Burqa City
Youtube schlägt einem ja viele Videos vor, und ich kriege oft arabische Beiträge. Einen davon, den Kurzfilm Burqa City (20 Minuten) habe ich mir angeschaut (englische Untertitel), und er hat mich überzeugt. Am Ende musste ich sogar laut lachen. Er war komisch, sowas wie eine Verwechslungskomödie, aber der Kontext ist traurig, und das alles erkläre ich gleich.
Dennoch gehört das zum Thema »Humor bei manipogo«. Fabrice Bracq hat den Film 2019 gedreht mit Omar Mebrouk und Malika Alaoui in den Hauptrollen. Burqa City: Ein junges Ehepaar geht zum Markt, um einzukaufen, er, Souleiman, lässig in Jeans, sie, Leila, total in Schwarz wie sein düsterer Schatten. Nicht mal die Augen sieht man. Eine schwarzgekleidete Frau (mit Nikab) ist alleine unterwegs, der Ladeninhaber setzt seine Trillerpfeife ein, und sie wird weggeschleppt. Herumlaufen ohne männlichen Begleiter: verboten. Laut reden für Frauen: auch verboten. (In Afghanistan wird es so sein unter den Taliban, in den Emiraten vermutlich auch.) Das ist der traurige Kontext.
Dann wird es aber lustig und panisch zugleich. Ein Moment der Verwirrung draußen vor dem Laden, ein Mann (neben sich eine schwarzgekleidete Frau) beschuldigt den jungen Mann, sein Auto beschädigt zu haben, sie trennen sich überstürzt. Dann fährt der junge Mann mit Frau heim, will sie dort umarmen, aber sie riecht anders. Als sie das Kopftuch zurückschlägt – ist es nicht Leila, die junge Gattin, sondern eine andere Frau. Sofort zurück! Zur Polizei. Wie beschreibt man eine Frau, die schwarz und unkenntlich ist wie ein Geist, wie hundert andere Frauen? Der Oberpolizist lacht. Die völlig absurde Gegenüberstellung mit 5 anderen Burkafrauen bringt natürlich nichts. Es ist aussichtslos. Leila wie vom Erdboden verschwunden.
Vielleicht hat sie der Mann der neuen Frau verwechselt? Sie fahren dorthin, obwohl sich die Frau sperrt: Dieser Mann schlage sie, wozu der freundliche junge Mann nie in der Lage wäre. Dieser andere Mann hat sieben Frauen. Ist eine von ihnen Leila?
Mit diesem Cliffhanger muss ich euch alleine lassen. Es sind ja nur 20 Minuten, der Film lohnt sich, und vielleicht werdet ihr am Ende auch lachen wie ich.
Ich dachte an die deutschen Verwechslungskomödien der 1960-er Jahre, die von Burqa City jedoch in den Schatten gestellt werden. Die Realität ist manchmal grotesk und überbietet unsere Phantasie. Nirgends im Koran steht, dass sich Frauen völlig verstecken müssen und nicht die Stimme erheben dürfen. Und der Koran ist fast 1500 Jahre alt! Wie im Christentum haben sich da männliche »Suprematisten« erhoben, die aus Unsicherheit und Furcht vor der Frau diese gnadenlos unterdrücken ließen – und auch noch im Namen Allahs. Es ist eine Schande.
Ich hätte vielleicht nicht darüber geschrieben, hätten nicht ein paar Kommentatoren aus Indien auf einen Skandal um den Film Laapataa Ladies hingewiesen, der auf Festivals in Toronto und Melbourne lief und am 1. März 2024 in die Kinos kam. Er erhielt für den Vertrieb den Titel Lost Ladies. Ein Schreiber fragt: »Wer ist hier nach der Laapaata-Ladies-Kontroverse?« 42 Antworten: »Ich« (Me) – Me – Me – Me … Haben die Inder den arabischen Film kopiert; haben beide vielleicht die indische Serie Ghunghat ke Pat Khol von 1999 kopiert? Ach, ist doch egal.
Laapaata Ladies (Inhalt von Wikipedia): Der Bauer Deepak reist mit seiner neuen Braut Phoola, und auch andere Paare sitzen in einem überfüllten Zug. Die Bräute sind traditionell gekleidet, ihr Gesicht ist mit dem ghoonghat verschleiert. In der Dunkelheit und der Konfusion steigt Deepak mit der falschen Braut aus. Phoola verlässt dann den Zug am nächsten Bahnhof, doch der Name von Deepaks Dorf fällt ihr nicht ein. also arbeitet sie dort an einem Teestand.
Die andere Braut, die Jaya heißt, wird verdächtigt, eine Diebin zu sein. Man nimmt sie fest und findet Pradeep, ihren Zukünftigen, der sie in der Polizeistation schlägt. Mn verwarnt ihn. Alles geht gut aus, Jaya fährt weiter, das ursprüngliche Paar kommt auch zusammen. Und danach gab es in Indien anscheinend eine Kontroverse, aber das soll uns nicht interessieren.
Und zum Dritten: Ich fing an, den algerischen Film La Citadelle von 1988 zu sehen und stand schon wieder vor diesem Motiv. Irgendwo in den Kabylen ein Hochzeitsfest von 5 Paaren gleichzeitig. Die Bräute sind verschleiert und nehmen im jeweiligen Schlafzimmer Platz, dann kommt der Bräutigam und entfernt den Schleier und verprügelt erst einmal die Frau, damit sie gleich weiß, wer der Chef ist. Der Hochzeitssex muss dann stattfinden und ein blutbeflecktes Hemdchen muss den Wartenden präsentiert werden als Beweis dafür, dass sie Jungfrau war. (Da wurde aber schon öfter getrickst, man hatte ein Hemd mit Lämmerblut präpariert).
Einer schreit: »Man hat mich reingelegt!« – Die Frau antwortet: »Ach, ich oder meine Schwester, was spielt das für eine Rolle?« – Draußen brüllt er: »Das ist nicht die, die ich haben wollte!«
Anscheinend kommt das doch öfter vor.
Die Bilder sind beide royalty free, das untere ist von Wikimedia Commons.
Verwandte Beiträge:
Qantara.de – Frauen und Sexualität
