Das Jenseits im Film

Ich habe in meinen Unterlagen einen Aufsatz, betitelt Das Jenseits im Film (The Afterlife in Films), und ihn gibt’s im Internet. Simon Foster hat ihn für SBS on demand verfasst, eine Seite des australischen Fernsehens, und er erschien am 11. Februar (mein Geburtstag) 2011. Freilich sind es meist US-amerikanische Filme, doch es sind herausragende darunter.

Simon Foster schreibt als ersten Satz:

Eines der größten Verdienste des Kinos ist, der Menschheit eine Vision des Unsichtbaren bereitgestellt zu haben.

Vielleicht die drei besten Filme übers Jenseits (obwohl der Auto das nicht ausdrücklich sagt, doch er lobt sie sehr) sind:
Ghost – Nachricht von Sam (1990, Regie Jerry Zucker, mit Patrick Swayze, Demi Moore, Whoopi Goldberg),
What Dreams May Come, deutsch: Hinter dem Horizont (1998, Regie Vincent Ward, mit Robin Williams, Cuba Gooding Jr., Annabella Sciorra) und
The Sixth Sense (1999, M. Night Shyalaman, mit Bruce Willis und Toni Colette).

Weitere Filme übers Jenseits, nach Reihenfolge des Erwähnens (wenn er markiert aussieht, ist das der Link zu Youtube, wo der ganze Film zu sehen ist):

Hereafter (2010, Regie Clint Eastwood, mit Matt Damon)
The Gift (2000, Sam Raimi)
Fearless (1993, Peter Weir, mit Jeff Bridges, Isabella Rossellini und Rosie Perez)
Flatliners (1990, Joel Schumacher)
Saved By the Light (1995, Lewis Teague)
Resurrection (1980, Daniel Petrie)
Jacob’s Ladder (1990, Adrian Lyne)
Enter the Void (2009, Gaspar Noe)
Heaven Can Wait (1978, Warren Beatty, Buck Henry)
A Matter of Life and Death (1946, Michael Powell, mit Sir David Niven)
Liliom (1934, Fritz Lang, mit Charles Boyer)
Outward Bound (1930, Robert Milton)
Sin noticias de Dios (2001, Agustín Díaz Yanes, mit Victoria Abril und Penelope Cruz)
Defending Your Life (1991, Albert Brooks)
Joi sun ho (2009, Wai Kar-Fai)
Birth (2004, Jonathan Glazer, mit Nicole Kidman)
Meng zhong ren (1986, Tony Au)
The Lovely Bones (2009, Peter Jackson)
Wings of Fame (1990, Otokar Votocek)
Brainstorm (1983, Douglas Trumbull)
Five People You Meet in Heaven (2004, Lloyd Kramer mit Jon Voigt)
The Rapture (1991, Michael Tolkin, mit Mimi Rogers)
Aries (2004, Faozan Rizal)
Häxan (1932, Benjamin Christensen).

Das wären 24 Filme, unter denen 6 nicht-amerikanische rangieren (Unsern japanischen von vorgestern nannte Foster auch.). Natürlich etwas unpassend, nun, im Frühling. Vor einem langen Winter wäre das besser, aber man kann sich die Liste ja aufbewahren. Ich werde mir immer mal wieder einen Film daraus zu Gemüte führen, und mit Jacob’s Ladder habe ich angefangen, der wird gleich in 5 Tagen vorgestellt. Leider sind die meisten auf Youtube in englischer Sprache.

Ich habe mir angewöhnt, immer um 18.30 Uhr einen Film anzuschauen auf Youtube, und bei mir sind es entweder polnische oder arabische. Und dabei fällt mir ein Artikel von Qantara.de ein: Auf einmal spukt es.

Im neuen arabischen Kino, schreibt Armin Farzanefar, bemerkt man plötzlich surreale Elemente. In Aisha Cant’t Fly Away von Morad Mostafa hat die Krankenschwester immer wieder eine Erscheinung: einen Vogel Strauß. In Agora von Ala Eddine Slim »tauchen nach einem Sandsturm plötzlich verschollen Geglaubte aus dem Meer auf und versuchen, nahtlos an ihr früheres Leben anzuknüpfen«. In Roqia von Yanis Koussim, 2025 in Venedig vorgestellt, »vergisst ein alter Imam und angesehener Exorzist die Austreibungssprüche, die den Besessenen helfen«. Interessant. Den Artikel kann man gut lesen.

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Im deutschen Film und Fernsehen tauchen auch manchmal Verstorbene auf oder die Vergangenheit dringt in die filmische Gegenwart ein. Meiner Schwester war das zuerst aufgefallen, und jetzt sehe ich es auch. Ist das neu? Sonst war das oft am Ende eines Films mit Dr. House so, die Kamera entfernte sich, es gab ruhige Schlussmusik, und dann konnte auch ein in der Folge Verstorbener vorbeiwandern. (Ich muss mal ein Beispiel heraussuchen.)

Im Tatort aus Weimar trat einmal ein Verstorbener auf.  Das war bei Der feine Geist, ausgestrahlt am 1. Januar 2021, der nach fast 8 Jahren die Reihe beschloss. Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmer), beide Hauptkommissare, waren verheiratet. In der Geist-Folge wird er 20 Minuten vor Schluss erschossen und taucht in den letzten 3 Minuten drei Mal auf. Am Ende stehen 4 Kripo-Beamte einträglich am Fluss, und einer von ihnen ist Lessing, der dann zum Finale 2 Zeilen aus einem Gedicht zitiert. Leider aus einem von Rilke, nach dem zwar eine Straße in Weimar benannt ist, der aber sonst nicht viel mit der Stadt zu tun hatte. Eine Stelle aus Lessing wäre besser gewesen. Er hätte sagen können:

Des tüchtigen Lessings Befinden wollt ihr wissen?
Der tüchtige Lessing hat jüngst ins Gras gebissen.  

(Lessing schrieb das über den »beißigen Lupan«, den niemand mehr kennt. Lessing war unterhaltsam und ein Spötter, Rilke ein grüblerischer, religiöser Autor, dessen Gedichte so oft zitiert wurden, dass man sie nicht mehr hören kann.)

 

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