Das Tränenkrüglein
Bei Ludwig Bechstein, dem neben den Grimms bekanntesten deutschen Märchensammler, fand ich eine hübsche Abwandlung zum Totenhemdchen der Gebrüder Grimm (vor 9 Jahren hier im Angebot), darin ein kleiner Junge starben und kurz zurückkehrt. Im Tränenkrüglein beschwert sich ein kleines Mädchen.
Die Sprache der Märchen ist einfach zu schön!
Das Tränenkrüglein
Es war einmal eine Mutter und ein Kind, und die Mutter hatte das Kind, ihr einziges, lieb von ganzem Herzen, und konnte ohne das Kind nicht leben und nicht sein. Aber da sandte der Herr eine große Krankheit, die wütete unter den Kindern und erfasste auch jenes Kind, dass es auf sein Lager sank und zum Tod erkrankte. Drei Tage und drei Nächte wachte, weinte und betete die Mutter bei ihrem geliebten Kinde, aber es starb.
Da erfasste die Mutter, die nun allein war auf der ganzen Gotteserde, ein gewaltiger und namenloser Schmerz, und sie aß nicht und trank nicht und weinte, weinte wieder drei Tage lang und drei Nächte lang ohne Aufhören, und rief nach ihrem Kinde. Wie sie nun so voll tiefen Leides in der dritten Nacht saß, an der Stelle, wo ihr Kind gestorben war, tränenmüde und schmerzensmatt bis zur Ohnmacht, da ging leise die Türe auf, und die Mutter schrak zusammen, denn vor ihr stand ihr gestorbenes Kind.
Das war ein seliges Engelein geworden und lächelte süß wie die Unschuld und schön wie in Verklärung. Es trug aber in seinem Händchen ein Krüglein, das war schier übervoll. Und das Kind sprach: »O lieb Mütterlein, weine nicht mehr um mich! Siehe, in diesem Krüglein sind deine Tränen, die du um mich vergossen hast; der Engel der Trauer hat sie in dieses Gefäß gesammelt. Wenn du nur noch eine Träne um mich weinst, so wird das Krüglein überfließen, und ich werde dann keine Ruhe haben im Grabe und keine Seligkeit im Himmel. Darum, o lieb Mütterlein, weine nicht mehr um dein Kind, denn dein Kind ist wohlaufgehoben, ist glücklich, und Engel sind seine Gespielen.«
Damit verschwand das tote Kind und die Mutter weinte hinfort keine Träne mehr, um des Kindes Grabesruhe und Himmelsfrieden nicht zu stören.
Nun, sie wusste, dass ihr Kind noch da war und glücklich, also musste sie nicht mehr weinen. Die Erzählung soll erstmals 1260 von einem belgischen Dominikanermönch publiziert worden sein, und 1508 übertrug sie Geiler von Kaisersberg ins Deutsche. Adalbert von Chamisso hat daraus 1830 die Ballade Die Mutter und ihr Kind gemacht. Bechstein nahm das Stück in sein Deutsches Märchenbuch von 1857 auf.
Vor einem Jahr erzählte die Schweizerin Elisabeth Vonderau im Kanal Empirische Jenseitsforschung, wie das ist, und das ist der Titel) Wenn Kinder sterben. Das können wir uns anhören, es dauert nur 16 Minuten.
Im selben Kanal von Franz Dschulnigg berichtete im vergangenen Sommer Anika Schäller von ihrem Schmerz, als ihr kaum 3 Jahre altes Töchterlein starb. Sie war untröstlich. Zwar hatte sie noch andere Kinder, aber die Tochter war ihr so lieb gewesen. Frau Schäller reist regelmäßig mit ihrem Astralkörper in jenseitige Regionen, und ein Geisthelfer unterstützt sie dabei. Sie flogen also Hand in Hand, und nach der Landung sagte ihr Helfer: »Geh weiter, da wartet etwas auf dich.« Und so traf sie wieder ihre Tochter (etwa ab 11:20 bis 14:50):
Es war sonnig und warm, ein Waldstück und eine Menschenmenge mit toller Stimmung, und da war ein Spielplatz mit einer Rutsche, einer Schaukel und einem Spielturm mit einem kleinen Versteck. Ich blieb dort intuitiv stehen. Und da sah ich schon ihre blonden Locken, ihre braunen Augen, und ich hörte ihre Stimme: »Mama!« Da konnte ich die Tränen kaum zurückhalten und war glücklich. Sie sah genauso aus wie damals! Ich habe sie in den Arm genommen und ihr Haar gerochen. Sie sah wunderschön aus, trug ein strahlendes Kleid und eine kleine Krone, wie ein Diadem, im Haar.
Dann mussten sie Abschied nehmen, und Anika erreichte es, dass sie noch einmal kommen dürfen würde. Sie kehrte in ihren Körper zurück, war hellwach und erzählte alles freudestrahlend ihrem Mann.
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