Curandera

Auf Youtube gibt es den Film Curandera vom Februar 2025, den Alexia Kraft de la Saulx gedreht hat. Curandera heißt Heilerin, und es tritt auf die junge bezaubernde Tatiana Aya Tupinambá, die uns durch den 37 Minuten langen Film führt. Es geht um Heilpflanzen und das sagenhafte Ayahuasca, ein Rauschmittel, das getrunken wird. 

Der gute Grillparzer wusste schon von magischen Zeremonien. Er ließ Libussa in seinem Stück, als sie die Feier vorbereiten, zu ihren Freundinnen sagen:

 

Bringt dunkles Harz und Bilsenkraut, Stechapfelsamen
Und werft es in die Glut. 
Wir wollen’s schlürfen,
Mit Rauch umnebeln unsern matten Sinn,
Dass er im Schlafe wacht und schläft im Wachen. 

Immer wieder sagen Leute, erzählt Tatiana: »Du stirbst, wenn du Ayahuasca trinkst.« Darauf sie:

Das ist wahr. Es ist allerdings ein psychologischer, spiritueller, mentaler Tod. Damit bist du vorbereitet, wenn der letzte Tod kommt. Der Tod ist ja etwas Kontinuierliches, und sogar im Tod gibt es Schönheit. 

Sagten nicht die Mystiker: Stirb, noch bevor du stirbst! Sie meinten ein Abschiednehmen vom Alten, den Verlust des Ich und eine spirituelle Neugeburt. Ayahuasca wird, wenn die Einnahme mit einem guten Ritual verbunden wird, das Bewusstsein erweitern wie sonst nur LSD oder mancher halluzinogene Pilz, der Psilocybin enthält.

 

Tatiana Aya Tupinambá wurde im Nordosten Brasiliens geboren. Ihre Mutter hat sie nie kennengelernt. Sie wanderte in die USA aus und lebte in einem kleinen Apartment in New York City, »als die Medizin mich fand«. Sie fühlte sich isoliert und hatte den Wunsch, zu sterben, doch eine Freundin sagte zu ihr: »Erst trinkst du diese Medizin.« Da bekam sie eine klare Botschaft: Sie solle dorthin zurückkehren, wo sie aufgewachsen war: in den Dschungel. Der Ruf war stark in ihrem Herzen, sagte sie und erwähnt:

Ich sehe viel Traurigkeit wegen Unbezogenheit. Die Menschen sind isoliert und gehen zum Arzt, weil sie sich nicht darauf besinnen können, was die Bedeutung von all dem ist.  

Tatiana ging nach Pucallpa in Peru, und irgendwann hörte sie den Namen Juan Flores als den eines großen Heilers. Sie wanderte zu ihm nach Mayantuyacu, und dieser Pflanzenkenner sollte ihr Lehrmeister werden. Bald wusste sie, dass das Heilige von oben herabströmt und alles enthält, was wir brauchen. Bevor die Heiler einem Baum Harz entnehmen oder sonst eine Pflanze anzapfen, blasen sie Rauch auf sie und bitten um Verständnis. Tatiana nennt Flores »Maestro« und sagt, auch die verstorbenen Curanderos sängen und heilten noch immer. Die junge Elevin wollte unbedingt Curandera werden. Sie sagt:

Wenn du die Medizin einnimmst, bist du schon in einem veränderten Bewusstseinszustand. Wir lieben die Stille und völlige Dunkelheit. Dann können wir nach innen gehen und uns selbst erleben: traumartig ist das. Damit du weißt, wo du stehst. 

 

Juan Flores sah das Leiden in der jungen Frau, die als Jugendliche sexuell missbraucht wurde, zuletzt mit 14 Jahren. Später starb ihr Cousin, der ihr Halt gegeben hatte, und sie fühlte sich sehr allein. Doch plötzlich spürte sie die Liebe ihrer Mutter, die sie ja nie gesehen hatte, und das veränderte alles. Sie wachte auf. Und sie erinnert uns:

Werde dir deines Lebens bewusst: ob es wirklich das deinige ist. Und am wichtigsten: Berühre die Menschen, berühre ihr Leben, verändere es!  

 

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