Stress im Jenseits (12)

Nun das Finale, gratuliere! Es gibt eine neue Aufgabe, und Goethe und Schiller sind auch da. Hessen-Mitte! Giovanna lebte einmal in Frankfurt, Eppsteiner Straße, bis 1999. Ist das Drehbuch vielleicht schon 20 Jahre alt? Egal, da es ja niemand verfilmen wird. Ich hoffe aber, ein paar Szenen sind euch geblieben. Das Ding haben wir aus dem Keller herausgeholt!

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Sie fliegen und schweben über einer sanft gewellten Landschaft, über der Nebel hängt. Am Horizont stehen Berge, über die immer neue Wolkenbänke quellen.Sie landen und schauen. Überall sitzen und liegen graugewandete Menschen, abwesend und verträumt.

Karama: Ebene zweiundzwanzig, so genannt nach Robert Monroe, einem eurer Forscher, der viel verstanden hat. Er hat uns oft besucht und ist schon auf achtundzwanzig, praktisch unerreichbar. Hier auf zwo-zwo sind alle, die noch auf Erden sind. Ein Teil von ihnen ist hier, aber sie wissen es nicht: Leute im Drogen- und Alkoholrausch, Leute mit psychischen Krankheiten, Leute im Koma oder mit Demenz. Was hier ist, können wir nicht richtig beeinflussen, es sind nur Hüllen ihres Höheren Selbst. Ein trauriges Schauspiel. Wir helfen, so gut wir können, aber müssen warten, bis sie ganz hier sind. Schwere Arbeit hier.

Sie fliegen weiter. Landen in einem großen Tal voll mit Industriebauten, Halden, alten abgewrackten Häusern, zwischen denen graugewandete Wesen umherirren.

Karama: Schaut gut hin. Ebene dreiundzwanzig. Die Leute, die gestorben sind, aber nicht ans Weiterleben glauben. Alle wie in Trance, sie begreifen nichts, spüren nichts, sehen nichts. Das ist der Limbo. Wir arbeiten daran, sie aufzuwecken. Wenn es gelingt, sehen sie etwas, und wenn Wertvolles in ihnen ist, können sie ihre Umgebung verändern … Dein Geist schafft deine Umgebung, so ist das. Wenn du anders zu denken in der Lage bist, dann bist du plötzlich woanders. Und es kann weitergehen. Wer hier arbeitet, hat sich das ausgesucht als Sühne für frühere Fehler. Denn es dauert nach menschlichen Maßstäben Jahrhunderte, bis einer die Augen auftut. – Weiter.

Sie fliegen. Ein schöner Landstrich mit vielen Kirchen und Fluren.

Karama: Das Land der Christen. Wer ans Christentum glaubte, ist hier. Heilige durchstreifen die Gegend, es wird viel gebetet und gesungen, und hinter dem Horizont gibt’s die Region der Buddhisten, die der Moslems, der Hindus mit den entsprechenden Emotionen. Hier lebt man gut, aber – es ist nur eine Vorstation zum großen Glück, und auch hier muss Überzeugungsarbeit geleistet werden. Manche meinen, das sei schon das Paradies! Weil sie hier halbwegs glücklich sind. Es gibt noch mehr! Wenn ihr das wüsstet …

Weiterflug. Ein geordneter Garten, Pavillons, Wege, Bäume. Sie landen. Hier gehen plaudernd Weißgekleidete.

Karama: Ebene siebenundzwanzig. Die Empfangsstation. Sieht so aus, wie man sich die Ankunft in einem schönen Land vorstellt. Weiter vorn gibt’s auch Strand, Palmen, Meer. Hier wird man nach der Ankunft, wenn man offen und gutherzig ist, bewillkommnet. Dann ist der Schock nicht zu groß, man erholt sich etwa im Atrium und wird belehrt, wie es weitergehen könnte. Der Platz für die, die hoffen dürfen. Ebene achtundzwanzig ist dann schon zu viel für euch, ihr könntet das Licht nicht ertragen. In ein paar hundert  Jahren seid ihr reif dafür. Aber jetzt wird es irdisch, eure Aufgabe wartet. Hessen-Mitte. Auf!

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Hessen-Mitte ist ein Zentrum unterhalb eines Wolkenkratzers, der honiggelb leuchtet. Flugzeuge schweben darüber. Goethe und Schiller stehen da, halten sich umarmt und lächeln.

Goethe: Liebe Freunde, willkommen. Glorreich ist der Tag. Wer immer strebend sich bemüht.
Schiller: Freude schöner Götterfunken.

Karama: Das ist euer Empfang. Die beiden sind längst woanders und haben Kopien von sich zurückgelassen. Hier haben sie auch mal angefangen. Aber gute Teamworker waren sie nicht gerade. Zu Goethe und Schiller Ihr könnt jetzt wieder ein bißchen dichten. Wieder vier Leinwände, Bildschirme, 20 weiß gekleidete Gestalten, die untereinander diskutieren. 

Melanie: Hier können wir also alles sehen.

Karama: Die Bildschirme sind nur für euch, damit ihr euch wie zu Hause fühlt. Hardy arbeitet an der Börse, täglich vierzehn Stunden, und wir möchten, dass er Liliane kennenlernt, die in Hannover PR macht, bei der großen Messe. Da gibt’s großes Soulmate-Potenzial, Stufe 17 von 20. Wir müssen entweder Hardy nach Hannover bringen oder Liliane nach Frankfurt. Zwei Versuche sind schon gescheitert. Kommt, wir reden darüber.

THE END

 

Schade eigentlich, es könnte ewig so weitergehen. Zwischendurch musste ich sogar ein paar Male laut lachen, gute Gags sind ja drin. Aber ich glaube nicht, dass jemand diesen Film drehen würde. Ich glaube, Nosso Lar aus Brasilien ist so ähnlich, Teil 2 habe ich gesehen.

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