Die Frauen in Japan

Nicht wenige Stellen in Angela Terzanis Buch behandeln die Frauen in Japan und ihr beklagenswertes Los. Die japanischen Frauen hätten nie richtig protestiert, obwohl es auch dort seit 100 Jahren eine Art Feminismus-Bewegung gab. Dem Gesetz nach sind Frau und Mann gleichgestellt, doch in der Realität steht die Frau immer im Hintergrund.

Auch heute noch streben die meisten Frauen danach, eine perfekte Hausfrau und Mutter zu sein. 70 Prozent der japanischen Frauen hören auf zu arbeiten, wenn sie ein Kind bekommen haben.

Angela Terzani hat viele Beispiele aufgezeichnet von Paaren, die unglücklich verheiratet waren. Zur Scheidung kam es meist erst im Rentenalter. Der ideale Ehemann war gesund und fast nie zu Hause. Dort regierte die Frau, und in der Firma regierte der Chef. Kein Wunder, dass die Männer nach der Arbeit mit Kollegen zum Saufen gingen oder Prostituierte besuchten. (Links: Frauen als Trägerinnen vor dem Mount Fuji, 1902).

Ein Mann verprügelte seine Frau jeden Abend und schrie sie an: »Hätte ich nicht eine solche Idiotin geheiratet, dann würde ich Karriere machen!« Eine Deutsche, die die Befehlsgewalt der Männer in Frage gestellt hatte, wurde von ihrem japanischen Mann in einer Bar niedergeschlagen und erlitt eine Gehirnerschütterung.

1957 wurden die Geishas offiziell von der Prostitution abgekoppelt, und heute gibt es nur noch 300 bis 1000 von ihnen. Traditionen verschwanden, denn Japan warf sich dem Westen in die Arme.

Die Städte waren zu blinkenden Supermärkten mit Rockmusik und kleinen, intimen Bars geworden, und überall nur Männer. Japanische Frauen probten nie den Aufstand, nur der Name Kato Shizue (1897-2001) wurde überliefert als der einzigen Feministin von Ruf.

Ist es in den 35 Jahren nach Angela Terzanis Buch besser geworden? Es scheint nicht so. Die junge Emi Miyazaku sprach vor einem Jahr in ihrem Podcast über die Frau in Japan, die immer noch sexuellen Belästigungen ausgesetzt sei. Kommentare auf ihren Beitrag gaben ihr Recht. Die ganze japanische Gesellschaft sei hoch sexualisiert, und Frauen zählten nicht. Sie würden nicht respektiert. Ein Mann aus Pakistan schrieb, die Situation erinnere ihn an sein Land; da sei es genauso.

Das System schützt die Opfer nicht, bei denen die Beweislast liegt. Sie müssen darlegen, dass sie sich gewehrt haben. Polizisten wiegeln ab und meinen: ›Wollen Sie wirklich das Leben dieses Mannes zerstören?‹ Denn die Schamkultur Japans ist mächtig. Wie in Afrika und überall scheuen sich Frauen, Vergewaltigung und Belästigung anzuzeigen. Die Medien berichten kaum über sexuelle Vergehen, es gibt keine kostenfreie Trauma-Beratung und wenige Frauenhäuser.

2025 wurde der Film Black Box Diaries von Shiori Itō (links in Berlin) für einen Oscar als bester Dokumentarfilm nominiert. Die junge Journalistin wurde 2015 von einem Funktionär, der Verbindungen in höchste Kreise hatte, unter Drogen gesetzt und vergewaltigt. 2019 gewann sie ihren Zivilprozess. Die Medien in Japan ignorierten den Film.

Nanpa ist der japanische Ausdruck für anbaggern und anmachen. In den Städten werden Frauen oft berührt und verbal beleidigt, vor allem in überfüllten Zügen. In Mangas und Anime werden oft explizit sexuelle Szenen gezeigt. (In seinem sehenswerten Reisefilm über Tokyo spricht Anthony Bourdain mit einem Schöpfer solcher Szenen; der Film von 2017 schildert den ganzen Irrsinn dieser Megastadt.) Oft treten junge Mädchen auf, denn diese Comics haben nicht selten pädophilen Charakter. Von einer »Porno-Kultur« sprachen manche Kommentatoren. Zur Kunst gebracht hat das Nobuyoshi Araki (geboren 1940), der durch Aktfotgrafien und erotische Darstellungen berühmt wurde.

Vielleicht ist die Erotik und die kaum versteckte Aggressivität das Geheimnis Japans. Doch es ist auf die Städte konzentriert; in ländlichen Gegenden lebt man ruhig vor sich hin.

 

Das Bild links ist von Suzuki Harunabu (1725-1790), das Foto mit den Kindern vom Bains News Service. Dank an die Library of Congress, Washington, D. C.

 

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