Christine de Pizan
Das katholische Konradsblatt wies zum Weltfrauentag am 8. März auf Christine de Pizan hin, eine frühe Feministin, und da dachte ich mir: ein Thema für manipogo! (Nun 4 Wochen später.) Aber nun wollte ich nicht ewig Wikipedia zitieren und schaute, ob es noch andere Quellen gäbe. Und es gab sie!
Zum Beispiel den FrauenMediaTurm, ein feministisches Archiv mit Bibliothek, das 1983 gegründet wurde. Alice Schwarzer ist die Vorstandsvorsitzende, und aufgeführt sind mit Bild die 16 »Macherinnen«.
Das Archiv schreibt über Christine de Pizan, und da zitieren wir gleich den Anfang:
Die venezianisch-französische Schriftstellerin und Philosophin Christine de Pizan gilt als erfolgreichste Schriftstellerin des Mittelalters. In ihrem »Buch von der Stadt der Frauen«, das in seiner historischen Bedeutung Beauvoirs »Das andere Geschlecht« gleichkommt, entwirft sie die Utopie von einer Welt, in der Frauen Männern gleichgestellt sind. Als Gegenentwurf zur patriarchalen Gesellschaft entwickelt Pizan ein weibliches Universum, das sie mit Göttinnen, Philosophinnen, Kriegerinnen und anderen Frauengestalten bevölkert.
Sie wird 1365 in Venedig geboren, und ihr Vater war Astronom und Musiker, Mit 15 Jahren wird sie verheiratet, doch dann sterben Vater und Ehemann an der Pest, und sie schafft es kaum, für ihre Familie zu sorgen. Aber, so schreibt der FrauenMediaTurm, weder heiratet sie noch geht sie in ein Kloster. Sie fängt an zu schreiben und wird zu einer der ersten Frauen, die von ihren Werken leben können. Sie schreibt ein Kindererziehungsbuch und das »Buch des Friedens«.
Weiter FrauenMediaTurm:
Als Feministin berühmt wird Christine de Pizan 1401 mit ihrer Attacke auf den »Rosenroman« von Jean de Meung. Die Frau sei dazu geschaffen, den Männern zu dienen »wie die Kühe den Stieren«, behauptet der Gelehrte an der Sorbonne. Schriftstellerin Pizan wendet sich entschieden gegen die behauptete moralische und geistige Unterlegenheit der Frau und entgegnet: »Wenn jemand sagt, dass wir Büchern Glauben schenken sollen, die von berühmten Männern geschrieben wurden, welche noch niemals die Unwahrheit gesagt hätten, und die gleichwohl immer nur die Schwächen der Frauen herausstellen, so sage ich darauf, dass solche Autoren niemals etwas anderes im Sinn hatten, als die Frauen zu verleumden und zu betrügen.«
1405 folgt dann das »Buch von der Stadt der Frauen«, das erst 1986 ins Deutsche übersetzt wurde. 15 Bücher und viele Gedichte hat Christine de Pizan geschrieben, bevor sie sich in ein Kloster bei Paris zurückzieht und dort um 1430 stirbt. 1429 feierte sie noch die Jungfrau von Orléans, die zwei Jahre später verbrannt wurde, als »Ehre für das weibliche Geschlecht«.
Φ ⊗
Der Turm bietet noch Textauszüge der Autorin, das ist sehr lobenswert. Zu Beginn des Buchs von der Stadt der Frauen erzählt sie von einer Erscheinung, die aber auch erfunden sein mag:
Während ich mich mit so traurigen Gedanken herumquälte, ich den Kopf gesenkt hielt wie eine, die sich schämt, mir die Tränen in den Augen standen und ich den Kopf in meiner Hand barg, den Arm auf die Stuhllehne gestützt, sah ich plötzlich einen Lichtstrahl auf meinen Schoß fallen, als wenn die Sonne schiene. Und ich, die ich mich an einem dunklen Ort aufhielt, den zu dieser Stunde die Sonne gar nicht erhellen konnte, schreckte auf, gleich einer Person, die aus dem Schlaf hochfährt. Ich hob den Kopf, um die Lichtquelle zu suchen, und erblickte drei gekrönte Frauen von sehr edlem Aussehen, die leibhaftig vor mir standen. Das von ihren hellen Gesichtern ausstrahlende Licht erleuchtete mich und alles um mich herum. Man kann sich meine Überraschung vorstellen, denn alle Türen waren fest verriegelt, und trotzdem war es ihnen gelungen einzudringen. In der Befürchtung, es handele sich um eine mir als Versuchung auferlegte Geistererscheinung, schlug ich auf meiner Stirn das Zeichen des Kreuzes und war von großer Angst erfüllt.
