Geister als Halluzinationen

Geister sind keine Halluzinationen. Dieses Wort zeigt Wahrnehmungen an, die nur aus unserem Gehirn kommen; doch Geister bestehen aus etwas, sind feinstofflich, man kann sie wahrnehmen. Tausende Medien haben das getan, und viel sehen auch heute noch Geister. Mit Halluzinationen will man nur etwas wegerklären. Einmal wollte ich das auch …

Erwähnen wir noch einmal meine Arbeit für den Deutschen und Österreichischen Alpenverein 1998: Halluzinationen und Grenzerfahrungen im Alpinismus. Das war sicher verdienstvoll, fürs Bergsteigen war das Paranormale bis dahin nicht existent. Von heute aus betrachtet habe ich jedoch versagt, bin ich zu skeptisch gewesen. Heute, da ich an Geister glaube, würde ich das anders schreiben. Es fing natürlich toll an, mit dem folgenden Abschnitt:

»Ein amerikanischer Bergsteiger, der gegen den Wind an einem trügerischen Hang im Himalaya ankämpfte, wurde plötzlich am Weitergehen gehindert – keine vier Meter von ihm entfernt stand der Barkeeper des berühmten »21 Club« in New York City, der fünf Jahre zuvor gestorben war.« Diese Sichtung soll sich in rund 4800 Metern Höhe zugetragen haben, und auf 5.300 Metern spielte sich Folgendes ab: »Ein britischer Bergsteiger stieß im Himalayagebirge unvermutet auf zwei Freunde aus seiner Schulzeit, die beide etwa ein Dutzend Jahre früher bei einem Autounfall ums Leben gekommen waren.« Beide Episoden stammen aus dem Fundus des britischen Arztes Griffith Pugh …

Pugh (1909-1994) begleitete die Everest-Expedition, die 1953 Edmund Hillary und Tensing Norgay zum Gipfel brachte. Ein Arzt! Die glauben nicht an Geister. Auch Hillary Evans (1929-2011), der Bücher über Erscheinungen geschrieben hat, war skeptisch. Da der Bergsteiger wusste, dass der Barmann tot war, »musste er sogleich wissen, dass er sich in der Gegenwart einer Halluzination befand«. Wie bitte? England hat eine 150-jährige Geschichte von Geistererscheinungen, und Hillary hat das so einfach abgetan. 1894 startete die 1882 gegründete Society for Psychical Research (S.P.R.) einen »Census of Hallucinations«, den sie so nannten, um zu vernebeln, dass sie Geistererscheinungen meinten, Von 17.000 Befragten sagten 10 Prozent, sie hätten eine »Halluzination« gehabt.

Ich war damals am Institut für Grenzgebiete der Psychologie in Freiburg, das Hans Bender gegründet hatte, und also im Griff der traditionellen Parapsychologie, die das Leben nach dem Tod ignorierte; so hatte man es bequemer.

Was hatte ich da noch geschrieben? Männer am Berg könnten »alles Mögliche« sehen, die Höhe mache sie verrückt. Nun, beliebig waren diese Wahrnehmungen ja nicht. Man hätte die Alpinisten fragen müssen, welche Beziehung sie zu diesen verstorbenen Personen hatten. Freilich hätten diese ihnen auch im Flachland erscheinen können, doch dort oben ist ihr Gehirn klar und frei, sie sind aufnahmebereit.

Heute würde ich also eher annehmen, dass die Verstorbenen ihnen tatsächlich erschienen, um ihnen zu sagen, dass es ihnen gut geht. Heute tut mir’s leid, dass ich diese Erlebnisse nicht richtig ernst genommen habe.

Ich weiß auch nicht, was eine Halluzination ist. Ich hatte nie eine. Was aus dem Geist auftaucht, hat immer eine gewisse Bedeutung. Ich denke, man weiß, was man gesehen hat. Es sind die anderen, die es einem ausreden wollen. Den Geistern ist es egal; sie haben es versucht.

 

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