Drei iranische Filme

Wir müssen abwarten. Wenn sich das Mullah-Regime halten kann, werden seine Tage gezählt sein. Sein brutales Vorgehen wird nicht vergessen werden. Iran, das frühere Persien, hat eine eigene Vorgeschichte mit dem Zoroastrismus (und dem guten Gott Ahura Mazda) und ein blühendes Geistesleben. Iranische Filme sind wunderbar.

Darum will ich kurz 3 Filme vorstellen, die ich kürzlich auf Youtube gesehen habe. Die Regisseure sind nicht mehr jung, es sind erfahrene sensible Künstler. Besonders bewegt hat mich der Film White Bridge von Ali Ghavitan (2017), dessen Flug von Drachen ich bereits begeistert besprochen habe (Link unten). Wie damals wirkt der Regisseur selber mit; er spielt den Lehrer Mr Bahrami (die Duplizität der Namen! So heißt auch ein Regisseur, der ganz unten erwähnt wird). Bei Ali Ghavitan wird immer viel Fahrrad gefahren; unten die Mutter mit ihrem Kind.

Von der Seite Persia Film Distribution. Danke!

Die kleine entzückende Bahareh hat nach einem Unfall mit nachfolgendem Koma Probleme beim Gehen, ist aber intelligent. Die Mutter möchte die Kleine in der normalen Schule unterbringen, doch die Lehrer beharren auf den Besuch einer Sonderschule. An einer Brücke, unter der ein versandeter Flusslauf zu sehen ist, sagt die verantwortliche Lehrerin: »Du schaffst es, wenn das Wasser unten wieder fließt.« Das wird für Bahareh zum Orakel: Stundenlang sitzt sie auf der Brücke und hofft. Wird sich das Wasser wieder einstellen und in den Fluss fließen? Dann könnte Bahareh Hoffnung schöpfen und am Test für die Schule teilnehmen.

Jemand bemerkte, dass in iranischen Filmen oft Kinder vorkommen. Auch in den beiden anderen Filmen treten viele Kinder auf. The Deserted Station ist von 2002, und gedreht hat ihn Ali Raza Raissian, ein schon 70-jähriger Regisseur. (Alle 3 Filme gibt es mit englischen Untertiteln. Hier der Film, der uns gerade interessiert) Ein Ehepaar fährt mit dem Jeep in Richtung Meschhed, um ein wenig zu beten, denn die junge Frau hatte bereits zwei Fehlgeburten. Sie ist sich gar nicht sicher, ob es einmal klappen wird.

Der Jeep bleibt in der Wüste stehen. Zum Glück finden sie eine kleine Siedlung mit Frauen, einem Dutzend kleinen Kindern und Lehrer Feizollah. Die junge Frau (Leila Hatami) ist Lehrerin und betreut die Kinder, während deren Lehrer das Auto repariert. Am Ende des Tages geht es weiter, und die Kinder rennen dem Auto unermüdlich nach. Sie sind der Frau ans Herz gewachsen.

Song of Sparrows ist 2009 unter der Leitung von Majid Majidi entstanden (geboren im April 1959). Der berühmte iranische Schauspieler Reza Naji (heute 83 Jahre alt) verkörpert einen etwas jähzornigen Vater, der jedoch seine Familie liebt und alles für sie tut. Der Film spielt in der Stadt, der Vater fährt mit dem Kleinmotorrad Waren aus und ist immerzu tätig. Ein kleiner Unfall wirft ihn nur vorübergehend aus der Bahn; doch gute Freunde helfen. Es ist ein Mutmacher-Film.

Vor allem tauchen keine religiösen Gestalten oder Soldaten auf. Es sind Filme über Einzelschicksale in diesem riesigen Land, in dem 90 Millionen Menschen leben. Doch das Regime ist im Hintergrund immer präsent. Jafar Pahani sagte Martin Scorsese, 50 Prozent der Energie werde dafür benötigt, einen Weg zu finden, um die Zensur und die Verbote zu umgehen. Als ihm ein Film verboten wurde, drehte er ihn trotzdem und gab ihm den Titel Dies ist kein Film.

Ähnliche Schwierigkeiten haben auch Regisseure im Nachbarland Irak. Halten wir aber fest, dass Persiens Kino eine besondere Stellung innehat. Abbas Kiarostami war ein berühmter Mann (Panahi war sein Assistent), und Mohsen Makhmalbaf hat sich auch einen Namen gemacht. Die Seite Persia Film Distribution nennt neben White Bridge noch 40 weitere gute Filme. Da gibt’s für den Restwinter noch viel zu tun!

Allerdings sieht man da nur Trailer, wie ich bemerken musste. Einen, Wastetown von Ahmad Bahrami, versuchte ich auf Youtube, doch er hatte keine Untertitel. Dann wählte ich Wasteland vom selben Regisseur, in Schwarz-Weiß, angesiedelt in einer Ziegelei in der Wüste. Gott, wie traurig! Hat mich an den italienischen Neorealismus erinnert. Elementar. So erfindet sich Kino immer neu, und persische Filme tragen dazu bei.

 

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