Neu im Rennen mit „Roubaix“ von Fuji
Zu meinem Geburtstag habe ich mein Wilier Triestina nach 18 Jahren in die Ecke gestellt und ein neues Rennrad erworben in der Hoffnung, noch ein paar Jahre Berge fahren zu können. Es ist silbern/rot, heißt »Roubaix« und stammt von der Firma Fuji, die 1899 in Japan gegründet wurde. Klar, der berühmte Berg, der Fujiyama!
Ich hab’s in Sulzburg bei Harald Glaser entdeckt, und es war (fast) Liebe auf den ersten Blick. Nicht mehr die teuren Campagnolo-Teile hat es, sondern Shimano 105, außerdem die simplen Felgenbremsen. Liegt gut auf der Straße; so ein Rad braucht man, wenn man Berge hinunterfahren will!
Erst nach einer Probefahrt schaute ich mir den Rahmen genauer an und entdeckte den Namen: Roubaix. Sehr gut. So brauche ich nicht zum Fuji fliegen, den man mit dem Rad durchaus hochfahren kann. Nein, ich muss nur an die belgische Grenze, das mache ich mit dem Auto, und da liegt Roubaix, 100.000 Einwohner, früher Textilmetropole (wie St. Gallen), aber am bekanntesten als Zielort des Eintagesrennens Paris–Roubaix. Mein Rennrad hat ja Slicks; ein Gravel Bike wäre für das 215 Kilometer lange Rennen dienlicher, denn da gibt es Pavés und groben Untergrund.
Der erste Sieger 1896 war ein Deutscher, Joesf Fischer (1865-1953). Die letzten drei Male gewann Matthieu van der Poel, und drei Mal hintereinander gelang es vorher nur Francesco Moser von 1978 bis 1980. Das wäre gesagt.
Die Firma Nichibei Fuji wurde 1899 in Japan von Okazaki Kyūjirō gegründet (wir denken an den »Sommer von Kikujiro« vorgestern!), importierte erst amerikanische Räder (Nichi = Japan, Bei = Amerika) und baute erst ab 1920 eigene Räder. Die Fertigung findet heute aber in asiatischen Ländern statt, und die Firma ist amerikanisch (Sitz ist Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania).
Der Fujiyama ist ein 3776 Meter hoher Vulkan und der höchste Berg Japans. Viele Poeten haben ihn besungen, etwa Jamabe Akahito (680-745):
Preis des Fuji-Bergs
Seit Himmel und Erde
sich voneinander schieden,
steht, ein Gottesmal,
in erhabener Größe
über Suruga
hoch der Gipfel des Fuji.
Zu Himmelsfluren
den Blick erhoben, siehst du
der wandernden Sonne
Licht sich hinter den Bergen,
des hellen Mondes
Schein hinter ihm verschwinden.
Die weißen Wolken
scheuen sich, ihm zu nahen,
und unversehens
senkt sich die Wolke nieder.
Weiter erzählen,
weiter berühmen will ich
Fuji, den hohen Gipfel.
Zur Bucht von Tago
ging ich hinaus, und siehe,
weiß, ganz weiß bedeckt
hoch den Gipfel des Fuji
der frisch gefallene Schnee.
Na ja, da stimmt was nicht in den letzten Zeilen, aber so steht’s in Lyrik des Ostens vom Hanser-Verlag.
Der Erzbischof Jien schrieb Ende des 12. Jahrhunderts:
Hoch über der Ebene des Himmels
Treibt
der Rauch des Fuji
wie ein Frühlingsnebel
am Himmel der Morgenröte.
Und dann gibt es auf Youtube noch ein grandioses Meditationsangebot: Bilder vom Fuji im Winter, dazu Klaviermusik, die fast so schön ist wie die von Joe Hasiashi (aus dem Kikujiro-Film). 11 Stunden lang, wer unbedingt meint, die Wohnung putzen zu müssen und etwas zum Nebenherlaufen braucht. 11 Stunden, das reicht für ein ganzes Haus!
In meinem Artikel Der Berg Fuji kommen die beiden obigen Gedichte nochmal vor plus zwei andere.
Und als mein Fuji bei mir war, trug ich es hoch in mein Wohnzimmer. Es darf einige Tage und Nächte bei mir verbringen. Wir müssen uns langsam aneinander gewöhnen. Ich freue mich schon auf die erste Ausfahrt!
Verwandter Artikel:



