Rückkehr ins Leben (24): Musashi
Mitte Januar fing ich an, ein Monster von einem Buch zu lesen: Musashi von Yoshikawa Eiji, 1270 Seiten stark und ziemlich schwer. Aber so spannend! Da komme ich bis zum Sommer durch. Das erste große Kapitel ist mit Erde betitelt, das nächste mit Wasser, und dann kommen noch weitere. Und im ersten Teil fand ich schon schönes Material.
Denn Takezõ, der 17-jährige Held, kehrt gleich drei Mal ins Leben zurück, und nach dem dritten Mal erhält er den Kriegernamen Miyamoto Musashi. Ihn hat es wirklich gegeben, er lebte von 1584 bis 1641 und war ein berühmter Samurai. Yoshikawa schrieb das Buch als Entwicklungsroman: bis der junge Samurai 29 Jahre alt ist. Er erschien in Fortsetzungen in der Zeitung Asahi Shimbun von 1935 bis 1939. Der Autor (rechts im Bild) wurde 1892 geboren und starb 1962; sein Werk wurde viele Millionen Mal verkauft. Schon die ersten beiden Sätze packen einen:
Takezõ lag unter den Toten. Unter Tausenden von Toten.
Er und sein Freund Matahachi haben im Jahr 1600 die blutige Schlacht von Sekigahara überlebt. Das ist schon mal die erste Rückkehr ins Leben. Sie schleppen sich davon und finden Unterschlupf bei einer schönen Witwe mit ihrer Tochter. Nach Monaten macht sich Matahachi mit der Witwe davon, während Takezõ zu seinem Heimatort Miyamoto zurückkehrt, um nach seiner Schwester Ogin zu suchen, die anscheinend eingekerkert wurde.
Der junge Mann schont niemanden, der ihn fassen will. Eine Gruppe Soldaten unter einem Samurai macht sich auf, ihn zu kriegen: ohne Erfolg. Da mischt sich der selbstbewusste Mönch Takuan Soho ein und verspricht, den Gesuchten innerhalb von 3 Tagen abzuliefern; allerdings wolle er über das Schicksal des Gefangenen bestimmen dürfen. – Und er hat Erfolg.
Köpfen will er Takezõ nicht, allerdings bindet er ihn reglos auf einen Baum. Soll die Sonne ihn austrocknen, sollen ihm Krähen die Augen aushacken! Da oben hängt er also. Doch Otsũ, die unglückliche Noch-Verlobte von Matahachi, schneidet ihn aus Mitleid los. Zum zweiten Mal hat er überlebt!
Nun begibt er sich nach Himeij, wo seine Schwester angeblich festgehalten wird. Und wieder stellt ihn Takuan, der Mönch, packt ihn und bringt ihn auf die Burg. Sie gehört dem Fürsten Ikeda Terumasa. Dieser unterhält sich mit Takezõ und sagt, er müsse ihn bestrafen. Takuan sperrt ihn in ein Verlies, in dem es angeblich spukt. Er gibt ihm eine kleine Bibliothek mit. Drei Jahre wird der junge Mann dort studieren, ohne das Tageslicht zu sehen. Er hat schon vieles gelernt, hat seinen Überschwang abgelegt und denkt klarer. Schließlich befreit man ihn. Eine neue Geburt, die dritte! Sie ist mit dem neuen Namen verbunden.

Miyamoto Musashi. Dies ist der Titel einer Illustration von Utagawa Kuniyoshi (1793-1861), vermutlich entstanden um 1850. Dank an die Library of Congress, Washington D. C. Links vermutlich Takuan
Am nächsten Morgen verließen sie beide (Takuan und Musashi) die Burg Himeji. Musashi machte die ersten Schritte in ein neues Leben hinein, ein Leben der Zucht und der Hingabe an die Waffenkünste. Während seiner drei Jahre langen Einkerkerung hatte er beschlossen, die Kunst des Krieges zu erlernen.
Dafür liest er auch das Buch über die Kriegskunst von Sunzi, das manipogo einmal vorstellte (Link unten).
Jetzt gibt es also nur dies Schwert, dachte er. Das einzige auf der Welt, auf das ich mich verlassen darf. Er legte die Hand auf den Griff seiner Waffe und gelobte sich: Nach seinem Gesetz will ich leben. Ich werde das Schwert als meine Seele betrachten, und indem ich lerne, es zu meistern, will ich nach Selbstvervollkommnung trachten und versuchen, ein besserer und weiserer Mann zu werden. Takuan folgt dem Weg des Zen, ich werde dem Weg des Schwertes folgen.
Damit ist alles gesagt. Yoshikawa hing gleichfalls wie Mishima Yukio, ein weiterer erfolgreicher Schriftseller, an den alten Werten des japanischen Spätmittelalters. Der Samurai war immer ein Idealbild des männlichen Japaners: der faire, kluge Krieger.
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