Die ersten Benz(iner)
Ich gehöre ja, wie man weiß, zum Velo-Museum in Rehetobel im Schweizer Kanton Appenzell-Ausserrhoden. Viele Artikel darüber geschrieben. Wer alte Räder liebt, kann auch alten (richtig alten) Autos etwas abgewinnen. Vergessen wir nicht, dass Fahrrad und Automobil etwa im selben Jahr entstanden.
Da kann ich aus meinem Buch Radsport furios zitieren:
Sieben Jahre vor Carl Drais‘ Tod, 1844, kam in Mühlburg, das 1886 nach Karlsruhe eingemeindet wurde, ein weiterer berühmter Carl zur Welt: Carl Benz. Er schuf 1885 den »Benz Patent-Motorwagen Nummer 1«, der gemeinhin als das erste praxistaugliche Automobil gilt. Es war exakt das Jahr des ersten praxistauglichen Fahrrads, des »Rover Safety« von John Kemp Starley. Die beiden Erfinder der wichtigsten Fortbewegungsmittel der Erde stammten also aus Karlsruhe/Nordbaden ...
Vor ein paar Jahren ließ ich mich einmal auf einer Nachbildung des Motorwagen fotografieren, der in Mannheim steht, unweit des Wasserturms.
Vergangenen September hatte die Zeitschrift AUTO BILD KLASSIK eine tolle Geschichte: Das älteste deutsche Fahrzeug, das für den Straßenverkehr zugelassen ist, musste zum TÜV. Es war ein Benz Victoria Vis-à-vis, Erstzulassung 18. Juli 1894. (Eigentlich sagt man eine Victoria.) Das Fahrzeug ist also 131 Jahre alt, und an ihm ist alles original. Seit 2019 hat es eine Autonummer und muss zum TÜV. Der Besitzer ist Karl-Heinz Rehkopf, 88 Jahre alt, der in Einbeck das Oldtimer-Museum PS.Speicher gegründet hat. Unten sehen wir ihn mit seiner Victoria.
Und dann in der Rückansicht. Wiederum darunter ein Benz mit dem seltsamen Namen Velo (Schweizerisch: Fahrrad), von dem Carl Benz von 1894 bis 1900 1200 Exemplare fertigen ließ, also fast alle drei Tage eins.
Und da haben wir ein zu tretendes Dreirad. Die Verwandtschaft ist unverkennbar:
Ich dachte an mein Epos Das Jahrhundertrennen und dabei an den Besuch von Fahrradfreunden im Verkehrsmuseum Karlsruhe. Das muss noch rein!
In einem Saal mit abgeschabtem Boden, bescheint von Neonröhren,
gestützt von vielen Säulen, war wohl eine Fabrik, stehn rechts Automobile,
vorzüglich schwarz, die Fahrradfreunde auch betören.
Sie stehen dicht an dicht, es sind sehr viele:
Ein neuerer Mercedes-Benz, mit dem ein Bürgermeister fuhr einmal;
ein Opel Admiral, rot, bullig, sichtlich Vorkriegskleid;
das Modell T von Ford, gebaut fünfzehn Millionen Mal;
der BMW fünfhundertzwo, barocker Engel aus der Nachkriegszeit.
In einem Raum dahinter endlich Bilder, Transparente
Zum Fahrrad: Drais und seine Zeitgenossen, ein schönes NSU-Modell,
im Keller kleine Autos, drunter selbstverständlich eine Ente,
ein DKW F elf, der Auto Union tausend, Borgward Isabell‘,
der Messerschmitt Kabinenroller, und der Wankel, legendär.
Im ersten Stock das, worauf gewartet worden war:
das Laufrad des Herrn Drais. Zu fahren freilich schwer.
Da steht das Ding, mit Bildern schön erklärt, zum Anfassen. Wie wunderbar!
Danke an AUTO BILD KLASSIK für die Genehmigung, die Bilder verwenden zu dürfen. Der Artikel vom September 2025 heißt Mit 131 Jahren zum TÜV und wurde von Lars Busemann verfasst, die Fotos sind von Florian Spieker. Im Oktober erschien dann Dieser BENZ macht mobil, wieder von Lars Busemann – über den Velo.
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