Flugverkehr (32): der Wunderpilot

Richard Bach fliegt gern, seit Jahrzehnten, und als er im Sommer 2012 abstürzte, schrieb er hinterher gleich ein Buch darüber. Fliegen ist seine Leidenschaft, daher die Geschichte um die Möwe Jonathan und Illusionen, wo er, wie geschildert, den Messias Don Shimoda trifft, der ihn im Schnellkurs zum Meister ausbildet.

Bei Castaneda, den ich im Anschluss las (Das Wirken der Unendlichkeit), hat es 13 Jahre gedauert, aber der Erzähler erwies sich auch als besonders resistent. Außerdem kann man im Verlauf von 13 Jahren 10 Bücher schreiben, was mehr ist als eines. Anscheinend – so lernt man aus den beiden Büchern –, sucht der Guru wie jeder in der Welt nach einem Schüler oder einer Schülerin, die wie er ist: Seine Zwillingsseele sucht er, die nach seinem Fortgang aus dieser Welt seine Arbeit fortführt.

Die Ausbildung ist hart, und was für die Leser bleibt, sind die Worte des Gurus, die Antworten des Schülers, die Berichtigung durch den Meister. Jeder braucht einen Meister, und in meinem Fall sind es eben viele viele Autorinnen und Autoren, deren Chor mich in die richtige Richtung lenkt.

Richard Bach fällt auf, dass Don seine weiß-goldene Travel Air 4000 nie betanken muss. Außerdem ist sie immer sauber: keine toten Insekten. Wenn Don will, findet er Richard und landet seine Maschine auf unmöglich kleinen Flecken. Seltsam. Wenn er repariert, bleibt seine Kleidung immer fleckenlos sauber, und wenn Richard einen Schraubenschlüssel braucht, wirft Don ihn ihm zu, und das Werkzeug wird in der Luft langsamer und legt sich ganz gemütlich vor ihn hin. (Wenn wir Räder reparieren, klappt nichts, wir ärgern uns nur über unsere Begriffsstutzigkeit.)

Doppeldecker bei einer Flugschau in Belmont, New York (kein Jahr; Library of Congress, Washington D. C.)

Natürlich denke ich da an das berühmte Buch von Robert M. Pirsig über Zen in der Kunst, ein Motorrad zu warten, wie Illusionen in den glorreichen 1970er Jahren erschienen, und ich erinnere an meine vier Beiträge darüber aus dem Oktober 2012:
Zehn Fahrräder reparieren,
Das Große Geheimnis,
Und noch ein Geheimnis, und
Der Kobold-Effekt.

Das war damals eine neue Art der Mystik und wies darauf hin, dass Technik nichts Feindliches sein muss, dass Materie beseelt ist und unserem Bewusstsein gehorchen mag. Wer etwas liebt, schenkt ihm seine Seele, und das Geliebte reagiert.

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