Über die Propheten
Ich las die Bücher der alttestamentarischen Propheten quer und hatte neue Gedanken dazu. Mal sehen, ob ich mich verständlich machen kann. Manche Themen muss man immer neu durchdenken, um zu neuen Schlüssen zu kommen.
Hanna im Pflegeheim hatte ihren 90. Geburtstag, und im Alten Testament kommt eine Hanna im ersten Samuel-Buch vor. Sie schenkt ihrem Mann Elkana endlich einen Sohn, doch hat sie gelobt, ihn Jahwe zu weihen. Das ist Samuel, der Richter wird und Israel zum Königtum macht. Er salbt Saul.
Saul glaubte, was Samuel ihm weitergab von Gott. Auch die anderen Propheten wie Jeremia, Jesaja, Baruch, Habakuk und Elia galten als Sprachrohre Gottes, sie drohten und warnten und ließen Donnerworte los. Die Propheten und die Könige hingen zusammen; die ersteren waren irgendwie als Boten Gottes legitimiert, und wenn sie den König berieten, war der auch legitimiert, durch Gott. (Rechts: Samuel und Saul. Von Wikimedia Commons.)
Schon die Priester und die Pharaos im alten Ägypten arbeiteten zusammen und auch die Klöster und der Adel im Mittelalter. Das halten wir fest.
Samuel sagt Saul, er solle die Amalektiter vernichten: Frauen und Kinder auch und das Vieh. Saul verstößt dagegen: Er nimmt ein paar Rinder mit (nicht etwa Kinder!). Immer wieder hören wir
von den Propheten furchtbare Drohungen, der Grimm des Herrn ist anscheinend grenzenlos. Doch dann will Er Sodom und Gomorrha retten, wenn nur 10 Gerechte darin wohnen (doch die fand man dann nicht, nur Lot und seine Familie kamen davon), und vor Jona sagt er, dass er Mitleid mit den 120.000 Menschen in einer verfluchten Stadt habe. Und man liest, dass es den Herrn »reute«, was er getan hatte. (Oben links: die Vernichtung von Sodom und Gomorrah, 1680, von Jacob van der Wet d. Ä., 1610-1691)
Kein Wunder, dass Carl Gustav Jung sich über das Gottesbild im Alten Testament Gedanken machte. In seinem Buch Antwort an Hiob schreibt er davon. Es ist, als habe dieser Gott eine bipolare Störung oder als wäre er eine Borderline-Gestalt. Jedenfalls ist er eine menschliche Schöpfung. Wie oft musste Gottes Wille dafür herhalten, unsägliche Dinge zu begründen. »Gott will es!« rief der Papst um 1099 und rief zum Kreuzzug auf. Man durfte ungestraft alle abschlachten.
Wer weiß, was die Propheten empfingen? Von Medien weiß man, dass sich manchmal ihr Unbewusstes einmischt und die Botschaften verzerrt, und bei den Propheten spielte wohl auch eine Rolle, was die Empfänger hören wollten. Sie hören ja nur, was sie hören wollen. Als ein Prophet sagt, die Israeliten sollten nicht nach Ägypten auswandern, erwiderten die Stammesführer: »Es ist erlogen!« Und zogen los.
Saul wird bestraft, aber König David kommt davon. Er holt die Frau des Urija zu sich und weist seine Leute an, im folgenden Feldzug Urija an die vorderste Front zu schicken, wo er prompt stirbt. Und David wird verziehen. Das Buch haben ja Männer geschrieben; zudem steht anscheinend der, der dem Herrn wohlgefällig ist, über dem Gesetz. Der Herr ist unberechenbar. (Bild unten: Bethscheba. Von Jean-Léon Gerôme, 1889, Sotheby’s.)
Noch ein Detail: Manchmal liest man, dass die Israeliten um 700 vor Christus warnten, ihre Männer sollten keine »fremden Frauen« heiraten. Mischehen wurden kritisiert. Das Volk sollte rein bleiben. Und da faselte ein jähzorniger Volksführer vor 100 Jahren von den Ariern, die eigentlich Vorfahren der späteren Perser waren und sprach vom Volkskörper, vom reinen Blut und Boden. Und dieser böse Gott namens Hitler wollte alle Juden vernichtet wissen, auch Frauen und Kinder, ausnahmslos alle. Anscheinend sollte das deutsche Volk zum auserwählten Volk werden.
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