Tote ihn verlassen konnten. Fünf Flüsse gliederten den Hades: Es wanden sich Acheron (Seufzerstrom), Kokyktos (Klagefluss), Pyriphlegethon (Feuerbrandfluss), Styx (die Verhasste) und Lethe (das Vergessen) durch die Unterwelt.

Nach dem Tod gelangte die Seele jedes Verstorbenen in den Hades. Der Fährmann Charon beförderte die Verstorbenen über den Grenzfluss Styx oder den Acheron, sofern eine ordnungsgemäße Bestattung durchgeführt wurde und eine Münze zur Bezahlung unter die Zunge des Toten gelegt wurde. Sollte dies nicht geschehen sein, mussten die Seelen einhundert Jahre am Eingang zum Totenreich warten, bis Charon sie über den Styx führte. Dem ursprünglichen Glauben zufolge wurden die Seelen aller Verstorbenen gleich behandelt: Sie wurden zu Schatten, die weder Qualen noch Freude erwartete.

(Aus: Fachportal Lernnetz, Schleswig-Holstein)

Detail in einem Schrein an der Karlsbrücke in Prag

Im Judentum wurden dann 7 Bereiche des Fegefeuers definiert, und in der mittelalterlichen Deutungsliteratur werden 5 Arten der Bestrafung erwähnt: Männer mussten Wasser in eine Grube kippen, die sich niemals füllte; andere waren an der Zunge oder den Geschlechtsteilen aufgehängt, Frauen an ihren Brüsten, und die Könige und Fürsten sitzen in Räumen voller Rauch. Das gilt heute sicher nicht mehr. Der Aufenthalt dort soll längstens ein Jahr dauern.

Im Mittelalter glaubte man an 7 Abteilungen  mit je 7000 Räumen, und jeder Raum hat 7000 Fenster, und in jedem Fenster (Nische) steht ein Kelch mit Gift für Verleumder und ungerechte Richter. Feuer und Eis herrschen.

An diesen Vorstellungen orientierte sich dann Dante Alighieri in seiner Göttlichen Komödie, die morgen zum Zug kommt. Er schilderte fast genüsslich die Leidensarten derer, die dorthin gebannt sind. Und Private Dowding sah etwas, was er vielleicht erwartete; dort materialisiert sich das, was man sich denkt. Feuer und Eis sah er; das entspricht der herkömmlichen Vorstellung. Die TestpilotInnen sagen ausnahmslos, dass es keine Bestrafung gibt. Am ehesten noch wirkt der Lebensrückblick als Reinigung.

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