Da redete die erste der drei Frauen mich lächelnd folgendermaßen an: »Teure Tochter, erschrick nicht, denn wir sind nicht gekommen, um dir zu schaden oder dir Kummer zu bereiten, sondern um dich zu trösten und dich aus deiner Unwissenheit zu erlösen, weil uns deine Verwirrung dauert. Sie verdunkelt so sehr deinen Verstand, dass du das, was du mit Sicherheit weißt, abstreitest und das glaubst, was du selbst nicht aus eigener Anschauung oder eigener Erfahrung, sondern lediglich aus den zahlreichen Meinungsäußerungen fremder Menschen weißt. … Teure Freundin, deshalb sage ich dir zu guter Letzt, dass allein die Einfalt die Ursache deiner gegenwärtigen Auffassung ist. Darum werde wieder du selbst, bediene dich wieder deines Verstandes und kümmere dich nicht weiter um solche Torheiten! Denn eines musst du wissen: alle Bosheiten, die allerorts über die Frauen verbreitet werden, fallen letzten Endes auf die Verleumder und nicht auf die Frauen zurück.
Und zum Abschluss des genannten Buches mahnt sie die Angesprochenen:
Meine edlen, hochverehrten Frauen, gepriesen sei Gott, denn nunmehr ist die Errichtung unserer Stadt vollendet und abgeschlossen. Ihr Frauen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die Ihr Tugend, Ehre und Unbescholtenheit liebt, findet hier eine Bleibe, denn unsere Stadt wurde für alle ehrsamen Frauen gegründet und errichtet. Da es ferner, Ihr geliebten Frauen, in der Natur des menschlichen Herzens liegt, sich zu freuen, wenn es ein Unternehmen erfolgreich beendet und seine Widersacher überwunden hat, so dürft, liebe Frauen, Ihr Euch nun in Tugend und Gottesfurcht am Anblick dieser neuen und vollkommenen Stadt erfreuen. Sie soll Euch allen, die ihr die Tugend liebt, nicht nur als Zufluchtsort dienen, sondern auch – vorausgesetzt, Ihr verteidigt sie gut – als Hort und Zufluchtsort gegen Eure Feinde und Angreifer. […]
Und deshalb weicht zurück vor den hinterhältigen Schmeichlern, die Euch mit allerlei Verlockungen und auf mannigfache Weise Euer höchstes Gut, das heißt: Eure Ehre und Euren makellosen Ruf, zu nehmen trachten. Oh Ihr Frauen, flieht, flieht die sündige Liebe, zu der sie Euch zu überreden suchen! Flieht vor ihr, um Gottes Willen, flieht vor ihr! Denn einer Sache könnt Ihr ganz sicher sein: auch wenn das, was sie an Versuchungen birgt, Euch zunächst irreführen mag – die Rechnung bezahlt letztendlich immer Ihr! … Flieht, flieht, liebe Frauen, und meidet solche Annäherungsversuche, denn hinter ihrer lächelnden Fassade verbergen sich äußerst gefährliche, todbringende Gifte.
Lasst es Euch also angelegen sein, Ihr meine hochverehrten Frauen, durch Eure Tugendhaftigkeit anziehend zu wirken, flieht das Laster in all seinen Erscheinungsformen, betreibt den Ausbau unserer Stadt, vermehrt die Anzahl ihrer Bewohnerinnen und übt Euch in Heiterkeit und Rechtschaffenheit! […]
Die Bilder stammen von der Homepage des FrauenMediaTurms.
Verwandte Beiträge:
Die Jungfrau von Orléans – Die staufischen Frauen – Abtei Fontevraud – Klosteraffären – Die heilige Lioba – Werke der Dunkelheit
