Endstand: 2.302.605 Kilometer
Eine unglaubliche Menge Kilometer mit dem Fahrrad ist das, mehr als 2 Millionen, aber mehr werden es leider nicht, – denn der italienische »Rekordman» Giovanni Giaccone aus Cuneo ist vor drei Tagen gestorben, 89 Jahre alt. Mi dispiace, Armando (Basile)! Du hast knapp 1,6 Millionen, aber Giaccone fuhr mehr und liegt nun schier uneinholbar vorn.
Ich erfuhr es auf Instagram und checkte es nach. Die Turiner Zeitung La Stampa hatte vorgestern einen Nachruf (von Matteo Borgetto) zu Giaccone. 1951 bekam er als 14-Jähriger sein erstes Rad, und in den 75 Jahren seither sind die über zwei Millionen zusammengekommen, und er hat alle minutiös aufgezeichnet, kein Wunder, Mathematikdozent, der er war. Das macht Armando auch, seit 50 Jahren. Italiener können präzise sein, und da gibt es sogar besessene Bürokraten.

Ein schönes Bild. Es war zu knapp. ich konnte nicht lang um Genehmigung bitten; ecco Giovanni, ilprofessore!
La Stampa schrieb, die letzten 3 Kilometer fuhr er am 27. Februar zum Krankenhaus, wo bei ihm ein Tumor diagnostiziert wurde, der ihn nach 2 Monaten dahinraffte. Gestern war um 10 Uhr Giaccones Bestattung. Die Zeitung kann sich auch für Zahlen begeistern: 40 Jahre lang (von 1982 bis 2922) fuhr der Herr Professor jeweils 40.000 Kilometer im Jahr, in 22 Jahren hatte er am Ende sogar mehr als 50.000 abgeradelt. Bestes Jahr: 2007 mit 59.180 Kilometern.
Da war er 70. Das werde ich nächstes Jahr. Und 4 Tage vorher wird Armando 80, und – noch einmal tut es uns leid – seinen Landsmann zu übertreffen wird fast unmöglich. Führe Basile weiterhin 40.000 im Jahr, müsste er schon 100 werden, um Giaccone zu schlagen. Doch halten wir fest: Zwei Italiener liegen ganz vorn (Rechts: Facebook über G. Giaccone)! Viva la bici, viva l’Italia!
Im Mai 2005 legte Giovanni Giaccone 6.047 Kilometer zurück, also im Durchschnitt 160 am Tag. Mit seiner Frau bereiste er natürlich ganz Italien und europäische Hauptstädte. Von 1989 bis 2006 saß er 6.086 Tage hintereinander auf seinem Rad, einem Colnago. Gern beteiligte er sich an den Randonnées, bei denen man auch in der Nacht fährt.
Ein Spruch von ihm:
Ich werde auch mal müde, aber nur, wenn ich stillsitze.
Alle kannten den radelnden Professor in Cuneo, das 55.000 Einwohner aufweist und 100 Kilometer südwestlich von Turin liegt, nicht weit vom Meer und nicht weit von der Grenze zu Frankreich. Am Höheren Institut für das Ingenieurwesen war er 30 Jahre lang Professor, bis zu seiner Pensionierung 2004. Signor Giaccone hat auch 7 Bücher geschrieben, darunter eins über bewussten Biergenuss (Dandismo alcolico), das freut den Bayern. Man bräuchte ein Monument für ihn.– Kannte Armando Giovanni? Unser in Heitersheim lebender Freund wird darüber hinwegkommen, er ist ein Held, und wir bewundern ihn.
∇ Ο
Noch ein Einwurf: Mein Freund Romano aus Rom war kürzlich in den Abruzzen, am Blockhaus. Das ist einer der härtesten Anstiege im Mittelitalien und stellt sogar Ätna, Stilfser Joch und Zoncolan in den Schatten. 13,8 Kilometer ist der Anstieg lang bis zum Gipfel (2100 m), und am Ende beträgt die Steigung 14 bis 16 Prozent. Den Namen erdachte ein österreichischer Kommandeur, der im 19. Jahrhundert von einem Fort aus mit italienischen Soldaten räuberische Banden bekämpfte.
Eddy Merckx gewann dort oben 1967 im Giro d’Italia seine erste große Etappe, 1972 war José Manuel Fuentes als Erster oben und 2017 Nairo Quintana. Dieses Jahr war der Blockhaus wieder Endpunkt einer Etappe: der siebten am 15. Mai. Jonas Vingegaard siegte. Bei den Frauen zeigte sich die Australierin Neve Bradbury 2024 siegreich, und auch die Italienerin Elisa Longo Borghini war Blockhaus-Siegerin.
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