Auf Kurs gebracht
Durch Zufall stieß ich auf einen Artikel in der US-Feministen-Zeitschrift Ms., der über einen neuen Film sprach. Er zeigt, wie im Sommer 2024 rechte Kräfte ein College in Florida »auf Kurs brachten«, sprich gleichschalteten. Diese zerstörerischen Kräfte gab es schon vor Präsident Trump, den sie an die Macht brachten, damit die US-Gesellschaft verändert werde.
Der Film heißt First They Came for My College, stammt von Patrick Bresnan und hatte im März beim Sender SXSW Premiere. Das New College of Florida sollte umgestaltet werden. Der erzkonservative Gouverneur von Florida seit 2019, Ron DeSantis, hatte 2023 eine Kommission ernannt, die eingreifen sollte. DeSantis hatte übrigens schon 2021 die Beteiligung von Transgender-Personen am Schul- und Universitätssport untersagt. Als erstes wurde die Präsidentin des Colleges, Patricia Okker, ohne Angaben von Gründen gefeuert, dann wurden alle Gender-Studien eingestellt, und dasselbe widerfuhr den Diversity Studies, die den Blick dafür schärfen, wie Geschlecht, Rasse und Kultur die Forschung prägen.
In dem Film sieht man also mächtige Männer mit »beiläufiger Grausamkeit« vorgehen. Die Studenten sind für sie abstrakte Figuren; es geht ihnen darum, die »Woke-Ideologie« zu brechen und das College wieder »herzurichten«. Studenten baten darum, gewisse Kurse beizubehalten; die Mächtigen nannten dies »Manipulation«. Wer sich für die Kurse aussprach, durfte nur wenige Sekunden sprechen, dann griff die Polizei ein. Es gab tätliche Auseinandersetzungen. Ein Professor sagte in dem Film:
Ich bin seit 29 Jahren dabei, aber so etwas habe ich noch nie erlebt.
Es ist gewissermaßen ein Putsch von rechts. Und so benahm sich Trump ja auch in den ersten Monaten im Amt: wie ein General, der sich die Macht herbeigeputscht hat; und war der 6. Januar 2021 am Kapitol nicht auch eine Art Putschversuch? Wie konnte man Trump nur zur Wahl zulassen? Nun haben die Rechten Oberwasser und versuchen seit eineinhalb Jahren, alles abzuschaffen, was ihnen nicht passt.
Im New College of Florida wurde das Gender and Diversity Center aufgelöst, wurden Hunderte Bücher ausgesondert und weggeschmissen; man hätte sich nicht gewundert, wären sie verbrannt worden, wie es damals, 1938, die Nazis taten.
Roxanna Szal schreibt in ihrem Artikel vom 9. April aber auch über Positives: Eltern traten öffentlich auf, Fakultätsmitglieder versteckten sich nicht, obwohl ihre Jobs in Gefahr waren, Studenten-Journalisten berichteten unbeirrt. Ein islamophober Milliardär (Joe Ricketts) wurde bei seiner Rede ausgelacht.
Die Autorin meint, viele Studenten hätten gelernt, was es heiße, für etwas zu kämpfen, was vielleicht nicht zu retten sei. Es sei durchaus eine Geschichte von Widerstand. Viele hätten auf ihre Art gekämpft, und habe es auch nicht den Sieg gebracht, so hätten die Studenten wenigstens allen gezeigt, dass sie sich weigern, klein beizugeben; dass sie nicht geneigt waren, zu verschwinden.
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