Im Mars-Monat

Der März, der heute beginnt, ist nach dem Kriegsgott Mars benannt. Im sehr alten Rom fing heute ein neues Jahr an, doch schon 153 vor Christi Geburt legte man den Jahresanfang auf den 1. Januar. Viele unserer Monatsnamen weisen noch auf jene alte Zeit hin, denn September (sept) ist der siebte, November (nove) der neunte, Dezember der zehnte Monat.

Nach den etwas düsteren letzten zehn Beiträgen muss etwas Neues her, aber das alles hat sich so angeboten, und ich denke an eine alte Freundin aus München, die schon gestorben ist und gern sagte: »Ich will lieber in die Hölle, da sind die interessanteren Leut‘!«

Der Winter hat nun nicht mehr viel zu sagen, und Horaz (Quintus Horatius Flaccus, 65-8 v. Chr.) schrieb in seiner Ode 1,4:

Hier schmilzt gestrenger Winter in willkommenem Wechsel 
des Frühlings und der Westwinde,
Fort ziehen Rollen die trockenen Kiele.
Schon findet nicht mehr in den Ställen Gefallen das Vieh
noch der Pflüger an Feuer,
nicht mehr die Wiesen leuchten weiß im Reif. (…)

Die Leute gehen hinaus! Aber hütet euch vor den Iden des März, vor der Monatsmitte, die schon Julius Caesar fürchtete, der dann am 15. März 44 vor Christus ermordet wurde. Horaz hat es mitgekriegt.

2000 Jahre später beobachtete ein Mann des Nordens den März: Peter Huchel.

Spitzhackig schlägt der März
das Eis des Himmels auf .
Es stürzt das Licht aus rissigem Spalt 
niederbrandend 
auf Telegrafendrähte und kahle Chausseen. 

Mario Luzi, der Florentiner, thematisierte das Ende des Winters so:

Der Winter und sein Ende 
kommen heraus aus diesen Bergen
hoch in den Himmel, 
zur Schlacht,
doch es zögert der eine
sowie das andere, bezaubert
von jenem Licht
von vielfarbigem Kristall 
und dem Duft in den Tälern. (…)

Der Dichter findet am Ende immer zu einer Erhöhung:

Ist es Winter oder Frühling? Wir wissen es nicht, 
wir sind und sind nicht nichts,
in der Vielfalt setzen sich die Erscheinungen fort,
aber innen drin ist das Leben, in jedem
wundervollen Augenblick.   

 

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