Florian Berg

Harte Sache. Gibt man den obigen Namen in die Suchmaschine ein, kommt gleich auf Instagram seine Homepage, Blue Miracle official.  »Hi! My name is Florian Berg and in March 2024 I will start a 30 month bicycle world tour. « Er hätte heute zwei Jahre hinter sich gehabt, der 29-Jährige, doch er starb am 20. Januar in den Anden.

Ich weiß nicht, ob dieses Unglück in Deutschland bekannt geworden ist. Ich fand es auf Instagram. Der junge Mann aus Zülpich-Bürvenich unweit von Köln war so losgefahren, wie wir Radler es lieben: mit vier Packtaschen, Kocher, Schlafsack und Zelt. Traditionell.

30 Länder hatte er schon durchquert, hatte kleine Filme auf seine Homepage gestellt und sich begeistert geäußert über die Hilfsbereitschaft der Menschen. Einmal schenkte ihm ein Mann ein Glas Nutella, das vermutlich schon Jahre bei ihm im Regal gestanden hatte. Die Armut vieler Menschen betrübte Florian. Er musste dies mit unserem Lebensstil vergleichen, der ihm luxuriös vorkam. Auf der Homepage steht heute noch: On Tour since 731 days. (Kann aber nicht sein. Das wären ja 2 Jahre. Meinte er vielleicht 713 Tage?)  Bis September hätte die Reise dauern sollen – weiter über Panama und Afrika.

Am Samstag, 17. Januar, war er in der peruanischen Stadt Huaraz gestartet, um den See Laguna de Conococha zu erreichen, der auf 4000 Metern Höhe liegt. Die Region Ancash ist bekannt für Abenteuertourismus, doch auch für Unwetter und Regenfälle. Als ein Gewitter aufzog, verkroch sich Florian in sein Zelt, und dort erschlug ihn ein Blitz. Vielleicht hatte das Zelt eine Metallstange, oder sein Fahrrad zog den Blitz an. Man weiß nicht genau, wann er ums Leben kam.

Die Reise war eine mutige Unternehmung, die auch Gefahren in sich trug. Man bedenkt sie, lässt sich aber von ihnen nicht abhalten, denn dann müsste man gleich zu Hause bleiben. Armando Basile, unser 1,5-Millionen-Kilometer-Mann, hat auch oft Glück gehabt, wurde während seiner 40 Jahre unterwegs ein paar Male überfallen und umgefahren, aber er hatte Glück. Dafür gibt es jedoch keine Garantie.

Ich dachte auch an das Buch The Lost Cyclist, das mir David Herlihy, der Autor, 2012 in Gent in die Hand drückte. (Der Link steht unten.) Der 1869 geborene Deutsch-Amerikaner Frank G. Lenz bricht im Juni 1891 mit dem Rad zu einer Weltreise auf. Er durchquert die USA, China und Indien und erreicht Teheran. Über Täbris will er in die Türkei. Man weiß noch, dass er am 9. Mai 1892 am Erzorum-Pass übernachtete. Seither verlor sich jede Spur von ihm. Nur noch Teile seines Fahrrads wurden gefunden. Dort oben zogen Banden herum.

Also lesen wir auf Blue Miracle nach und gedenken des mutigen Radreisenden Florian Berg, der sicher auf der Welt viele Freunde fand.

 

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