Blanche kehrte zurück
Nach dem gestrigen Beitrag möchten wir nun gern ein paar Beispiele hören. Ich habe auf die Schnelle 3 gefunden, wogegen Professor Ian Stevenson (1908-2007) in seinen Büchern Hunderte dokumentierte, allerdings nicht viele in Europa, die meisten in Indien. Nun unsere schönen 3 Fälle.
Witzig, bei Wolfgang im Sulzburger Bio-Laden schaute mich von einem Regal herunter das Buch Orte von Marie Luise Kaschnitz (1901-1974) an, und ich erwarb es. Scheint ihr letztes Buch gewesen sein; die Autorin wurde oben in Bollschweil mit ihrem Mann bestattet, nur 15 Kilometer von hier. Ich begann zu lesen, und schon die erste Seite war es! (Später fand ich bei manipogo etwas über sie: Dass die Kaschnitz außerkörperliche Reisen unternahm, wie sie in ihrer Autobiografie so nebenbei erzählte. Hierzu »Die Somnambule«, Links unten) Nun ihr Text:
Oder Orte, nie gesehene, zum Beispiel Stockholm oder Aden am Roten Meer oder Samarkand. Man hat da keine Erinnerungen und doch etwas vor Augen, in Aden zum Beispiel lauter Öltürme, Ölschiffe, Asphalt in furchtbarer Hitze schmelzend, Wüstenhügel, aber nichts vom malerischen Orient, und die Freudenschiffe, die Vergnügungsschiffe, fahren alle vorbei. Ich sehe mich da, wie ich in einem traurigen heißen Büro Zahlen schreibe, endlose Kolonnen, oder an einem Blechtischchen sitze und trinke, und die Stunden, die Tage, die Wochen wollen nicht vergehen: wie ich dorthin gekommen bin, wie ich überhaupt zu diesem Beruf und diesem einsamen verzweifelten Trinken gekommen bin, weiß ich nicht. Auch in anderen mir unbekannten Städten führe ich fremde seltsame Existenzen, von denen ich nicht loskommen kann. (…)
∑ Ζ
Die nächsten beiden Beispiele stammen aus dem Kapitel Geschichten über Erinnerungen an vergangene Leben in dem amerikanischen Sammelband Reincarnation: The Phoenix Fire Mystery (1977).
Der britische Psychiater Arthur Guirdham traf 1961 im Krankenhaus von Bath eine Frau, die angab, von Albträumen gequält zu werden. Sie schrieb auf, was ihr in den Sinn kam, und der Psychiater studierte alles. Ein Professor aus Toulouse hielt es für eine genaue Beschreibung des Lebens der Katharer, einer Sekte im 12. Jahrhundert in Südfrankreich, die von der Kirche in den Jahren von 1209 bis 1229 ausgelöscht wurde. Der Papst hatte es befohlen.

Vertreibung der Katharer. Vielleicht das einzige Bild darüber; die Kirche wollte ihre Grausamkeit sicher nicht abgebildet wissen.
Guirdham:
Sie erzählte mir auch vom Massaker an den Katharern. In allen Details schilderte sie, wie es war, am Pfahl verbrannt zu werden. … Ich war wie vom Donner gerührt. Ich hatte nie an Reinkarnation gedacht, nie daran geglaubt oder nicht geglaubt. Sie sagte auch, sie sei in ihrem früheren Leben in der Krypta einer Kirche gefangengehalten worden.
Das hatten Experten bezweifelt, doch weitere Forschungen ergaben, dass die Gefängnisse damals nicht ausgereicht hatten, alle Katharer zu fassen, also steckte man sie in diese unterirdischen Kirchenräume unterhalb des Altars. Guirdham weiter:
1967 beschloss ich, der Sache in Südfrankreich nachzugehen. Ich las die Manuskripte aus dem 13. Jahrhundert. Diese alten Manuskripte – einsehbar nur für Wissenschaftler mit besonderer Genehmigung – zeigten, dass der Bericht der Frau akkurat war. Sie gab mir Namen und Beschreibungen von Leuten, Orten und Ereignissen, und alles stellte ich als zutreffend heraus, bis in die kleinste Einzelheit.
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Fall 3 erinnerte mich an einen anderen, in dem auch ein Kind der Mutter im Traum sein Kommen demnächst ankündigte. (Das war wohl in dem Beitrag »Sah ein Licht und kam her!«. Link unten). Reverend Leslie Weatherhead, der 3 Jahrzehnte eine Freikirche in London leitete, sprach darüber 1957.
Der italienische Hauptmann Battista und seine Frau hatten eine kleine Tochter, die in Rom zur Welt gekommen war. Sie nannten sie Blanche und stellten für sie als Kindermädchen Marie aus der Schweiz an, die ihr gern ein bekanntes französisches Schlaflied vorsang. Dann starb Blanche, und Marie verließ das Haus. Drei Jahre später war Signora Battista wieder schwanger. Im vierten Monat ihrer Schwangerschaft spürte sie plötzlich Blanche bei sich. Die Frau war völlig wach, als sie die Stimme ihrer verstorbenen Tochter hörte: »Mamma, ich komme zurück!«
Im Februar 1906 kam das Baby zur Welt und wurde auch Blanche getauft. Die neue Blanche glich der alten in jeder denkbaren Weise. Dann, als das Kind 6 Jahre alt war (9 Jahre nach dem Tod der ersten Blanche), hörte Battista etwas:
Als ich mich mit meinem Frau im Arbeitszimmer aufhielt, das an unser Schlafzimmer grenzt, hörten wir beide wie ein Echo das berühmte Schlaflied, und die Stimme kam aus dem Schlafzimmer … Wir fanden unser Kind im Bett sitzend vor, und es sang mit schönem französischen Akzent das Lied, das keiner von uns ihr beigebracht hatte.
Es sei ein französisches Lied, sagte Blanche, und es sei einfach aus ihrem Kopf gekommen. Der Hauptmann schloss: »Es sieht so aus, als sei es unter gewissen Umständen den Toten erlaubt, in einem anderen Körper diese Welt erneut zu besuchen.«
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