Geister und die Japaner

Japan kommt wieder, nach unserer Mini-Serie vom Februar (Links unten). Die Geister Japans passen ja gut zu denen der Südsee. Vor 20 Jahren hatte ich das Buch Ghosts and the Japanese (1994) gelesen, das Michiko Iwasaka (geb. 1945) und Barre Toelken (1935-2018) schrieben, und zum Glück habe ich mir Notizen gemacht. Hier sind sie.

Die Welt, in der wir leben, heißt auf Japanisch kono-yo, die Welt jenseits von unserer ano-yo. Andere Begriffe: kanashibari für den Bann im Schlaf (Schlafparalyse), zwashiki warashi für rachsüchtige Kindergeister.

Die Verstorbenen besuchen nach dem Glauben in der Obon-Periode ihre früheren Häuser, also zwischen dem 13. und 16. August. Familien gehen auf die Gräber, essen und tanzen. Es gibt oft Feuerwerke und toro nagashi: die schwimmenden Laternen.

Toro nagashi in Hiroshima

Man denkt sich das Land der Toten ganz in der Nähe. In manchen Gegenden gab es den Brauch, dass ein Familienmitglied die Nacht neben dem soeben Verstorbenen verbrachte. Am nächsten Tag bereitet die Familie die Pilgertasche vor, die zudatoukuro. Hinein kommen persönliche Gegenstände sowie mon, eine Münze, die die Überfahrt hin nach ano-yo bezahlen soll. Die Tasche wird dem Verstorbenen um den Hals gehängt.

Beim buddhistischen Begräbnis (kita makura) wird der Kopf des Toten in Richtung Norden gedreht. Es gibt auch Aberglauben: shi heißt vier, aber auch Tod. Darum gibt es beim Sushi nie 4 Farben, und man möge sich hüten, 4 Seiten zu schreiben (shimai)! Drei Seiten (mikire) schreibt man auch nicht, denn drei bedeutet auch Verletzungen: den Körper schneiden.

Hori Ichiro war der Ansicht, der Verstorbene behalte seine Identität nur bis zum 33. Jahrestag seines Todes (wenn ich das richtig verstehe). Sein Kollege Yanagita Kunio (1875-1962), der wie Malinowski viel von Feldforschung hielt, sagte, die Ahnen (senzo) existierten weiter, aber nur, weil sie von uns gefeiert würden. Diese Götter oder Vorfahren, derer man gedenkt, sind die matsumareru kami.

Die Seele heißt im Japanischen shiryō. Auch dort fürchtet man sich: vor dem goryō, dem rachsüchtigen Geist eines Menschen, der den Martertod gestorben ist, und vor den yūrei: Das sind alle, die unter großen emotionalem Stress starben und eine unheilvolle Energie mit sich tragen.

Schließlich vermerkten die Autoren noch etwas, was mir besonders gefällt, weil ich so etwas seinerzeit in meinem Buch Phantome der Berge auch vertreten habe:

Die Berge sind darum eine Umgebung, in der die Lebenden mit den Geistern der Toten in Kontakt treten können, wo Menschen auf Tiere stoßen und wo Wanderpriester (yamabushi) zwischen Welten vermitteln; kurz gesagt stellen Berge eine Grenzgebiet (liminal area) dar, in der fast jeder in andere Dimensionen eindringen kann. 

 

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