Frauen im Spätmittelalter
Ich wollte Christine de Pizan nicht so in der Luft hängen lassen, also fragte ich mich: Wie lebten Frauen damals? Im Freiburger Augustinermuseum fotografierte ich ein paar Heilige, darunter Frauen, und im National Geographic fand ich einen Artikel dazu, in dem eine deutsche Professorin uns alles erklärt.
Für mich selber war zu klären, wann früh, wann hoch, wann spät war im Mittelalter. Das sind ja unsere Definitionen, aber so grob: Frühmittelalter von 500 bis 1000; Hochmittelalter von 1000 bis 1250; Spätmittelalter von 1250 bis 1500.
Den Artikel Hausfrau, Regentin, Heilige: Welche Rollen hatten Frauen im Mittelalter? schrieb im Juni 2025 Insa Germerott, und die Professorin ist Eva Schlotheuber, zuständig fürs Mittelalter an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Sie sagt gleich, dass Männer die Geschichte schrieben, weshalb die Frauen etwas zu kurz kamen. Im Frühmittelalter war Adel wichtiger als Geschlecht, darum hatten viele Frauen etwas zu sagen. Im Spätmittelalter veränderte sich die Gesellschaft, und der weibliche Radius verringerte sich.
Ein Weg zur Macht »war die religiöse Karriere in einem Kloster oder einem Stift«, heißt es in dem Artikel. »Heiligkeit war der Weg, Autorität im öffentlichen Raum zu bekommen – und damit auch eine Stimme für Frauen«, sagt Schlotheuber, die mit Henrike Lähnemann das Buch Unerhörte Frauen: Die Netzwerke der Nonnen im Mittelalter geschrieben hat. »Wenn Frauen als Äbtissinnen dem Kloster vorstanden, hatten sie die volle Gewalt nach innen«, sagt Schlotheuber. »Sie waren Land- oder Stadtherrinnen sowie Grundherrinnen, sie sprachen Recht und mussten ihrerseits die Verteidigung über den Vogt organisieren.«
Es gab auch schreibende Frauen, und da kommt Christine de Pizan ins Spiel. Wir lesen:
Trotz dieser mächtigen Frauen und den einflussreichen weiblichen Gemeinschaften in den Klöstern, die bereits ein Fundament für unseren heutigen Feminismus legten, wurden Frauen in der Geschichtsschreibung wenig beachtet – und gerieten zunächst in Vergessenheit.
Viele Frauenklöster wurden aufgelöst, und weibliche Handschriften gingen verloren. Und der männliche Blick sah den Beitrag der Frauen nicht. Erst seit den 1970-er Jahren wird darüber geforscht, und so erfahren wir allmählich mehr über die Frauen im Mittelalter.
Im Augustinermuseum hingen ein paar Werke aus den Jahren 1450 bis 1500, die Heilige zeigen, und in zwei Fällen wurden zwei männliche Heilige mit einer Frau als dritter abgebildet. Ganz unsichtbar war die Frau also nicht! Und eine von drei sogar, da kann man nicht von einer »Alibifrau« sprechen. Gezeigt werden die heilige Catharina, die Barbara und die Margaret (von oben nach unten).
Und dann noch Bilder einer Agentur zum Tag der Frau am 8. März, gesehen vor 4 Wochen in L’Escale in Fessenheim. So sieht das heute aus.
Verwandte Artikel:
