Traum über Sohrab
So heißt der Film aus dem Jahr 2021, gedreht von Ali Ghavitan, dessen Filme ich liebe: Dream About Sohrab. (Auf Youtube Persisch mit englischen Untertiteln.) Da hat jemand über ihn oder von ihm geträumt, von Sohrab, und was herauskam, ist eine Art Traum über ihn, Sohrab Sepehri (1923-1980), den bekannten persischen Lyriker und Maler.
Vermutlich zählen in Iran die Dichter der Vergangenheit noch etwas. Bei manipogo schrieben wir ja schon über Farogh Farrochzad, und legendär geworden sind Hafis (1320-1390) und Rumi (1207-1273). In Deutschland ist das anders. Die meisten könnten nicht einmal fünf Gedichtautoren aufzählen.
Ghavitan meinte, er werde öfter mit Sepehri verwechselt, da gebe es eine Ähnlichkeit und darum plante er den Film. Es geht darin um den Film, der entsteht, und der Regisseur tritt auf als er selbst. Wird es weitergehen? Ghavitan fährt in die Stadt Kashan, in der Sohrab aufwuchs, unterhält sich mit seinem Lehrer, und dann sehen wir den kleinen Jungen, der Sohrab einmal war, und dann ist Ghavitan plötzlich Sohrab selbst, der malt und nachdenkt. In vielen seiner Filme tritt der Regisseur selber auf, entweder als Lehrer oder eben nur als einer, der in der Landschaft sitzt und malt. Finde ich sympathisch. Der Film muss immer mit ihm zu tun haben. Nanni Moretti aus Rom ist auch so ein leicht egozentrischer Filmregisseur.
Sayeh liebt ihn (Sohrab), doch er hält sie fern. Sie möge ihn vergessen, sagt er, denn er habe nicht mehr viel Zeit. Wir erfahren gar nicht viel über Sohrab Sepehris Leben, wir hören ein paar Anekdoten, aber viele Verse werden uns aus dem Off zitiert:
Eine grüne Allee, die grüner ist als der Traum von Gott. Und darin ist Liebe, so viel Liebe wie die Federn der Ehrlichkeit.
Am Anfang des Films tanzt eine kleine Feder auf den Wellen eines Bachs. Später fiel mir erst ein, dass die Feder im ägyptischen Imperium wichtig war: Maat, die Göttin der Gerechtigkeit, wog das Herz des Verstorbenen gegen eine Feder ab.
Es ist ein sehr poetischer Film, und gesprochen wird nicht viel. Die auftretenden Frauen sind immer schlecht gelaunt, und Ghavitan muss sie fragen, was mit ihnen ist, was los ist? Eine Frau will ihm ein Tagebuch vorlegen, die andere fühlt sich vernachlässigt … und da denken wir an den Lehrer in dem Film über die Drachen, der mit seiner süßen Kollegin nicht zusammenkommt.
Ich merke das ja nur, weil das mein Problem ist. Da ging es manchen Autoren ähnlich, und so scheitert Kommissar Montalbano immer an der Liebe, und Ghavitan schickt die Frauen fort, die etwas von ihm wollen. Sohrab Sepehri ist immer da und doch sehr weit entfernt. Doch hört man seine Verse, wird man augenblicklich fortgetragen aus der Welt der Logik und der Realität, fortgetragen wie eine Feder durch leichten Wind.
Verwandte Artikel:
Maat oder Wahrheit und Gerechtigkeit – Farogh Farrochzad – Flug von Drachen – Drei iranische Filme
