Ghost Dog – Der Weg des Samurai
Nach Dead Man ging ich gleich zu Ghost Dog über, vom selben Regisseur 4 Jahre später gedreht. Ganz anders und gleichfalls unter die Haut gehend. Jarmusch interessiert sich für so vieles (damals, 1999, war es die japanische Philosophie und der Samurai) und lässt das in seine Filme einfließen, die »Collagen von Ideen« werden, wie er selber sagte. Herrlich.
Jarmusch, unglaublich. Ein Youtube-Kommentator schrieb zu dem Film und über den Regisseur: »Hätte er nur Ghost Dog gemacht, wäre er schon legendär.« Für Dead Man gewann er Neil Young, bei Ghost Dog hatte er sich für den Rap begeistert, und RZA vom Wu-Tang Clan lieferte den Soundtrack: Hip hop von der Ostküste, der in den Szenen bildlich ausgedrückt wird, durch Zeitlupe und Brüche. Den Schauspieler Forest Whitaker traf Jarmusch einmal irgendwo auf einem Parkplatz, und jener sagte, wenn er mal ein Projekt habe, er wäre dabei.
Das setzte sich fest, und seine Planung begann um Whitaker zu kreisen, der dann oben auf einem Dach mit seinen Brieftauben lebt und, dunkel gekleidet und mit dem Aktenkoffer in der Hand, mit langen Schritten zu seinen Einsätzen in New York geht. Ghost Dog ist ein Auftragskiller; er dringt geräuschlos ein, arbeitet mit Schalldämpfer, mit eiskalter Präzision, und dann verschwindet er. Niemand weiß, wie er aussieht. Kontakt zu ihm: über Brieftauben.
Es geht natürlich um den Tod. Wie bei Dead Man wird die Hauptfigur den Film nicht überleben. Ghost Dog liest gleich zu Anfang im Hagakure, einem Samurai-Leitfaden von Jōchō Yamamoto (1659-1716). Als erstes liest er:
Ich habe entdeckt, dass der Weg des Samurai der Tod ist. Eine Aufgabe von Leben und Tod wird erledigt, auf ganz einfache Art, indem man den schnellen Tod wählt. Daran ist nichts Kompliziertes. … Um ein perfekter Samurai zu sein, ist es nötig, sich vom Morgen bis zum Abend auf den Tod vorzubereiten, Jahr über Jahr.
Ich sah den Film auf Youtube am Karfreitag, und am Mittag zog ich spielerisch eine Tarot-Karte, und es kam die schlimmste: Nummer 13, der Tod. Vielleicht war der Tod Jesu Christi gemeint, vielleicht auch dieser Film, und ich hoffe nicht, dass er etwas anderes bedeutete. Danach packte ich die Karten gleich wieder weg: Ich will nicht wissen, was an Üblem auf mich wartet.
Ghost Dog hat einen Mafia-Mann erschossen, einen Freund der Führungsriege. (Dessen Tochter liest »Rashomon« von Akutagawa. Alles hat Jim da reingepackt.) Nun wird er gejagt. Zwischen den Parteien steht Louie (John Tormey), der, wie Ghost Dog meint, ihm einmal das Leben gerettet hat. Infolgedessen ist er sein Daimyo, also der Gebieter des Samurai, dem seine lebenslange Treue gilt. Das ist die Nibelungentreue der Japaner. 12 Mal bekommen wir Auszüge aus dem Samurai-Buch vorgelegt und vorgelesen.
Toll, wie der Killer in ein Anwesen eindringt und fast mit Eleganz acht Leute umbringt, doch die organisierte Kriminalität ist unüberwindlich, viele Hunde sind des Hasen Tod. Ghost Dog ahnt das und beschenkt seine einzigen zwei Freunde. Der Eismann bekommt Geld und die Waffen, ein kleines Mädchen das Buch Hagakure. – Dann geht er fatalistisch dem Untergang entgegen.
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