Ohne Waffen

Der schöne Monat Mai, der Marienmonat! Würden doch alle Kriege auf der Welt aufhören! Nein, die Rüstungsindustrie floriert und forscht weiter. Deutschland hat 24 Prozent mehr für Waffen ausgegeben. Bald werden wir intelligente Waffen haben, denen es vielleicht eines Tages einfällt, dass es besser wäre, diejenigen auszuschalten, die sie gebaut haben und einsetzen wollen.

Etwa 400 vor Christus wurde das Buch Tao te king bekannt, das Laotse zusammengestellt hatte. Es sollte neben die Worte Buddhas und Jesus Christus gestellt werden, doch ist es rätselhaft und paradox und zu sehr fernöstlich. um von allen geschätzt zu werden. Es ist jedenfalls ein Buch, das den Frieden will. Und man kann es zur Gänze bei zeno.org lesen. Es ist nicht lang. Heute Worte gegen die Waffen und den Krieg aus dem Tao te king.

29. Vom Nichthandeln

Die Welt erobern wollen durch Handeln:
Ich habe erlebt, dass das misslingt.
Die Welt ist ein geistiges Ding,
das man nicht behandeln darf.
Wer handelt, verdirbt sie.
Wer festhält, verliert sie.
Denn: die Geschöpfe gehen voran oder folgen,
sie seufzen oder schnauben,
sie sind stark oder schwach,
sie siegen oder unterliegen.
Also auch der Berufene:
Er meidet das Heftige.
Er meidet das Üppige.
Er meidet das Großartige.

30. Warnung vor dem Krieg

Wer nach dem SINN dem Menschenherrscher hilft,
zwingt nicht mit Waffen die Welt.
Seine Art ist es, den Rückzug zu lieben.
Wo Kämpfer geweilt, wachsen Disteln und Dornen.
Hinter den großen Heeren her kommt sicher böse Zeit.
Der Tüchtige will Entscheidung und nichts mehr.
Er wagt nicht Eroberung mit Gewalt.
Entscheidung, ohne sich zu brüsten,
Entscheidung, ohne sich zu rühmen,
Entscheidung, ohne stolz zu sein,
Entscheidung, weil’s nicht anders geht,
Entscheidung, ferne von Gewalt.

Sind die Geschöpfe stark geworden, altern sie.
Denn das ist Wider-SINN.
Und Wider-SINN ist nah dem Ende.

31. Nieder die Waffen 

Auch die schönsten Waffen sind unheilbringende Geräte,
und die Geschöpfe hassen sie wohl.
Darum: Wer den SINN hat, weilt nicht dabei.
Der Edle in seinem gewöhnlichen Leben
achtet die Linke als Ehrenplatz.
Beim Waffenhandwerk
ist die Rechte der Ehrenplatz.
Die Waffen sind unheilbringende Geräte,
nicht Geräte für den Edlen.
Nur wenn er nicht anders kann, gebraucht er sie.
Ruhe und Frieden sind ihm das Höchste.
Er siegt, aber er freut sich nicht daran.
Wer sich daran freuen wollte, würde sich ja des Menschenmordes freuen.
Wer sich des Menschenmordes freuen wollte, kann nicht sein Ziel erreichen in der Welt.
Bei Glücksfällen achtet man die Linke als Ehrenplatz.
Bei Unglücksfällen achtet man die Rechte als Ehrenplatz.
Der Unterfeldherr steht zur Linken, der Oberführer steht zur Rechten.
Das heißt: er nimmt seinen Platz ein nach dem Brauch der Trauerfeiern.
Menschen töten in großer Zahl, das soll man beklagen mit Tränen des Mitleids.
Wer im Kampfe gesiegt, der soll wie bei einer Trauerfeier weilen.

 

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