Unteres und Oberes Paradies

Nach dem Pseudoparadies von vergangenem Weihnachten kommen wir nun zum echten Paradies, an das man aber glauben muss. Wir behandeln die Paradieses-Vorstellung des Judentums, wie sie Lewis D. Solomon in Das kabbalistische Totenbuch darlegt. Endlich mal etwas Positives! Der März soll positiv werden!

Solomon hält fest:

Gott, der Bewahrer, ist uns nahe. Der Ewige hat wohlwollendes Interesse an jedem einzelnen Menschen.

Der Tod stellt einen Übergang aus einem Bewusstseinszustand zu einer anderen Bewusstseinsebene – zu einem entkörperlichten, spirituellen Bewusstsein – dar.

Die Seele in uns vertritt die unsichtbare Energie-Emanation Gottes, die Weltseele. Sie ist ein Lichtstrahl vom Höchsten Firmament des Lichtes. Sie ist nur ein winziger Teil der Vitalität und Energie aus dem riesigen Speicher unendlicher Kraft und Stärke. Die Essenz unseres Wesens – unsere Seele – kommt von Gott und ist Teil von Ihm.

Während des Sterbeprozesses, im oder unmittelbar nach dem Moment des Todes, kann es geschehen, dass der Sterbende einen kurzen Blick auf das Klare Licht erhaschen kann. Es ist ein wunderschönes, intensives Licht, das sehr viel heller ist als alles, was es auf der Erde gibt. Es ist das strahlende Licht der höheren Seelenaspekte. … Jüdische mystische Schriften besagen, dass die Seele des Verstorbenen zu diesem Zeitpunkt ein Bad im Fluss des Lichtes nimmt. …

Es kann auch geschehen, dass der Sterbende mit einem kurzen Anblick der Allgegenwart Gottes gesegnet wird – des weiblichen Aspekts des Göttlichen (der Schechina).

Duma, Beschützer und Hüter der Seele, führt den Verblichenen dann fort.

Das Untere Paradies ist die Übergangsstufe zwischen Fegefeuer und dem Oberen Paradies. Alle, die nicht gleich ins Obere Paradies eintreten können, kommen in das untere; manche erst nach dem Fegefeuer-Aufenthalt. Ihnen wird ein Platz zugewiesen, der »ihren bisherigen Errungenschaften entspricht«. Der Aufenthalt ist nicht ewig und dient der Verfeinerung und Vervollkommnung. Alle kleiden sich in Gewänder, die den irdischen ähneln, aber feiner sind.

Wenn entscheidende Verbesserungen erreicht wurden, steht die Beförderung ins Obere Paradies an. Es gibt einen zweiten Lebensrückblick (und manche haben diesen Übertritt einen »zweiten Tod« genannt). Dort sind sie Gott nahe.

Im Oberen Paradies lässt jede Seele die Wünsche, Bindungen und Gefühle aus ihrem letzten Leben hinter sich und erfährt … die Freuden des Lebens und Meditierens über die Göttliche Harmonie und die Geheimnisse des Kosmos. 

Unterteilt ist das Obere Paradies in sieben Himmel. Auch andere haben gern den Himmel in sieben Ebenen unterteilt.

Das ist schon eine ziemlich hohe Ebene, die zunächst nur wenige erreichen werden. Manche schaffen es dann nach 100 Jahren unserer Zeit, andere nach tausend, aber freilich, eines Tages sollen alle dorthin kommen. Die jüdischen Mystiker behaupten ja, der Aufenthalt im Unteren sowie im Oberen Paradies sei nicht ewig; doch was kann nach dem Oberen Paradies kommen?

Die Verschmelzung mit Gott? Das wäre das, was viele Menschen heute nach diesem Leben erwarten: die Auslöschung. Doch es wäre anders. Es wäre, vielleicht nach 100.000 Jahren, ein Verschwinden im Ewigen und in der Leere, die die Fülle ist, und es wäre, als würde man eins mit dem/der Geliebten. Der letzte Orgasmus. Ein einziger Orgasmus.

 

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