Ewige Liebe im Gewerbegebiet
Um meine Trainingsfahrt zum Rhein etwas zu verlängern, fahre ich gern durchs Gewerbegebiet Breisgau mit dem ehemaligen Flugplatz Bremgarten, dessen Feld man bequem umrunden kann. Vor ein paar Wochen schlug ich spontan eine Seitenstraße ein und blickte mich um. Und mein Blick fiel auf die Worte Ewige Liebe.
Und weiter rechts, am angrenzenden Haus, nahm mein Adlerauge den Werbeslogan … einmalig für die Ewigkeit! wahr. Auflösung: ein Bildhauer. Er hatte Grabsteine aufgestellt. Und er hatte das sinnreiche Motto erdacht. Kann man ja sagen: so ein Stein hält in unseren Begriffen ewig, und ewig, wir wissen es, sind wir ja auch.
Klar, die ewige Liebe zu sehen in einem Gewerbegebiet ist eine Art Erleuchtung. Aber das in einem Artikel zu vermitteln ist schwieriger. Man müsste 10 Bilder zeigen, um den Kontext wiederzugeben. Unten sehen wir das Gesamtangebot, und etwa unterhalb des Seitenfensters des Lieferwagens befand sich die Liebe, die man aus einer anderen Perspektive (Bild 2) deutlich sehen konnte. Und wir sehen noch das Vorfeld der Firma, das Motto ist jedoch nicht richtig zu erkennen, da zu klein. (Erinnert irgendwie an L’Avenir, die Zukunft im Artikel über Mont St. Odile, unten).
Dazu noch eine kleine Geschichte. Im September nahm ich an einer Führung durch Freiham teil, in dem seit etwa 7 Jahren ein neuer Stadtteil entsteht. Einmal sollen in ihm 25.000 Menschen wohnen, jetzt sind es schon 9000. Da ist an alles gedacht: originelle Fassaden, Fahrradstraßen, die Autos zurückgedrängt, Mietstationen für Lastenräder, Fahrrad-Reparaturwerkstätten, demnächst auch ein Hotel und ein Pflegeheim. An fast alles ist gedacht.
Da fragte ich den Mann, der uns führte, wie es mit einem Friedhof aussieht. Wo viele Menschen leben, sterben auch ein paar, das liegt in der Natur. Da sagte er, 2019 in der Gründerzeit habe man viel darüber diskutiert, doch sei es nicht erstaunlich, wie schnell sich die Dinge änderten? Denn plötzlich braucht man keinen Friedhof mehr; der vom benachbarten Allach genüge.
Weshalb? Nun, in diesen wenigen Jahren hat sich ein Umdenken vollzogen. Die meisten Menschen wollen sich kremieren lassen, also bleibt nur eine Urne, die wenig Platz braucht. Und Angehörige haben keine Lust mehr, Gräber zu pflegen geschweige denn Geld dafür springen zu lassen. Begräbnisfeier an einem Feld und tschüs. Das Leiden im Alter hat man an Pflegeheime delegiert, das Leiden beim Sterben an die Krankenhäuser, die psychisch Kranken und die Gefangenen sind irgendwo ganz außerhalb, und an den Tod wollen wir nicht erinnert werden. Unser Leben auszuschöpfen und zu genießen ist anstrengend genug.

Das hat man heute so: Stelen, und hinter der jeweiligen Platte mit dem Namen befindet sich vermutlich die Urne, wie in den italienischen Friedhofswänden
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