Das dritte Licht

Vor ein paar Jahren schon las ich das Buch Das dritte Licht von Claire Keegan, das erstmals 2010 erschien. 2022 gab es eine Neubearbeitung. Nun fand ich eine schwedische Ausgabe (Det tredje ljuset) und wollte endlich darüber schreiben. Hier ist mal der deutsche (und schwedische) Titel besser als der originale, Foster, und das erklären wir gleich.

Ein Foster-child ist ein Kind, das bei Pflegeeltern aufwachsen muss. So geht es der Erzählerin, die im Sommer 1981, 6-jährig, von ihren Eltern zu dem Ehepaar John und Edna Kinsella gebracht wird. Ihre eigene Mutter erwartet wieder einmal ein Kind, die Kleine stört und soll den Sommer an der Küste verbringen. Dort, bei den Kinsellas, erfährt die Kleine endlich Geborgenheit und Wärme. Den Inhalt mit allen Details erzählt uns Wikipedia.

Doch ein Faktum müssen wir noch wissen, bevor wir zur Schlüsselstelle am Ende des 5. Kapitels kommen. Die kleine Irin erfährt durch Mildred, eine schwatzhafte Nachbarin, dass der kleine Sohn der Kinsellas gestorben ist. Er rannte dem Hund nach und ertrank in der Jauchegrube. Vater John macht nun mit dem Mädchen einen Ausflug zur Küste. Er nimmt es bei der Hand, sie folgen einem Weg, Wind kommt auf und am Himmel erscheinen Lichter. Dann stehen sie vor dem Meer. Ich übersetze das mal aus dem Schwedischen:

»Schau, da sind nun drei Lichter draußen, doch vorher waren es nur zwei.«
Ich schaute hinaus übers Meer. Dort draußen blinkten die zwei Lichter, während jetzt ein weiteres hinzukam, ein stetiges Licht, das genauso hell strahlte. 
»Kannst du es sehen?« fragte er. 
»Ich sehe«, sagte ich. »Da sind sie.«
Und dann legte er seinen Arm um mich und drückte mich an sich, als wäre ich sein Kind. 

Wunderschön ist das. Ein Zeichen seines verstorbenen Sohnes; oder, wenn wir das für unwahrscheinlich halten, ein symbolisches Bild. Zwei blinkende Lichter für die beiden Lebenden und ein stetiges für den, der zuschaut, der alles billigt. Die Kleine gehört nunmehr zu den Kinsellas, ist ihr wahres Kind, kein Pflegekind mehr, doch am Ende holt sie der Vater wieder, und sie wendet sich an John Kinsella und ruft ihm zu: »Daddy!«

Die paar Rezensionen, die man lesen kann, gehen leicht über diese Stelle hinweg, denn würde man darüber schreiben wollen, geriete man in trübe Gewässer, also gibt man einen lässigen Überblick: Kind erfährt endlich Liebe und wird verwandelt. Doch auch die Kinsellas erfahren Trost, und solche Zeichen hat es immer gegeben. – Einmal war ich am Todestag meines Schwagers Leopold am Baumarkt, und ein doppelter Regenbogen erschien, der kam von ihm. Es ist möglich. Vieles ist möglich.

 

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