Ein vergessener Völkermord
»Wenn hinten, weit, in der Türkei / ein Volk ein andres hat erschlagen« (wie man Goethe abwandeln könnte), dann bekam die Öffentlichkeit das nicht unbedingt mit, zumal wenn es 1864 und danach geschah: Als Russland unter dem Zar weitgehend die Tscherkessen vertrieb und auslöschte, die sich Adyge nennen. Sie lebten in den Bergen, im Kaukasus.
Heute will ich noch ein paar Sachen erwähnen, die mir am Herzen liegen; manchmal ist ein Tag für Vermischtes einfach gut.
Am heutigen 21. Mai gedenkt das Volk der Tscherkessen, das mehrheitlich in der Türkei und in Jordanien in der Diaspora lebt, des Massakers an ihren Vorfahren nach dem Jahr 1864 durch das zaristische Russland, das den Kaukasus von den indigenen Völkern »reinigen« wollte. Die Tscherkessen wurden von Generälen als »unmenschlicher Abfall« und »niedriges Volk« bezeichnet. Männer wurden aufgespießt, schwangeren Frauen die Bäuche aufgeschlitzt, andere nahm man zu medizinischen Experimenten her. Vermutlich starb eine Million Menschen, von ihnen eine halbe Million auf der Flucht: verhungert, ertrunken, an Erschöpfung zugrunde gegangen. Russland nannte das immer nur »Migration« und wollte hinterher genausowenig davon wissen wie die Türkei von ihrem Mord an einer Million Armenier. Als wäre es nicht passiert.
Warum beschäftige ich mich mit Völkermorden? – Man muss wissen, welche Greueltaten der Mensch an anderen Menschen verrichtet hat, jemand muss dessen gedenken und deswegen traurig sein, damit, wenn schon eine Million Menschen ausradiert wurde, nicht auch die Geschichte ausradiert wird. Die Tscherkessen nennen sich selbst Adyge. Sie haben eine eigene Sprache, sind Moslems und wurden abgeschlachtet und vertrieben, weil sie leider nicht Russen waren. Eine Art von völkischer Reinheit spukte da schon herum, 60 Jahre vor den Nazis. Ein Großrussland mit nur russischen Menschen!
Seit 5000 Jahren waren die Adyge im Kaukasus ansässig, Der Mord an dem Volk wurde totgeschwiegen. (Oben rechts: ein Fort im Kaukasus, Foto entstand zwischen 1890 und 1900. Dank an die Library of Congress, Washington D. C.)
Ab 1991 begann der Tschetschenien-Krieg. Dieses Volk lebt eher im Norden des Kaukasus und wehrte sich auch gegen die Einverleibung durch die Russen. Um 2000 endete auch der zweite Tschetschenien-Krieg. Wir wissen ja, was Putin will: die alte Groß-Sowjetunion. Nie wird er sie haben. Niemals!
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Meine Nichte Franziska gab mir das Buch Mieses Karma von David Safier, das 2009 erschien und ein riesiger Bestseller wurde. Ich habe es überflogen, hat ja am Rand mit meinem Thema zu tun (Reinkarnation), und es ist durchtränkt mit Ironie und Witz und natürlich gemünzt auf die auch heute noch herrschende Entertainment- und Wohlfühl-Gesellschaft. Doch der Schluss hat mir missfallen, auch wenn er völlig logisch ist: Er gibt das Credo dieser postmaterialistischen Gesellschaft wieder.
Die Heldin, eine Moderatorin (ihren Namen habe ich schon vergessen), stirbt überraschend und begegnet dem Licht, fühlt sich total wohl. Das hat der Autor von den TestpilotInnen. Am Ende inkarniert sie sich erneut, zuletzt in den dicklichen Körper einer netten, soeben gestorbenen Frau und erlebt eine Familie, noch dazu mit ihrem Traummann. Sie sind zusammen, sie drücken und umarmen sich, und nun wiederholt sie genau die erhebenden Worte der Begegnung mit dem Licht und folgert:
Fürs Nirwana braucht man kein Nirwana!
Auf Deutsch: Diese Welt spendet ausreichend Glück, sie genügt uns, wir brauchen kein anderes Leben. Ja, wir sind in dieser Welt und zufrieden. Die andere Welt kommt später. Doch wenn die TestpilotInnen einhellig beschwören, dass es für jenes Glück keine Worte gibt, dass dort Liebe herrscht, die Millionen Mal stärker ist als die hier, dann müssen wir das glauben (und können uns freuen). Ein Drehbuchautor kann dies alles freilich verhöhnen und unsere Welt preisen, in der dauernd Beziehungen scheitern und Männer ihre Frauen schlagen, es ändert nichts daran, dass es jene andere Welt gibt. Sie ist unsere Hoffnung.
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Golden Age of Gaia ist eine US-amerikanische Esoterik-Seite, in der Steve Beckow viel schreibt. Das sieht gut aus: Es sind Leute, die vom Erwachen reden, von Erleuchtung, von Hoffnung, Vertrauen, Liebe, von unserem multidimensionalen Zuschnitt, und es gibt sogar ein monatliches Treffen unter dem Thema Spirit Book! Mir wird das manchmal zuviel, dieses Erleuchtungs-Gesülze, aber wirklich entsetzt war ich, als ich begriff, dass diese Leute Präsident Trump verehren! Die Posts von Steve Beckow lassen daran keinen Zweifel. Es gab bei uns ja immer Diskussionen über Esoterik mit rechter Schlagseite, das gibt es, aber dass Leute mit hehren Zielen für Trump sind, das ist der Hammer.
Wer von Vertrauen und Liebe schwatzt, ist auf der falschen Route, wenn er einen Präsidenten schätzt, der kaltblütig Millionenhilfen für hungernde Kinder stoppt und bald darauf ein paar Milliarden an Bomben über ein Land regnen lässt, deren Bevölkerung er zunächst versprach, ihr zu Hilfe zu kommen (und es dann nicht tat). Der sich selber bereichert und seinen Namen überall lesen will. Links oben sehen wir das Logo, unter dem man für die Seite spenden kann. So gut gemacht ist das.
Doch es gibt auch Fundamental-Christen, die Trump toll finden, und solche Leute können noch so viel von Erleuchtung reden: Sie hätten sie am nötigsten, ohne es zu wissen. Sie sind himmelweit davon entfernt.
Ō Ō
Und der SC Freiburg? Ist gestern abgeschifft. Und es war in Ordnung. Die Freiburger haben ihre Grenzen aufgezeigt bekommen. Ihnen gegenüber stand eine Klassemannschaft, und wenn deren Helden eine halbe Million im Jahr verdienen, darf man erwarten, dass sie sich so eiskalt durchtanken und draufhalten und den Sack zumachen wie gestern Abend in Istanbul. .
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