Ausmerzung

2013 habe ich am 5. März Stalin erwähnt, weil er an jenem Tag 1953 starb, doch eher deshalb, weil er 20 Millionen Menschen in den Tod schickte. Geboren wurde er 1878 als Jossip Wissarionowitsch Dschugaschwili, und 1912 nannte er sich Stalin, den »Stählernen«. Lenin riet in seinem Testament, ihn loszuwerden; Stalin indessen ließ das Schriftstück verschwinden.

Es stimmt, man sollte öfter an diese 70 Jahre denken, in denen in der Sowjetunion Menschen in Lager geschickt, nachts erschossen oder dem Hungertod preisgegeben wurden, Millionen Menschen. Die Anregung dazu kam von Peter Sloterdijk in dessen Buch »Du musst sein Leben ändern« von 2011. Das Anfangssignal zu dieser Auslöschung von Menschen, dieser »Exterminierung« hat ein exaktes Darum, und ich zitiere:

Es sind die Leninschen Diskurse über den Roten Terror vom 5. September 1918, in denen es »expressis verbis« hieß, man müsse die Feinde des Sowjetsystems in Konzentrationslager einschließen, um sie Schritt für Schritt zu eliminieren. Dieses Vorgehen, in den ersten Jahren als Provisorium intendiert, wurde in massiven Formen bis in die fünfziger Jahre, in abgeschwächten Formen bis in die achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts durchgehalten, zuletzt unter Mitwirkung der sowjetischen Psychiatrie … 

Das Lager Workuta

Das Lagersystem, organisiert durch den Gulag (Solschenizyns Buch »Der Archipel Gulag« sorgte 1974 für Aufsehen), wollte Umerziehung durch Arbeit, erfasste 50 Millionen Menschen, von denen ein Drittel das nicht überlebte, denn kalt war es in Sibirien, und wie bei den Nationalsozialisten war der Hintergedanke wohl Vernichtung durch Arbeit. Es spielte keine Rolle, ob jemand durchkam. In manchen Kreisen gälten diese jahrzehntelangen Untaten als »Kavaliersdelikte der Geschichte«, schreibt Sloterdijk.

Es ist sicher richtig, dass der Genozid an den Juden ein andere Natur besaß: Es war eine eiskalt geplante, systematische Vernichtung. (Die Diskussion darüber gab es in den 1980er Jahren.) Der Herr im Kreml schickte Millionen weg in die eiskalten Lager, und es war ihm recht, wenn niemand zurückkam. Hier wie dort herrschte Menschenverachtung und der Wille zur Auslöschung.

Arbeit im Steinbruch

Stalin habe 1932 und 1933 durch eine Hungerblockade ukrainische Bauern sterben lassen, schrieb Sloterdijk, ihre Zahl lag zwischen 5,5 und 8 Millionen. Sie galten eben als »Unzeitgemäße«, ihr Verlust spielte keine Rolle. Der Diktator schickte Millionen mangelhaft ausgebildete Rotarmisten an die Front gegen Deutschland. Allein in diesem Krieg verlor die Sowjetunion 20 Millionen Menschen.

Putin macht es ähnlich: Soldaten aus dem Osten werden in die Ukraine avkommandiert, sogar Afrikaner werden mit dem Versprechen eines Jobs angelockt, dann gibt man ihnen eine Waffe in die Hand und schickt sie in die Ukraine, und länger als 3 Tage überleben sie nicht. Und die Metzelei geht weiter. Sie zertrümmern urainische Städte, töten Zivilisten, und jeden Monat sterben auch 1000 russische Soldaten. So ein sinnloser Krieg, aber welcher Krieg ist nicht sinnlos?

Freilich müsste man auch die maoistischen Säuberungen und die Killing Fields in Kambodscha erwähnen, die auch Millionen Menschenleben forderten; dies ein andermal.

(Die Bilder sind von der Seite planet wissen.)

 

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