Tschechow und Badenweiler

Heute vor vielen Jahren starb in dem südwestlichen Kurort Badenweiler der Dichter und Arzt Anton Pawlowitsch Tschechow, der bei manipogo schon oft erwähnt wurde. Es war das Jahr 1904. Tschechow war lungenkrank, damals gab es kein Mittel dagegen, und so reiste er in den damals bekannten Ort, trank ein Glas Champagner und starb, 44 Jahre alt.

Im Tschechow-Salon am Anton-Tschechow-Platz können wir nachlesen, dass es kurz nach Mitternacht war, als Tschechow nach einem Arzt verlangte. Der Doktor ließ ein Glas Champagner bringen. Seine Frau Olga Knipper erinnerte sich:

Anton Pawlowitsch setzte sich auf und sagte irgendwie bedeutungsvoll laut zu dem Arzt auf deutsch (er konnte nur sehr wenig Deutsch!): »Ich sterbe …« Dann nahm er das Glas, wandte sich zu mir, sagte: »Ich habe schon lang keinen Champagner mehr getrunken …«, trank in aller Ruhe aus, legte sich still auf die linke Seite und war bald für immer verstummt.

Da oben, wo eine Plakette hängt, war sein Zimmer: das im ersten Stock, mit Balkon.

 

Daneben ist nun der Tschechow-Salon, das Museum für den großen russischen Dramatiker.

 

Gegenüber: die Thermen, die auf römische Traditionen basieren. Gebaut kurz nach Tschechows Tod.

 

Im Salon das berühmte Porträt von ihm mit dem unvermeidlichen Zwicker. Darüber steht, was auf dem Bild schwer zu lesen ist:

Die Medizin ist meine gesetzliche Ehefrau, die Literatur meine Geliebte. Wenn mir die eine auf die Nerven geht, nächtige ich bei der anderen. 

 

 

Über Badenweiler schrieb er:

Badenweiler ist ein sehr origineller Kurort, aber worin seine Originalität besteht, ist mir noch nicht klargeworden. Eine Menge Grün, der Eindruck warm, die Häuschen und Hotels, die als Villen im Grünen stehen. Ich wohne in einer kleinen Villen-Pension, mit viel Sonne (bis 7 Uhr abends) und einem großartigen Garten, wir zahlen 16 Mark für beide (Zimmer, Mittagessen, Abendessen, Kaffee). Wir werden gewissenhaft verpflegt, sehr sogar. Aber ich kann mir vorstellen, welche Langeweile hier im allgemeinen herrscht! 

Das konnte er sich gut vorstellen, denn Anton Pawlowitsch war ein Meister der gepflegten Langeweile. In vielen seiner Stücke (Die Möwe, Drei Schwestern, Onkel Wanja, Der Kirschgarten) verbringen die Protagonisten Wochen im Sommerurlaub und tauschen sich aus, da passiert nicht viel, Liebeleien und Eifersüchteleien stellen sich ein, aber Tschechows Stil ist kurzweilig und knapp, man fühlt sich blendend unterhalten. Sommergäste wäre ein guter Überbegriff, doch den Titel hat ihm Gorki weggenommen. Mir hat Tschechow  wieder Lust auf die russische Sprache gemacht. (Rechts: im Eingang zum Salon die Plastik eines russischen Bildhauers, den Dichter darstellend.)

Da kann man nur noch sagen: Tschechow lesen! Und besser: seine Stücke anschauen!

 

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